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<title>… zum aktuellen Zeitgeschehen | Hier und Jetzt – Institut für Kreativität &amp; Meditation</title>
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		<title>Hierjetzt.de: Aktuelle Artikel</title>
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		<lastBuildDate>Thu, 09 Feb 2012 20:27:00 +0100</lastBuildDate>
		
		
		<item>
			<title>Alles klar auf der Concordia</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/alles-klar-auf-der-concordia.html</link>
			<description>Aus dem Tagebuch des Kreuzfahrtschiffkapitäns Francesco Schettino</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Die Medien haben mich natürlich zur Sau gemacht. Plötzlich war ich der „ehrlose Lügen-Kapitän“. Ich hätte das sinkende Schiff als einer der Ersten verlassen, anstatt – „wie es sich für den Kapitän gehört“ – als Letzter von Bord zu gehen. Diese Idioten haben ja keine Ahnung.&nbsp; Wir leben doch nicht mehr im 19. Jahrhundert! Oder im Krieg, wo die Kapitäne zum Heldentum verdonnert wurden. Ich habe kein Schlachtschiff gesteuert, sondern einen Vergnügungsdampfer.</p>
<p class="bodytext">Wenn ein Kreuzfahrtschiff sinkt, ist es völlig unmöglich, Tausende von Passagieren und Besatzungsmitgliedern innerhalb von 30 Minuten in Rettungsboote zu verfrachten und in Sicherheit zu bringen. Selbst ein Stunde reicht dafür nicht. Das steht natürlich nicht in den allgemeinen Geschäftsbedingungen, die die Passagiere unterschreiben müssen. Stattdessen verbreiten die Reedereien das Märchen, dass die modernen Kreuzfahrtschiffe praktisch unsinkbar seien. Das ist eine kriminelle Lüge. Mit ihrem geringen Tiefgang und den hohen Aufbauten ist eher das Gegenteil der Fall. Je höher die Aufbauten, desto mehr Stockwerke hat das schwimmende Luxushotel. Und je mehr Passagiere man unterbringen kann, desto rentabler ist das Geschäft. Es geht hier nicht um Sicherheit, sondern schlichtweg um Gewinnmaximierung.</p>
<p class="bodytext">Als ich mich ins Rettungsboot fallen ließ, war ich fest davon überzeugt, dass das Schiff in Minutenschnelle absaufen würde, wie eine kaputte Spielzeugente in der Badewanne. Das kann mir keiner zum Vorwurf machen. Mein Anwalt, Dottore Lorenzo, sieht das auch so. Es gibt keinen Paragraphen im Gesetzbuch, der vorschreibt, dass der Kapitän als Letzter sein sinkendes Schiff verlassen muss.&nbsp; Das wissen die Bosse von der Costa Reederei natürlich auch. Als sie mich zum Kapitän der „Concordia“ machten, hat mir keiner gesagt, dass ich im Ernstfall zum Selbstmord verpflichtet wäre.</p>
<p class="bodytext">Ich kann den Schock nicht beschreiben, diesen Augenblick, als mir bewusst wurde, dass das Schiff verloren war. Mein erster Gedanke galt Domnica, die ich als blinde Passagierin an Bord geschmuggelt hatte. Ich rannte los, um sie zu suchen. Ich wollte Domnica in Sicherheit bringen, noch bevor ich den Befehl zur Evakuierung des Schiffes gab.</p>
<p class="bodytext">Als ich die Tür zu meiner Kabine – unserem Liebesnest – aufriss, war sie weg. Das schlaue Kind hatte offenbar Lunte gerochen, als das Geschirr in den Bord-Restaurants anfing, von den Tischen zu rutschten. Aber wo war sie? Ich griff zum Handy und wählte ihre Nummer. Dann ihre Stimme: „Hallo, mein süßer Seebär!“ sagte sie mit einer geradezu irrsinnigen Fröhlichkeit. Und ich schrie: „Wo steckst du??“ – „Ich bin schon an Land“, jubelte sie. Mir blieb die Spucke weg. Erst viel später erfuhr ich, dass sie einen netten Matrosen dazu überredet&nbsp; hatte, sie in einem Beiboot an Land zu rudern bevor der Run auf die Rettungsboote losging. „Ich komme!“ brüllte ich und steckte das Handy ein.</p>
<p class="bodytext">Für einen Augenblick vergaß ich, was um mich herum geschah. Plötzlich war ich umringt von schreienden Passagieren. Einer von meinen Offizieren hatte den Evakuierungsbefehl gegeben. Und dann ging natürlich das Chaos los. Alle drängten zu den Rettungsbooten. Ich wollte nur noch weg und mich in Domnicas Arme werfen.</p>
<p class="bodytext">Als ich das Ufer erreicht hatte, sah ich meine gekenterte „Concordia“ aus einem neuen Blickwinkel. Sie lag da wie ein riesiges Meereswesen, unbeweglich, hilflos, und tödlich verwundet. Ich fühlte mich winzig klein, und als mir bewusst wurde, dass ich es war, der dieses wunderbare 400 Millionen Euro teure Schiff in den Untergang gesteuert hatte, traf mich das wie ein Schlag mit dem Dampfhammer. Von da an hatte ich den totalen Black-out. Stundenlang. An Domnica habe ich überhaupt nicht mehr gedacht.</p>
<p class="bodytext">Jeder in der Branche weiß, dass Kreuzfahrtschiffe mit ihrem geringen Tiefgang und den hohen Aufbauten unsicher sind. Der geringe Tiefgang gibt den Kapitänen die Möglichkeit, auch in relativ flachen Gewässern zu navigieren, besonders in Küstennähe. Die meisten Passagiere langweilt es nämlich, wenn sie ewig nur Wasser bis zum Horizont sehen. Die wollen was erleben. Wenn so ein Koloss wie die „Concordia“ auftaucht – turmhoch und 293 Meter lang – rennen die Einheimischen natürlich zum Ufer und staunen, und halten sich die Ohren zu, wenn das Schiffshorn brüllt. In der Kreuzfahrt-Branche nennt man solche riskanten küstennahen Manöver „Vorbeifahrten“ oder „Verneigungen“.</p>
<p class="bodytext">Ich habe meinen Spaß dabei gehabt, zumal die Costa-Reederei mich immer wieder dazu ermuntert hat. Ehrlich gesagt habe ich gar nicht daran gedacht, NEIN zu sagen, obwohl ich wusste, dass die Sache gefährlich ist. Ich bin halt ein Draufgänger. Deshalb habe ich mitgemacht bei diesem Quatsch. Außerdem wollte ich mich bei meinen Bossen nicht unbeliebt machen. Kapitän eines Kreuzfahrtschiffes vom Kaliber der „Concordia“ ist ein Traumberuf. Wer gibt den schon freiwillig auf?&nbsp; Jetzt bin ich klüger. Aber es ist zu spät.</p>
<p class="bodytext">Die Bosse der Costa-Reederei haben mich den Medien zum Fraße vorgeworfen. Diese Sauerei werde ich ihnen heimzahlen, wenn es zum Prozess kommt. Auf keinen Fall werde ich mich wie ein Opferlamm abschlachten lassen. Ich werde den Richtern sagen, dass mich die Reederei gedrängt hat, möglichst dicht an der Küste von Giglio entlang zu fahren. Es war das zweite Mal. Beim ersten Mal war ich sogar noch dichter am Ufer. Die Reederei hat es gewusst, aber mich nicht verwarnt. Beim zweiten Mal habe ich den Kurs nur ganz geringfügig verändert. Und dann plötzlich… ich konnte es nicht fassen.</p>
<p class="bodytext">Pater Bertoldi, unser Bordpfarrer, hat später behauptet, ich hätte eine Viertelstunde lang schluchzend in seinen Armen gehangen. Daran kann ich mich nicht erinnern. Ich nehme mal an, dass er mit dieser Behauptung darauf aufmerksam machen wollte, dass auch ich ein Opfer der Katastrophe bin und Mitleid verdiene.</p>
<p class="bodytext">Tatsächlich stimmt das ja auch. Ich fühle mich jedenfalls nicht als Schuldiger. Ich habe nur das gemacht, was von mir verlangt wurde. Meine Hauptaufgabe bestand darin, dafür zu sorgen, dass die Passagiere jede Menge Spaß haben. Ich denke jetzt viel darüber nach. Und frage mich, ob es für mich nicht besser gewesen wäre, Kapitän auf einem Containerschiff zu sein. Je mehr Abstand ich zu diesem ganzen Kreuzfahrt-Business gewinne, desto absurder erscheint es mir.&nbsp;</p>
<p class="bodytext">Man nennt diese schwimmenden Luxushotels „Traumschiffe“. Im Rückblick kann ich sehen, dass ich selber wie in einem Traum gefangen war. Die Passagiere haben mich angehimmelt, besonders die Frauen. Ich war ihr Liebling. Alle wollten beim Kapitänsdinner an meinem Tisch sitzen. Ich war der Star. Und 2000 Mann Besatzung hörten auf mein Kommando. Es war gut für mein Ego. Für mich nicht.</p>
<p class="bodytext">Ich drehte mit der Concordia meine Runden. Fünf Mittelmeerstädte in einer Woche. Kein Problem! Es geht den Passagieren ja nicht darum, fremde Länder und Menschen kennen zu lernen. Wenn das Schiff in einem Hafen anlegt, wollen sie vor allem knipsen und shoppen. Auf den Kais wartet schon die Bus-Flotte. Man steigt ein. Stadtrundfahrt. Fotos durch das Bus Fenster. Dann endlich shoppen. Nach ein paar Stunden sind Städte wie Marseille oder Barcelona abgehakt. Und es geht weiter mit dem Remmidemmi an Bord. Drei Hauptmahlzeiten am Tag. Dazwischen Obst und Gebäck, Kaffee und Kuchen. Auf den Sonnendecks liegt man Schulter an Schulter in schnurgerade ausgerichteten Liegestühlen und lässt sich von der Sonne braten. Diskotheken. Swimmingpools. Und am Heck ein Platz, wo die Golfspieler den Abschlag üben können – irgendwo zwischen Barcelona und Sizilien.</p>
<p class="bodytext">Heute erst frage ich mich: was sind denn das für Leute, die auf einem Traumschiff durch die Welt fahren, vor allem, um sich mit Prosecco aufzufüllen, den Bauch voll zu schlagen und ein permanentes Entertainment Programm durchzuziehen?</p>
<p class="bodytext">Vielleicht hat mein Anwalt, Dottore Luigi Recht. Neulich sagte er zu mir: „Francesco, die Medien schütten Kübel von Jauche über deinem Kopf aus, aber im Grunde verdienst du einen Orden. Die Concordia ist nämlich eine wunderbare Metapher. Eigentlich hätte die Concordia besser ‚Traumschiff Europa‘ heißen sollen. Wir sind alle Passagiere auf diesem Vergnügungsdampfer. Das Entertainment lenkt uns angenehm ab. Wir brauchen nicht nachzudenken. Wir wollen uns keine Sorgen machen. Wir wollen stressfrei die Weltmeere befahren. Wir wollen etwas von der Welt sehen, aber auf keinen Fall wollen wir dabei unsere Komfortzone verlassen. Wir sind nicht unterwegs, um uns Elendsviertel anzuschauen. Exotische Folklore-Truppen, die für uns an Bord tanzen und singen, sind uns lieber…“</p>
<p class="bodytext">&nbsp;„Und was dich anbetrifft, mein lieber Francesco“, sagte Dr. Luigi zum Schluss, „so hast du die Illusion, dass die Party ewig so weitergeht und wir nicht untergehen können, gründlich zerstört. Das ist dein Verdienst. Dafür sollten wir dir alle dankbar sein!“</p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 20:27:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Wo Chaos ist gibt es auch Hoffnung</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/wo-chaos-ist-gibt-es-auch-hoffnung.html</link>
			<description>Aus der Eurokrise kann ein lebensbejahendes Geld- und Wirtschaftssystem hervorgehen
So, jetzt...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Aus der Eurokrise kann ein lebensbejahendes Geld- und Wirtschaftssystem hervorgehen</h2>
<p class="bodytext">So, jetzt haben wir es also das verflixte Jahr 2012, und es wird sich zeigen, ob die Propheten der Mayas richtig lagen, als sie den Weltuntergang voraussagten. Ich bin da eher skeptisch, zumal die Propheten den Untergang ihrer eigenen glanzvollen Hochkultur überhaupt nicht auf dem Schirm hatten. Aber ich muss nicht an die Maya Legende glauben, um mir vorstellen zu können, dass dieses Jahr unter dem Motto in die Geschichte eingehen wird: „The shit hits the fan“.&nbsp;</p>
<p class="bodytext">Während die Medien rund um die Uhr Katastrophenmeldungen über die Finanzkrise in die Welt trompeten und die Politiker kurzatmiges Krisenmanagement betreiben, kommt es mir so vor, als lebte ich in einem Irrenhaus. Wahnsinn und Verwirrung in Konferenzen und Talkshows – aber der Alltag geht weiter, so als wäre überhaupt nichts los.&nbsp;</p>
<p class="bodytext">Vielleicht ist bei uns noch keine Panik ausgebrochen, weil die Leute nicht verstehen, worum es eigentlich geht. Schulden? Na klar – die macht doch jeder, warum soll das plötzlich ein Problem sein? Wir hören doch ständig, dass wir zügig konsumieren müssen, damit die Binnennachfrage gestärkt wird. Wenn wir nicht genug kaufen, kracht der Laden zusammen. Also kaufen wir, buchen Flüge für den Sommerurlaub, zahlen unser Auto in Raten ab, und auch den neuen HD Flachbildfernseher und, und, und…</p>
<p class="bodytext">Die Situation erinnert mich an einen Witz: Ein Bundestagsabgeordneter besucht ein Irrenhaus. Der Direktor führt ihn über das Anstaltsgelände. Es ist ein sonniger Tag. Von weitem beobachtet der Abgeordnete, wie Anstaltsinsassen um den Beckenrand herumtoben und kopfüber in den Pool hüpfen. „Da herrscht ja ein munteres Treiben“, begeistert sich der Abgeordnete, und der Anstaltsleiter antwortet ebenso begeistert: „Sie sollten mal erleben, was hier abgeht, wenn Wasser im Becken ist!&quot;&nbsp;</p>
<p class="bodytext">Ich habe versucht, mich durch einschlägige Lektüre mit der Finanzwirtschaft vertraut zu machen. Aber je mehr ich las, desto undurchsichtiger wurde die Sache. So wundert es mich überhaupt nicht, dass hochrangige Experten oft fundamental gegensätzliche Krisenanalysen vertreten. Wahrscheinlich liegt es daran, dass unsere Geldwirtschaft eine Projektionsfläche ist, die unsere Gier und unsere Ängste spiegelt. Wo solche Kräfte der Unbewusstheit entfesselt werden, hat Vernunft keine Chance. Die Player dieser globalen Wahnsinnsindustrie bewegen sich wie Drahtseilakrobaten in schwindelnder Höhe. Ein schwacher Windhauch, ein absurdes Gerücht, ein Computercrash, das unbedachte Wort eines Politikers bringt sie aus dem Gleichgewicht und verleitet sie zu verheerenden Panik-Reaktionen.</p>
<p class="bodytext">Wir ärgern uns über die gierigen Banker und wild gewordenen Spekulanten, die den Hals nicht voll kriegen können. Dabei sind sie doch Menschen wie du und ich. Sie greifen zu, wenn sie Geld riechen. Wir versuchen, uns mit Lottoglück zu bereichern. Völlig idiotisch. Die Banker gehen etwas professioneller vor und spekulieren auf den Finanzmärkten. Die meisten Menschen hassen sie dafür. Aber für einen Massenaufstand gegen die Manager reicht es noch nicht.&nbsp;</p>
<p class="bodytext">Der „Spiegel“ kam Anfang Dezember – mitten in der schönsten Weihnachtsshoppingzeit – mit einer Titelgeschichte auf den Markt, die auf dem Cover mit der Frage „Und jetzt?“ einen zertrümmerten Euro vor pechschwarzem Hintergrund zeigte. Resignation pur! Hat der ultimative Crash vielleicht schon begonnen? Auf der „Titanic“ haben die Passagiere ja auch noch stundenlang fröhlich weiter getanzt, bevor sie endlich merkten, dass ihr Schiff unterging.&nbsp;</p>
<p class="bodytext">„Und jetzt?“ Die Frage ist praktisch eine Bankrotterklärung und ein Warnsignal für diejenigen, die unsere Geldwirtschaft für reformierbar halten. Hier nur drei Gründe, für die Behauptung, dass das System letztlich nicht zu retten ist:</p><ul><li>Die Finanzindustrie hat sich weitgehend von der sogenannten „Realwirtschaft“ abgekoppelt. Das meiste Geld wird mit Geld verdient, nicht mit der Produktion von Sachwerten und Dienstleistungen. Spekulation ist rentabler als Produktion. Vor dem Crash 2008 gab es Zeiten, in denen der VW-Konzern mit seiner hauseigenen Bank mehr Geld verdiente, als mit der Produktion von Autos. In England und den USA wurde an den Börsen der Wallstreet und der Londoner City das meiste Geld gemacht - auf Kosten der Industrieproduktion – nirgendwo schrumpfte sie mehr als in diesen beiden Ländern. Die moderne Finanzwirtschaft produziert Armut und Verzweiflung, zerstört Arbeitsplätze, zerreißt das soziale Netz, und&nbsp; macht die Demokratie zur Farce. Das führt zwangsläufig zu einem Ende in Chaos und Gewalt.</li><li>In der Frühzeit des Kapitalismus haben die Banken nur so viel Geld verliehen, wie sie in Form von Einlagen und Sachwerten besaßen. Heutzutage brauchen die Banken ihre Kredite nur noch mit zwei bis höchstens zehn Prozent Eigenkapital abzusichern. Weil den Bankern das noch zu viel ist, haben sie „Schattenbanken“ gegründet, die sogenannten Investmentbanken. Hier tobt sich die Lust am Risiko aus. Es gibt keine Kontrollen und Auflagen und – kaum zu glauben – das irre Spekulationsgeschäft wird nicht besteuert. Dabei entstand eine regelrechte Geldschwemme. Die Anleger wussten gar nicht, wohin damit. Die Kredite wurden billiger und haben die meisten Staaten dazu verführt, sich gigantisch zu verschulden. Aber Kredite müssen irgendwann zurückgezahlt werden. Wer nicht zahlen kann ist pleite. Die Griechen waren die ersten. Und sie werden nicht die letzten sein.</li><li>Das Krisenmanagement der Politiker beschränkt sich darauf, die Wirtschaft wieder so aufzustellen, wie sie vor der Krise war. Mit Rettungspaketen für die Pleitestaaten sollen Konjunktur und Wachstum wieder angekurbelt werden. Dabei leben wir doch auf einem Planeten, dessen Rohstoffe nicht unerschöpflich sind. Unaufhörliches Wachstum ist folglich ein Irrglaube.</li></ul><p class="bodytext">Was jetzt? Die gute Nachricht ist, dass die Finanzkrise die Mittelklasse erreicht hat. Die Kinder der bürgerlichen Intelligenz haben lange geschlafen und die Krisensignale aus dem Irrenhaus nicht gehört. Sie wollten vor allem Karriere machen – innerhalb des Systems. Jetzt wachen sie langsam auf, und so wächst die Hoffnung auf Veränderung.&nbsp;</p>
<p class="bodytext">Die Occupy Wallstreet - Bewegung ist ein guter Anfang. Aber Wutbürger-Proteste reichen natürlich nicht, um ein Wirtschafts-und Finanzsystem aus den Angeln zu heben, das seit hundert Jahren von der Gier und der Angst der Menschen lebt. Es gibt nur eine Kraft, die es mit der zerstörerischen Macht des Geldes aufnehmen kann – und das ist die Kraft der Liebe. Der Wiener Wirtschaftswissenschaftler Franz Hörmann, formuliert die Essenz einer neuen Geldwirtschaft mit einem Satz: „Weg von Konkurrenz und Kampf und hin zu Transparenz und Kooperation“.&nbsp;</p>
<p class="bodytext">Sind wir bereit dazu? Eine neue Geldwirtschaft der Transparenz und Kooperation kann ja der Gesellschaft nicht von oben her verordnet werden. Sie braucht die Menschen, die sie in die Praxis umsetzen. Sind wir bereit dazu, weniger zu kaufen und mehr zu geben? Können wir unsere Angst vor Armut überwinden? Können wir auf den eigenen Vorteil verzichten und mit denen teilen, die am Rand der Gesellschaft leben – den Alten, den chronisch Kranken, den Behinderten, den Immigranten aus armen Ländern? Können wir bescheiden sein und auf Luxus verzichten?&nbsp;</p>
<p class="bodytext">Und last but not least: sind wir bereit, Verantwortung zu übernehmen und uns einzubringen? Die Geldwirtschaft ist unglaublich kompliziert. Und sie ist keine abstrakte Theorie, sondern ein Prozess, der von uns, den Marktteilnehmern, kreative Teilnahme verlangt. Wir müssen uns damit beschäftigen, wenn der Übergang zu einer neuen Geldwirtschaft gelingen soll.&nbsp;</p>
<p class="bodytext">Die Diskussion hat schon lange vor der Finanzkrise begonnen. Sie ist von Wissenschaftlern angestoßen worden, die den Crash unserer dysfunktionalen Finanzmärkte erkannt haben. Jeden Tag kommen neue Leute dazu. Sie tauschen sich über das Internet aus. In den Chat-Foren blühen die interessantesten Konzepte (siehe die Link-Vorschläge am Ende des Klartexts).&nbsp;</p>
<p class="bodytext">Wie soll es weitergehen? Vor den Portalen der Konzernpaläste protestieren die Wutbürger und machen denen Angst, die drinnen an ihren Computern sitzen. Schade eigentlich. Denn wahrscheinlich wird der komplizierte Übergang zu einem neuen und modernen Finanzsystem nur gelingen, wenn Tausende von Bankern ihr Know-how einbringen. Mit anderen Worten: die Protestbewegung muss – friedlich natürlich – von der Straße auf die Banken übergreifen. Das mag utopisch klingen. Aber ich bin überzeugt davon, dass viele Banker der mittleren Führungsebene insgeheim mit denen sympathisieren, die draußen auf der Straße protestieren. Wir sitzen alle im gleichen Boot.<strong></strong></p>
<p class="bodytext"><strong>Literatur und Links zum Thema:</strong>&nbsp;</p>
<p class="bodytext">Bernard A. Lietaer: „Das Geld der Zukunft – über die zerstörerische Wirkung unseres Geldsystems und Alternativen hierzu“ – Riemann Verlag – ISBN 3-570-50035-7</p>
<p class="bodytext">Yoshi Frey: „Die gläubigen Schuldner – die spirituellen Gründe des Geldwahns“- Books on Demand GmbH – ISBN 3-8334-3310-8 – Vorwort von Margrit Kennedy&nbsp;</p>
<p class="bodytext"><a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/oligarchie-der-finanz-der-krieg-der-banken-gegen-das-volk-11549829.html" target="_blank" class="external-link-new-window" >www.faz.net/aktuell/feuilleton/oligarchie-der-finanz-der-krieg-der-banken-gegen-das-volk-11549829.html</a></p>
<p class="bodytext"><a href="http://www.youtube.com/results?search_query=Bernard+A.+Lietaer&amp;oq=Bernard+A.+Lietaer&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;gs_sm=s&amp;gs_upl=36506l48072l0l51748l20l20l0l10l0l0l447l1405l4.5.4-1l10l0" target="_blank" class="external-link-new-window" >www.youtube.com/results?search_query=Bernard+A.+Lietaer&amp;oq=Bernard+A.+Lietaer&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;gs_sm=s&amp;gs_upl=36506l48072l0l51748l20l20l0l10l0l0l447l1405l4.5.4-1l10l0</a></p>
<p class="bodytext"><a href="http://www.eco-world.de/scripts/basics/eco-world/service/literatur/basics.prg?a_no=449" target="_blank" class="external-link-new-window" >www.eco-world.de/scripts/basics/eco-world/service/literatur/basics.prg?a_no=449</a></p>
<p class="bodytext"><a href="http://www.youtube.com/results?search_query=Margarit+Kennedy&amp;oq=Margarit+Kennedy&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;gs_sm=s&amp;gs_upl=6535l18737l0l23347l16l15l0l8l8l0l195l884l3.4l7l0" target="_blank" class="external-link-new-window" >www.youtube.com/results?search_query=Margarit+Kennedy&amp;oq=Margarit+Kennedy&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;gs_sm=s&amp;gs_upl=6535l18737l0l23347l16l15l0l8l8l0l195l884l3.4l7l0</a></p>
<p class="bodytext"><a href="http://www.transaction.net/" target="_blank" class="external-link-new-window" >www.transaction.net/</a></p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 20:22:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Yes, we can?</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/yes-we-can.html</link>
			<description>Viel ist nicht daraus geworden</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Was für ein wunderschöner Tag das war, dieser 5. November 2008, als Barack Obama mit seiner Frau Michelle und ihren beiden Töchtern auf die festlich geschmückte Bühne im Grant Park von Chicago trat und sich mit erhobenen Armen Hunderttausenden von Menschen als ihr soeben gewählter nächster Präsident vorstellte. Ich saß morgens um sechs mit angehaltenem Atem vor dem Fernseher und war überzeugt davon, dass ich gerade Zeuge eines historischen Ereignisses war. </p>
<p class="bodytext">Die&nbsp; globale Finanzindustrie war im Begriff, auseinander zu brechen. Die Weltwirtschaft befand sich auf einer rasenden Talfahrt. Jeden Monat verloren, allein in Amerika, Hunderttausende ihren Arbeitsplatz. Immer mehr Menschen – am Ende waren es fast zwei Millionen – verloren auch&nbsp; ihre Häuser, weil sie ihre Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlen konnten. Überall herrschte Verzweiflung, Angst, Hoffnungslosigkeit. Und dann kam ER – Barack Obama, der Retter, der Hoffnungsträger, die Lichtgestalt .</p>
<p class="bodytext">Besonders die junge Internetgeneration schwärmte für ihn. Obama versprach ihr, aufzuräumen mit der Washingtoner Lobbykratie, in der&nbsp; Interessengruppen durch Bestechung von Abgeordneten und mit&nbsp; teuren Desinformationskampagnen die parlamentarische Demokratie ad absurdum führen. </p>
<p class="bodytext">&nbsp;Auch ich war begeistert von diesem lässigen, blitzgescheiten Afro-Amerikaner, der seinen Wahlkampf&nbsp; mit so viel Fairness, Offenheit und selbstbewusster Bescheidenheit geführt hatte. Mir war klar, dass er als Präsident vor einer ungeheuren Herausforderung stand, aber mit seinem Wahlsieg hatte seine Partei&nbsp; auch die Mehrheit im amerikanischen Abgeordnetenhaus und im Senat gewonnen. Obama hatte also die besten Startbedingungen. </p>
<p class="bodytext">Drei Jahre später ist der Lack ab von der Lichtgestalt. Von „yes we can!“ kann keine Rede mehr sein. Der „mächtigste Mann der Welt“ ist von seinen Gegnern demontiert worden – von den Banken, den Energiekonzernen, der Pharma-Industrie, der Israel-Lobby, der Rüstungsindustrie und last, but not least, von dem rechtsextremen Flügel der Republikanischen Partei, der sogenannten Tea-Party, die ständig an Einfluss gewinnt. </p>
<p class="bodytext">14 Millionen Arbeitslose. Die Wirtschaft am Abgrund. Nach zwei Jahren im Amt hat Barack Obama bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Kongress eingebüßt. Seitdem ist er auf die Unterstützung der Republikaner angewiesen, wenn er Großes vollbringen will. Aber die Republikaner stehen auf der Bremse. Sie haben nur ein Ziel: „Der Schwarze muss raus aus dem Weißen Haus!&quot; </p>
<p class="bodytext">Dahinter verbirgt sich der düstere Schatten des amerikanischen Rassismus. Die Wahl Barack Obamas zum ersten afro-amerikanischen Präsidenten der Vereinigten Staaten wurde als der Sieg über den Rassismus gefeiert. Jetzt zeigt sich, dass die Angst vor dem schwarzen Mann tief in der Seele der weißen Amerikaner verankert ist – jedenfalls derjenigen Amerikaner, die den rechten Flügel der republikanischen Partei beherrschen. Für sie ist ein schwarzer Präsident eine Katastrophe. Sie wollen ihn los sein, koste es was es wolle. Sie haben das Gerücht gestreut, er sei gar nicht in Amerika geboren worden. Deswegen sei seine Wahl zum Präsidenten gesetzeswidrig gewesen. </p>
<p class="bodytext">Umfragen haben gezeigt, dass jeder fünfte Amerikaner den Schwindel glaubt, obwohl er tausendfach widerlegt worden ist. Für sie ist Obama ein Ausländer. Sie haben Angst vor diesem schwarzen Sklaven im Maßanzug. Er passt nicht in ihr Weltbild. Die amerikanische Nation ist so tief gespalten wie noch nie.</p>
<p class="bodytext">Mit seiner Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses hätte Obama Washington aus den Angeln heben können, so wie er es im Wahlkampf versprochen hatte. Daraus ist nichts geworden. Anstatt Washington umzukrempeln, ist&nbsp; Obama von&nbsp; Washington verschluckt worden. Viele meiner Freunde – hier und in Amerika – sind maßlos enttäuscht. Auch ich war es – bis ich die spannende Obama-Biografie von David Remnick gelesen hatte, dem Chefredakteur des Magazins „The New Yorker“. („The Bridge“- Verlag Knopf, 2010). Dieses Buch machte mich mit dem wirklichen Barack Obama bekannt. Der wirkliche Obama ist kein Idealist und erst recht kein Ideologe. Er ist ein Mann des nüchternen Kalküls – kein Revolutionär, sondern Pragmatist. </p>
<p class="bodytext">Er ist zwischen zwei Welten aufgewachsen, als Sohn einer weißen Mutter und eines Schwarzen aus Kenia. Seine Bezugspersonen waren seine weißen Großeltern, bei denen er den größten Teil seiner Kindheit verbrachte. Er wuchs nicht im schwarzen Ghetto auf. Er musste sich in Schulen bewähren und durchsetzen, die fast nur von weißen Kindern besucht wurden. Er musste ein besserer Schüler sein als die anderen, um anerkannt zu werden. Er durfte nicht aus der Rolle fallen, sich keine Feinde machen, er musste sich anpassen, ohne sich aufzugeben. </p>
<p class="bodytext">Das sind die Prägungen, die zunächst seine Karriere als Harvard Professor beflügelten und später seinen politischen Stil formten – vom Lokalpolitiker in Chicago bis zum Präsidenten im Weißen Haus. Barack Obama, der ausgleichende Faktor zwischen den Extremen, der Versöhner der Gegensätze, der taktvolle Manipulator, der geschmeidige Vermittler, der Mann, der zutiefst davon überzeugt ist, dass in allen menschlichen Konflikten am Ende die Vernunft siegt.</p>
<p class="bodytext">Mit dieser charakterlichen Ausstattung war Obama für einen Fehlstart in Washington geradezu prädestiniert. Dabei ist die Bilanz seiner bisherigen Amtszeit gar nicht mal so schlecht. Immerhin ist es ihm – damals, 2009 - gelungen, den Absturz der Wirtschaft in eine tiefe Rezession zu verhindern. Und mit seiner Gesundheitsreform hat er 35 Millionen Menschen die Tür zu einer Krankenversicherung geöffnet - gegen den geballten Widerstand der Pharmaindustrie und anderer mächtiger Interessengruppen.</p>
<p class="bodytext">Von Anfang an aber gab er seinen Anhängern Rätsel auf. So umgab er sich zum Beispiel, als es nach dem Zusammenbruch der Finanzindustrie darum ging, die Wirtschaft vor dem Absturz in eine tiefe Depression zu bewahren, mit Leuten, die durchweg aus der Finanzindustrie kamen und für das Chaos an der Märkten mitverantwortlich waren. Als Berater des Präsidenten sorgten sie nun dafür, dass die Großbanken nicht nur gerettet wurden, sondern einfach so weiter machen durften wie bisher. Warum hörte der Präsident nicht auf den Rat der beiden Nobelpreisträger Paul Krugman und Josef Stiglitz?&nbsp; Sie wollten, dass die&nbsp; Banken für den Schaden, den sie angerichtet hatten, haftbar gemacht werden und sich in Zukunft scharfen Kontrollen unterwerfen. </p>
<p class="bodytext">Was ist&nbsp; stattdessen geschehen? Obama hat die Banken mit vielen Milliarden an Steuergeldern aus dem Sumpf gezogen, damit sie so weiter machen können wie bisher. Das Spielcasino an der Wallstreet&nbsp; ist wieder geöffnet. Kein einziger von den Herren, die mit ihren kriminellen Geschäftsmethoden die Finanzindustrie an die Wand gefahren haben, ist zur Verantwortung gezogen worden. Und dann auch noch dies:&nbsp; Ohne jede Gegenleistung hat Obama die milliardenschweren Steuererleichterungen, die sein Vorgänger George W. Bush den Reichen und den Superreichen gewährt hatte, um drei Jahre verlängert. </p>
<p class="bodytext">Yes we can? Dem Pragmatiker Obama ist offenbar nichts anderes übriggeblieben, als sich den&nbsp; Machtverhältnissen in Washington zu beugen. So hat er gezeigt, was er nicht kann. Zum&nbsp; Beispiel:</p><ul><li>Der berüchtigte Folter-Knast von Guantanamo existiert immer noch.</li><li>In Afghanistan geht der Krieg weiter, obwohl die Mehrheit der Amerikaner den Krieg nicht will. Obama hat seinen Generälen nachgegeben und die Truppen in Afghanistan um 30.000 Mann verstärkt. Der Krieg kostet jeden Tag eine Milliarde Dollar – die&nbsp; Rüstungsindustrie freut sich.</li><li>Obamas Friedensbemühungen im israelisch-palästinensischen Dauerkonflikt sind an der Israel-Lobby kläglich gescheitert. Der Bau israelischer Siedlungen auf palästinensischem Boden – das Haupthindernis auf dem Weg zum Frieden – geht ungebremst weiter, obwohl Obama einen sofortigen Baustopp gefordert hatte. </li></ul><p class="bodytext">Unsere Erwartungen an den jungen Präsidenten waren viel zu hoch. Entsprechend groß ist nun die Enttäuschung: </p>
<p class="bodytext">Trotzdem bin ich froh, dass der amerikanische Präsident Barack Obama heißt und nicht George W. Bush. Und wenn ich mir die Leute aus der republikanischen Partei anschaue, die bei der Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr gegen Obama antreten wollen, weiß ich, dass ich meinem Freund Barack die Daumen drücken werde. Er hat es mit der Vernunft versucht und ist gescheitert. Aber jeder andere an seiner Stelle wäre auch gescheitert. Einer seiner Berater sagte kürzlich: „Baracks größter Fehler ist der, dass er mit unvernünftigen Leuten vernünftig reden will.“</p>
<p class="bodytext">So leidet Amerika weiter unter Angst, Hoffnungslosigkeit und Depression. 60 Prozent der Amerikaner glauben, dass Amerika auf dem falschen Weg ist. Damit haben sie Recht. Aber sie glauben auch, dass sie daran nicht schuld sind, dass „Washington“ dafür verantwortlich ist oder die Islamisten, die Umweltschützer, die Sozialhilfeempfänger, die Terroristen und natürlich Barack Obama, der „Sozialist“ (schlimmstes amerikanisches Schimpfwort!) der die Steuern erhöhen will.</p>
<p class="bodytext">&nbsp;Das ist die Lehre, die wir aus Obamas Problemen ziehen können: positive Veränderungen werden nicht von Politikern in Gang gesetzt – seien sie auch noch so charismatisch. Sie können erst stattfinden, wenn eine kritische Masse ein Bewusstseinspotenzial aufgebaut hat, das vernünftige Entscheidungen und aufgeklärtes Handeln auf allen Ebenen möglich macht. </p>
<p class="bodytext">Die kritische Masse – das sind wir. Während die Welt immer schneller zusammenwächst, ist Bewusstseinswandel ein Phänomen mit globaler Ausstrahlung. Jedes Individuum, das sich positiv verändert, stärkt die Energie des Wandels in der ganzen Welt. Das ist die gute Nachricht.</p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 16 Sep 2011 01:17:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Das späte Rom – neu aufgelegt</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/das-spaete-rom-neu-aufgelegt.html</link>
			<description>Über die Arroganz und den Niedergang der sogenannten Eliten</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Was der 62-jährige Schürzenjäger mit den Frauen anstellte, war bisher nur ein unterhaltsames Gesprächsthema im engen Kreis der französischen Power-Elite gewesen. Ein bisschen riskant waren seine erotischen Eskapaden ohne Frage, aber in dem hektischen Milieu der Chef-Etagen ist unkonventionelle Triebabfuhr offenbar kein Delikt, sondern eine harmlose Entspannungsmethode. Bis der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn (kurz DSK genannt) in einer New Yorker Luxus-Hotelsuite ein schwarzes Zimmermädchen anfiel und angeblich zum Oralsex zwang. </p>
<p class="bodytext">Da hörte der Spaß auf. Das war ein Schock. Plötzlich sah man, wie einer der mächtigsten Männer der Welt mit Handschellen gefesselt in einem New Yorker Gerichtssaal mitten unter Zuhältern, Drogendealern, Totschlägern, Einbrechern und anderen Ganoven erleben musste, dass eine kleine Haftrichterin ihn eiskalt in die Zelle eines Untersuchungsgefängnisses einwies, obwohl seine Anwälte eine Million Dollar Kaution angeboten hatten. Der Spiegel machte aus dem DSK-Skandal eine interessante Aufmachergeschichte unter dem Titel „Macht und Sex“. Aber im Grunde geht es um mehr – es geht um die Beziehung zwischen dem Volk und seinen Eliten. </p>
<p class="bodytext">Die Beziehung ist zutiefst gestört. „Die Menschen draußen im Lande“ (Parlamentarier-Jargon) fühlen sich von ihren Eliten verarscht – nicht nur hierzulande, sondern inzwischen weltweit. Das ist der Grund, warum die Affäre DSK überall mit einer solchen Wucht einschlug. </p>
<p class="bodytext">Die Arroganz der Mächtigen bekam ein Gesicht und manifestierte sich in einer unvergesslichen Szene mit hohem Fantasiegehalt: DSK kommt splitternackt aus dem Badezimmer und steht plötzlich vor einem Zimmermädchen – 1,80 groß, 32 Jahre alt, dunkelhäutig, schlank, aber nicht besonders attraktiv. Was macht man in einer solchen Situation? Man zieht sich einen Bademantel an und geht dem Mädchen aus dem Weg. Nicht so DSK. Der geht auf das Zimmermädchen los wie ein Hengst auf die Stute.</p>
<p class="bodytext">Der Mega-Skandal verbreitete sich mit Lichtgeschwindigkeit über den ganzen Globus. Der Mann, der die Macht hatte in das Leben von Millionen von Menschen einzugreifen, wurde als Repräsentant einer heruntergekommenen politischen Elite wahrgenommen.</p>
<p class="bodytext">Das Verhältnis zwischen dem Volk und seinen Eliten verändert sich ständig im Auf und Ab der Geschichte. Wenn die Eliten sich an Werten orientieren und ihnen das Wohlergehen der Menschen wichtig ist, herrscht zwischen Volk und Eliten Harmonie. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Deutschen ihr kaputtes Land wieder aufbauten, gab es zwischen oben und unten ein starkes Gemeinschaftsgefühl. </p>
<p class="bodytext">Die Manager dieser Zeit waren nicht nur am Geldverdienen interessiert. Ihnen lag auch das Wohlergehen der Menschen am Herzen. Der Konsens zwischen Wirtschafts-Elite und Volk erhielt später einen Namen: soziale Marktwirtschaft. Sie war das Fundament für einen rasanten Wiederaufbau, der schließlich darin gipfelte, dass die Bundesrepublik zur zweitstärksten Export-Nation der Welt aufstieg.</p>
<p class="bodytext">In Epochen kulturellen Niedergangs schlägt das Pendel in die andere Richtung aus: Die sogenannten Eliten verlieren ihre Glaubwürdigkeit. Ihre Mitglieder sitzen immer noch an den Schalthebeln der Macht. Aber sie haben ihre Vorbildfunktion verloren. Während sie damit beschäftigt sind, ihre Privilegien zu genießen und zu verteidigen, fallen sie in der Öffentlichkeit vor allem durch hemmungslose Gier auf. Ihre Affären gehören zum gewinnträchtigsten Nachrichtenstoff der Medien: Sexskandale, Steuerhinterziehung, Korruption, Betrug, Pleiten, Intrigen und so weiter und so fort. </p>
<p class="bodytext">Es gibt natürlich auch Manager, die in den Chefetagen der Konzerne gute Arbeit machen und nicht unangenehm auffallen. Aber auch sie sind vom Milieu ihrer Kaste geprägt. Sie freuen sich über ihre millionenschweren Boni und Aktien-Optionen. Und sie genießen die Statussymbole, die für Spitzenpolitiker schon seit langem selbstverständlich sind: Bodyguards, gepanzerte Luxuslimousine und obendrauf noch das Große Bundesverdienstkreuz.</p>
<p class="bodytext">Der Weg in den Niedergang beginnt damit, dass die Eliten sich wie im späten Rom vom Volk entfernen. Es ist hier nicht die Rede von den mittelständischen Unternehmern. Sie sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, aber sie gehören nicht zur Kaste der „Global Players“, die an den Schalthebeln multinationaler Konzerne, Hedgefonds und Großbanken sitzen und die Weltwirtschaft in ein gigantisches Spekulationskarussell verwandelt haben. Wenn die sich verspekulieren und der Pleitegeier über ihren Unternehmen aufsteigt, können sie sich darauf verlassen, dass die politische Elite ihnen zu Hilfe eilt und sie mit dem Geld der Steuerzahler aus der Patsche zieht. Der Staat funktioniert inzwischen wie eine Versicherungsgesellschaft, die den Spekulanten das Risiko abnimmt. Kostenlos natürlich. Die Banker werden inzwischen als kriminelle Schmarotzer wahrgenommen. </p>
<p class="bodytext">Für Politiker gibt es nur noch Verachtung. Die meisten Menschen sind der Ansicht, dass sie vor allem damit beschäftigt sind, die gigantischen Privat-Vermögen, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden sind, politisch abzusichern. Das heißt im Klartext: Die Politik sorgt dafür, dass die Milliarden in den Taschen der Reichen bleiben und nicht zur Finanzierung von Kindergärten, Schulen, Universitäten und zur Tilgung von Staats-schulden herangezogen werden.</p>
<p class="bodytext">Die Menschen spüren nicht nur, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden – sie lesen es auch in der Zeitung. Und sie fragen sich: Warum bleiben die Topbanker, die mit einer geradezu unfassbaren kriminellen Energie die globale Finanzwirtschaft um ein Haar in den Abgrund gerissen hätten, völlig unbehelligt? Warum dürfen die Spekulanten weitermachen wie bisher, so als sei überhaupt nichts passiert? Der nächste Finanzcrash sei schon vorprogrammiert, warnen die meisten Wirtschaftswissenschaftler. Aber wer will das schon hören?</p>
<p class="bodytext">Die parlamentarische Demokratie funktioniert nicht mehr zum Wohle des Volkes – sie ist zum Erfüllungsgehilfen der Geld-Aristokratie degeneriert. Kürzlich war aus dem Bundesfinanzministerium zu hören, dass deutsche Steuersünder jedes Jahr geschätzte 100 Millionen Euro Schwarzgeld ins Ausland verschieben. Wie funktioniert das eigentlich? </p>
<p class="bodytext">Die Weisheit des Tao sagt uns: Bevor die Dinge gut werden können, müssen sie erst richtig schlecht werden. Sind sie schon schlecht genug, so wie in der arabischen Welt, wo Hunderttausende von jungen Menschen ihr Leben riskieren bei dem Versuch, sich von ihren Schmarotzer-Eliten zu befreien? Ihre Not und ihre Verzweiflung können wir kaum nachempfinden. Dafür geht es uns (noch) zu gut. Wir bewundern ihren Mut, aber ihre Sorgen sind nicht unsere Sorgen. Sie proben die Revolution. Das haben wir Europäer schon hinter uns – und haben dabei die Erfahrung gemacht, dass Revolutionen blutige Experimente mit starker Nebenwirkung sind: Sie bringen nicht den Neuen Menschen hervor, sondern laufen am Ende darauf hinaus, dass die Privilegien der alten Eliten auf die neuen Eliten übergehen, die mit der Revolution an die Macht gekommen sind. </p>
<p class="bodytext">Was wir brauchen, ist eine Revolution des Bewusstseins. Sie beginnt mit der Einsicht, dass wir die Eliten haben, die wir verdienen. Daraus folgt: Nur wenn wir uns selbst verändern, können wir eine Ordnung hervorbringen, die nicht auf Raffgier, Machthunger, Ausbeutung und Gewalt basiert. </p>
<p class="bodytext">Vielleicht ist die leidenschaftliche Debatte über den Atomausstieg ein Zeichen dafür, dass die Revolution des Bewusstseins schon begonnen hat. Die von Angela Merkel einberufene Ethik-Kommission könnte durchaus als ein bahnbrechendes Ereignis in die Geschichte eingehen. Angesehene Fachleute und hervorragende Vertreter aller gesellschaftlichen Gruppen diskutierten tagelang den Ausstieg aus der Atomwirtschaft – und die Fernsehkameras waren immer dabei. Transparenz statt Kungelei zwischen Politikern und Lobbyisten hinter verschlossenen Türen. Am Ende formulierte die Ethik-Kommission einen Katalog von Empfehlungen, der bei der politischen Willensbildung eine wichtige Rolle gespielt hat. </p>
<p class="bodytext">Vielleicht wird der Atomausstieg Signalwirkung haben. Die Herausforderung ist riesig. Denn es geht ja nicht nur um Atomkraftwerke, sondern auch um globale atomare Abrüstung. Der Abschied von der Atombombe kann nicht mit Gewalt durchgesetzt werden. Er braucht Vertrauen und die Einsicht, dass der Mensch nur dann eine Zukunft auf diesem Planeten hat, wenn er lernt, seine Konflikte friedlich zu lösen. </p>
<p class="bodytext">Fangen wir doch schon mal an damit. Jeder Tag ist kostbar!</p>
<p class="bodytext">&nbsp;</p>
<p class="bodytext">P.S.: Um DSK brauchen wir uns übrigens keine Sorgen zu machen. Seine Anwälte – die besten und die teuersten, die es gibt – werden ihre Millionen-Honorare damit verdienen, dass sie das Zimmermädchen fertigmachen. Am Ende wird man sie den Schöffen als eine verlogene Hure präsentieren, die abkassieren und sich mit ihrer Story interessant machen will.</p>
<p class="bodytext">Juli, 2011</p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Sun, 14 Aug 2011 01:16:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Livio und die Welt von morgen</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/livio-und-die-welt-von-morgen.html</link>
			<description>Sind unsere Kinder auf die Geburt eines neuen Zeitalters vorbereitet?</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Eine Zehntelsekunde Unaufmerksamkeit – und schon ist es passiert. Fahrradunfall. Eine stille Landstraße, kein Verkehr, weit und breit kein Mensch. Der Krankenwagen kommt. Er braust mit Blaulicht und Sirenengeheul los. Im Kreiskrankenhaus ergibt die Röntgen-Untersuchung: nichts gebrochen. Dafür flächendeckender Bluterguss. Im Krankenbett zu Hause rückt die Welt mit ihrem hektischen Getriebe in weite Ferne. Und ich habe – befreit von Terminen und Verpflichtungen – reichlich Muße, sie zu betrachten. </p>
<p class="bodytext">Als Erstes fällt mir mein Enkel Livio ein. Vor ein paar Wochen war der Zehnjährige mit seiner Mutter Anatto und seiner Schwester Ghita (4 Jahre) aus Kapstadt zu Besuch bei uns. Tagelang waren Gitama und ich damit beschäftigt, ein attraktives Programm für die beiden Kleinen zu planen und uns Geschenke auszudenken. Für Ghita war das pinkfarbene Plastik-Handtäschchen mit Lippenstift, Spiegel, Haarbürste und Schlüsselanhänger der Hit schlechthin. Und Livio war von dem schwarz rot goldenen Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft begeistert. Er spielt in einer Jugend-Mannschaft, die am Kap einen guten Namen hat. „African Brothers&quot; heißt sie. Schwarze und weiße Kids sind in einem verschworenen Team vereint. </p>
<p class="bodytext">Livio geht in Kapstadt auf die deutsche Schule, aber eigentlich ist er multinational. Sein Vater ist Italiener. So schaltet Livio mühelos zwischen drei Sprachen um – Deutsch, Englisch und Italienisch. Sein bester Freund ist ein Schwarzer namens Paul. Auf die Frage, warum er mit Paul so eng befreundet ist, antwortete er: &quot;Weil ich mit dem am besten lachen kann&quot;. </p>
<p class="bodytext">Während ich in meinem Krankenbett lag, erinnerte ich mich daran, wie ich im Tor stand und Livio auf dem Rasen hinter dem Haus seine Elfmeter-Raketen abfeuerte. Bald taten mir die Hände weh und ich gab auf. Wie klein doch so ein Junge mit zehn Jahren noch ist, dachte ich. Einerseits durchaus robust, andererseits aber auch so zart und verletzbar. </p>
<p class="bodytext">Als ich so alt war wie Livio, wurde ich in ein Nazi-Internat eingeschult – eine so genannte Napola. Die Disziplin war geradezu sadistisch. Wenn man beispielsweise zum Stubendienst eingeteilt war, musste man vor dem Zu-Bett-Gehen den Raum putzen, in dem jeweils zehn Jungs zusammen lebten. </p>
<p class="bodytext">Am späten Abend inspizierte der diensthabende &quot;Jungmann“ den Raum und suchte nach Staub. Mit gelecktem Finger zwischen den Rillen der Zentralheizung zum Beispiel oder hinter Spinden an der Wand. Wenn ich Stubendienst hatte, wusste ich schon, was auf mich zukommen würde. Denn wer sucht, der wird auch fündig. Gegen Mitternacht kam der Jungmann vom Dienst in den Schlafraum und brüllte: „Jungmann Elten raus!&quot; Mit einem Satz war ich auf den Beinen und eine Minute später ging die Schleiferei los. </p>
<p class="bodytext">Barfuß und nur mit Badehose bekleidet durch die Eispfützen der Reitbahn robben, auf Bäume klettern und wieder runter, auf dem Bauch unter dem Drahtverhau der Hindernisbahn hindurch kriechen, auf einem glatten Balken über eine vier Meter tiefe Grube balancieren, die Palisade anspringen, im Klimmzug hoch und drüber weg… so ging das fast eine Stunde lang. Das Finale fand im Duschraum statt. Drei Minuten stramm stehen, während eiskaltes Wasser auf die Schädeldecke prasselte. Anschließend zurück ins Bett. </p>
<p class="bodytext">Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein geliebter Enkel Livio diesen Stress ausgehalten hätte. Mir ist ja selbst auch nicht ganz klar, wie<em> ich</em> die rauen Riten der Napola überlebt habe. Ich weiß nur, dass ich mit der Gewissheit aufgewachsen bin: „Nichts auf der Welt haut mich um!“</p>
<p class="bodytext">Die Geburt eines neuen Zeitalters hat begonnen, und sie wird für diejenigen schmerzhaft sein, die nicht darauf vorbereitet sind. Sind unsere Kinder und Enkel darauf vorbereitet? Diese Wohlstands-Geschöpfe mit ihren Gummibärchen und Nintendo Spielen? Wir verwöhnen sie nach Strich und Faden.&nbsp; Dabei leben wir seit Jahrzehnten über unsere Verhältnisse und häufen – Schizophrenie in Aktion! - gigantische Schulden an, die wir unseren Kleinen als teuflische Erbschaft hinterlassen. Wie werden sie damit zurechtkommen, wenn obendrein das Klima kippt, die Ölreserven versiegen, die Landwirte kein Dieselöl für ihre Traktoren und Mähdrescher mehr auftreiben können und statt Überfluss plötzlich Hungersnot herrscht?</p>
<p class="bodytext">Sie sind nicht abgehärtet. Sie kennen keine Not. Auch nicht die Hartz IV Kinder, die statistisch gesehen jenseits der sogenannten Armutsgrenze leben. Fast täglich beamt uns das Fernsehen grauenhafte Bilder von der ostafrikanischen Hungerkatastrophe ins Wohnzimmer. Sie zeigen uns, dass selbst die Ärmsten unter uns im globalen Vergleich noch auf hohem Niveau leiden. (Worauf wir uns freilich nichts einbilden können, denn es ist natürlich ein Skandal, dass die zweitgrößte Exportnation der Welt nicht genug Geld für ein umfassendes modernes Bildungswesen aufbringt, das <em>allen</em> Kindern kostenlos zugutekommt). </p>
<p class="bodytext">Seit Jahrzehnten wissen wir, dass unsere Kultur des Überflusses reines Gift für junge Menschen ist. Fettleibigkeit, Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit, nervöse Unrast, Computer-und Fernsehsucht sind typische Wohlstandserscheinungen – und sie breiten sich immer schneller aus. </p>
<p class="bodytext">Was tun wir dagegen? So gut wie nichts. Wir müssten eine Kultur der Bescheidenheit entwickeln. Aber damit ist eine moderne Konsumgesellschaft natürlich überfordert.</p>
<p class="bodytext">Es gab Zeiten, in denen spartanische Kindererziehung hoch angesehen war. In preußischen Kadettenanstalten zum Beispiel oder in den Internaten der englischen Oberschicht. Auch die Napolas gehörten dazu und die sowjetischen Kaderschmieden. Wichtige Tugenden waren Gehorsam, Disziplin, Härte, Ausdauer und Pflichtgefühl. Hier wurden Menschen erzogen, die kämpfen und herrschen sollten. Gottlob sind diese Zeiten vorbei. Wir brauchen in Zukunft keine Kämpfer und Herrscher, sondern junge, bewusste Menschen, die mit dem Leben fließen und heilende Kräfte entwickeln.</p>
<p class="bodytext">Heute werden Tugenden gebraucht, die früher als Untugenden galten. Zum Beispiel Ungehorsam. Damit hat Livio überhaupt kein Problem. Als er bei uns zu Besuch war, hatte ich Gelegenheit, die Grenzen meiner Toleranz zu testen. Eine interessante Erfahrung. In Zukunft wird der aufgeklärte Ungehorsam der Bürger die Ohnmachtsgefühle vertreiben, die so viele Menschen daran hindert,&nbsp; sich gegen die Arroganz der Mächtigen aufzulehnen und ihr Leben in eigener Regie zu gestalten. </p>
<p class="bodytext">Härte? Abgesehen von seinen Elfmeterschüssen konnte ich bei Livio keine Härte entdecken. Aber auch das fand ich eher gut. Livio ist nicht der Typ, der mit dem Kopf durch die Wand geht. Zur Härte gehören auch Sturheit und eine eingeschränkte Sicht. Die gehen Livio völlig ab. Er ist einer, der zuhören kann und der auf Widerstände flexibel und kreativ reagiert. Ich finde das sehr wichtig in einer Welt, in der unglaublich viel geredet und fast überhaupt nicht zugehört wird. </p>
<p class="bodytext">Er ist neugierig und hat keine Vorurteile. Auch das gehört zu Livios Stärken, die er gut gebrauchen kann. Und dass er in Südafrika aufwächst, halte ich geradezu für einen Glücksfall. Für ihn ist Nelson Mandela das große Vorbild, der einzige visionäre Staatsmann, den die Welt seit Charles de Gaulle hervorgebracht hat. </p>
<p class="bodytext">Schließlich wächst Livio in Osho‘s Energiefeld auf. Ein zweiter Glücksfall für ihn. Denn der indische Weise hat der Menschheit eine Lehre hinterlassen, die alle wichtigen Zukunftsfragen beantwortet. Die Essenz der Lehre ist einfach: Übernehme die Verantwortung für dich selbst Mache keine Kompromisse aufs Kosten deiner Integrität. Lebe dein Leben total. Sei dir in jedem Augenblick bewusst, was du tust und was du denkst. Fange bei dir an, wenn du die Welt positiv verändern willst.</p>
<p class="bodytext">Livio wird nicht kämpfen und nicht herrschen. Aber wenn er sein Leben bewusst gestalten will, braucht er Disziplin und Ausdauer – zwei alte Tugenden, die in meiner Kindheit schändlich missbraucht worden sind. Wenn er mich das nächste Mal besuchen kommt, werde ich ihm eine kleine Geschichte erzählen, die ich von Osho habe:</p>
<p class="bodytext">„Es begab sich, dass ein Sufi-Meister mit seinem Schüler durch die Wüste zog. Am Abend kehrten sie in einer Karawanserei ein. „Kümmere dich um die Kamele“, befahl der Meister seinem Schüler. Als sie am nächsten Morgen weiterziehen wollten, waren die Kamele verschwunden. „Wo sind die Kamele?“, fragte der Meister. „Keine Ahnung!“ antwortete der Schüler. </p>
<p class="bodytext">„Habe ich dir nicht gesagt, dass du dich um die Kamele kümmern sollst?“</p>
<p class="bodytext">Der Schüler zog ratlos die Schultern hoch und antwortete: „Ja, das hast du gesagt. Aber du sagst auch immer wieder, dass ich vertrauen soll und dass Allah sich um mich kümmern wird.“</p>
<p class="bodytext">„Das ist richtig“, sagte der Meister. „Aber Allah kümmert sich nur um dich, wenn du dein Kamel anbindest!“ </p>]]></content:encoded>
			<category>… zu spirituellen Themen</category>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Sun, 14 Aug 2011 01:14:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Das Drama auf dem Platz der Freiheit</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/das-drama-auf-dem-platz-der-freiheit.html</link>
			<description>In Ägypten manifestiert sich die Macht der Internet-Generation</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Seit Tagen demonstriert das Volk auf dem Tahrir Platz, dem Platz der Freiheit, im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt. Hunderttausende von Demonstranten brüllen im Chor: &quot;Mubarak raus, Mubarak raus, Mubarak raus!&quot; Schlägertrupps des Diktators greifen mit Schlagstöcken, Messern und Molotow Cocktails an. Steine fliegen. Verwundete werden aus der Kampfzone geschleppt. Dazwischen Soldaten der ägyptischen Armee auf schweren Panzern. Werden Sie schießen oder nicht? Die Situation steht auf Messers Schneide. </p>
<p class="bodytext">Ich wähle eine Telefonnummer in Kairo. Beim dritten Anlauf komme ich durch. Am anderen Ende der Leitung ist Leila. Ich kenne sie aus der Zeit, als ich in Kairo lebte, als Nahost Korrespondent für die „Süddeutsche Zeitung“. Das war vor fast 50 Jahren. Damals war Leila eine Star-Journalistin. &quot;Bist du o.k.? &quot; frage ich meine alte Freundin. Und sie jubelt ins Telefon: &quot;Ich bin o.k.! Ich bin sogar begeistert!“ </p>
<p class="bodytext">Sie wohnt in einem feinen Wohnviertel auf der Nilinsel Samalik. Der Tahrir Platz ist nur einen Kilometer entfernt. &quot;Wenn ich 50 Jahre jünger wäre, würde ich natürlich auf dem Platz sein und mitmachen&quot;, lacht sie.&nbsp; Kairo ist in Aufruhr, aber in Leilas Gegend sind die Geschäfte geöffnet und es gibt genug Lebensmittel. &quot;Meine Medikamente bestelle ich übers Telefon“, sagt sie „und die Apotheke schickt sie mir ins Haus&quot;. </p>
<p class="bodytext">Während wir miteinander telefonieren, verfolgen wir das Drama auf dem Tahrir Platz auf der Frequenz des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira. Wir sehen also die gleichen Bilder zur gleichen Zeit, und es kommt mir so vor, als säßen wir im gleichen Zimmer. So klein ist die Welt geworden!</p>
<p class="bodytext">Al Dschasira wirkt wie ein Turbolader auf die Energie des Aufstands. Der Nachrichtensender versorgt die Organisatoren der Demonstration rund um die Uhr mit wichtigen Informationen. So können sie im Fernsehen beobachten, wie angeschlagen das Regime des Diktators ist. Sie erfahren das Neueste aus den Hauptstädten der Welt, vor allem aus Washington. Dort sitzt Barack Obama, der Hoffnungsträger der jungen Generation, und weiß nicht, wofür er sich entscheiden soll: für sein Herz, das für die aufständischen jungen Menschen auf dem Tahrir Platz schlägt, oder für seinen Verstand, der sich nicht mit der jüdischen Lobby in Washington und den Bossen der Ölkonzerne anlegen will. </p>
<p class="bodytext">Die Organisatoren des Aufstands nutzen die Mikrofone und Kameras von Al Dschasira, um dem amerikanischen Präsidenten Mut zu machen. Er soll sich endlich entscheiden – aber Obama zögert. Und Millionen von jungen Al Dschasira- Fans zwischen Rabat und Damaskus sind maßlos enttäuscht von ihm. </p>
<p class="bodytext">Nach wenigen Tagen verwüsten Schergen des Regimes das Al Dschasira Büro in Kairo, verhaften die Reporter und Mitarbeiter des Nachrichtensenders und unterbinden seine Übertragungen. Aber Al Dschasira weicht sofort auf einen anderen Satelliten aus, filmt den Tahrir Platz mit versteckter Stand-Kamera und ist schon bald wieder auf Sendung.</p>
<p class="bodytext">Der Krieg um die Macht am Nil wird nicht mit scharfer Munition ausgetragen, sondern mit den Kameras und den Mikrofonen der internationalen Medien. Die Machthaber können es sich nicht leisten, den Aufstand des Volkes vor den Augen der Weltöffentlichkeit in einem Blutbad zu ertränken. </p>
<p class="bodytext">Es gibt in diesem ägyptischen Drama Aspekte, die über die Tagesaktualität hinausweisen. So hat zum Beispiel die Revolution auf dem Tahrir Platz durchaus das Potenzial, einen Flächenbrand im ganzen Nahen Osten auszulösen - mit unabsehbaren Folgen für den Rest der Welt, besonders für die Industrienationen mit ihrem unersättlichen Energiehunger.</p>
<p class="bodytext">Von Tunesien sprang der Funke auf Kairo über und schon brodelt es auch in Marokko, Jordanien und im Jemen. Die ganze Welt schaut jetzt auf Saudi-Arabien. Wenn der Funke des Aufstands auf das mittelalterlich regierte Königreich überspringen sollte, bräche die Hölle los. Denn unter dem Wüstenboden Saudi-Arabiens lagern fast drei Viertel der bekannten Erdölvorräte der Welt. </p>
<p class="bodytext">Neben Ägypten (unter Mubarak) und Israel gehört Saudi-Arabien zu den engsten Verbündeten Amerikas. In diesem Land wird eine Ehefrau, die sich einen Seitensprung leistet, öffentlich gesteinigt. Dieben wird die Hand abgehackt, Frauen dürfen kein Auto fahren, sich am Strand nicht im Badeanzug zeigen und ohne Erlaubnis ihres Ehemannes nicht verreisen. Ein seltsamer Bundesgenosse für Barack Obama</p>
<p class="bodytext">Die Imame der ultrakonservativen moslemischen Wahabiten-Sekte beherrschen die Moral und das öffentliche Leben dieses bizarren Wüstenstaates. Dabei reicht ihr Einfluss weit über die Landesgrenzen hinaus. Weltweit finanzieren und betreiben sie so genannte Madrasas, Koranschulen, in denen Tausende von jungen Moslems zu religiösen Fanatikern erzogen werden. Viele Selbstmordattentäter haben ihre prägenden Jahre in solchen Madrasas verbracht. </p>
<p class="bodytext">Der Machtkampf am Nil kann lange dauern und sein Ausgang ist ungewiss. Aber wenn in Ägypten nach fast 60 -jähriger Militärdiktatur ein demokratischer Rechtsstaat entstehen sollte, mit einem frei gewählten Parlament, unabhängigen Gerichten und Medien, wäre es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Diktaturen der Scheichs, der Monarchen, der Prinzen und der Generäle in anderen arabischen Ländern zusammenbrechen. Ägypten ist das intellektuelle Zentrum im Nahen Osten. In Ägypten schlägt das kulturelle Herz der arabischen Welt. </p>
<p class="bodytext">Es wäre naiv, zu glauben, dass der letztlich unvermeidbare Übergang von mittelalterlichen Strukturen zur modernen Demokratie in geordneten Bahnen verlaufen würde. Wir müssen uns also auf turbulente Zeiten gefasst machen. Wenn der Ölpreis in die Höhe schnellt, könnte es durchaus zur nächsten Weltwirtschaftskrise kommen und unsere Komfortzone, in der wir es uns so gemütlich gemacht haben, könnte&nbsp;sich als Fata Morgana erweisen. </p>
<p class="bodytext">Ein paar unangenehme Fragen drängen sich auf: Warum haben wir die Augen zugemacht vor dem Elend der Menschen in Ägypten? Warum haben unsere Medien die Legitimation des Mubarak-Regimes nicht hinterfragt? Warum haben unsere Politiker diesen farblosen Diktator 30 Jahre lang wie eine Ikone staatsmännischer Weisheit und Größe behandelt? Warum haben die Freunde Israels nicht erkannt, dass die Sicherheit des jüdischen Staates auf den Bajonettspitzen einer arabischen Militärdiktatur schlecht aufgehoben ist? Wieso glauben wir überhaupt, dass wir die Ölquellen am Persischen Golf am besten dadurch schützen können, dass wir uns mit reaktionären Machthabern verbünden und sie mit modernsten Hightec-Waffen aufrüsten?</p>
<p class="bodytext">Es ist schon ein bisschen peinlich, zu beobachten, wie unsere rauschgifthafte Gier nach dem Öl unsere Moral korrumpiert und unser Gehirn lahmgelegt hat. </p>
<p class="bodytext">Was wir im Augenblick erleben, ist der Übergang von einer Epoche, in der politischer Einfluss vor allem auf militärischer Stärke beruhte, zu einer Epoche, in der das Internet weltweit Hunderten von Millionen vor allem junger Menschen die Möglichkeit bietet, sich unbegrenzt zu informieren, sich auszutauschen, politische Überzeugungen zu entwickeln, ihre Interessen zu bündeln und sie schließlich solidarisch und friedlich zu vertreten und durchzusetzen. </p>
<p class="bodytext">&quot;Mubarak ist passee&quot;, sagt Leila am Telefon. &quot;Der ist in einem anderen Zeitalter zuhause. Das geht jetzt gerade zu Ende. Das Internet hat dem Volk eine Stimme gegeben. Das lässt sich nicht mehr rückgängig machen.&quot;</p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 09 Feb 2011 20:56:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Leise rieselt der Schnee…</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/leise-rieselt-der-schnee.html</link>
			<description>… und sorgt für Chaos im High Tech Land / Über die Kluft zwischen Technik und Bewusstsein</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Gegen zehn Uhr morgens merke ich, dass die Heizung kalt wird. Anruf bei Horst. Er ist der einzige, der eine Ahnung hat, wie unser Hightech-Holzschnitzel-Fernwärme-Heizkraftwerk funktioniert, das wir voriges Jahr in unserem Dorf hochgezogen haben. „Gut dass du anrufst“, sagt Horst. „Ich fahre sofort los“. Fahren? „Wieso kann denn der noch fahren?“ denke ich. Mein Auto steckt seit zwei Tagen im Schnee fest.</p>
<p class="bodytext">Eigentlich sollte unser Kraftwerk total betriebssicher sein. Der Spezialist, der den Bau überwacht hat, kann das Ding angeblich über seinen Computer fernsteuern – von einem Kaff in Brandenburg aus,&nbsp; 250 km von uns weg. Leider macht er wohl grade Ferien. </p>
<p class="bodytext">Es schneit und schneit. Klirrender Frost. Eisiger Wind aus Nordost. Überall Schneeverwehungen. Frau Bumann, unsere Postbotin, hat es nicht geschafft, zu uns durchzukommen. Auch die „Ostsee Zeitung“ ist nicht geliefert worden. Ich komme mir vor, wie in einer Forschungsstation in der Arktis. Gottseidank ist der Kühlschrank gut gefüllt. Zehn Tage könnte ich durchhalten mit meinen Ressourcen. Nur die Heizung darf natürlich nicht ausfallen…</p>
<p class="bodytext">Ich ziehe mich warm an, klemme eine Flasche Nuss-Likör unter den Arm und breche zu meiner Nachbarin Hilde auf, um ihr frohe Weihnachten zu wünschen. Kaum aus dem Haus, versinke ich fast bis über zur Hüfte im Schnee und kämpfe um mein Gleichgewicht. Schon von weitem sehe ich: Aus Hildes Schornstein dringt weißer Rauch. „Die hat‘s gut“, denke ich, „die hat noch Ofenheizung“. </p>
<p class="bodytext">Hilde, 76 Jahre alt, schneeweißes Haar, strahlende graue Augen, ist eine einfache Frau, aber sie besitzt die Gnade der Altersweisheit. „Ich verstehe das ganze Theater um das Wetter überhaupt nicht“, sagt sie.&nbsp; „Früher haben wir uns über weiße Weihnachten gefreut. Jetzt reden alle von einer Wetterkatastrophe.“</p>
<p class="bodytext">„In Thüringen gibt es auf der Autobahn 100 km Stau in beiden Richtungen!“ wende ich ein. Hilde macht eine wegwerfende Handbewegung: „Na und? Das kommt davon, wenn man sich bei so einem Wetter ins Auto setzt.&nbsp; Geschieht denen ganz recht.“</p>
<p class="bodytext">„Es gibt ja auch viele, die mit der Bahn fahren wollen…“, sage ich und Hilde unterbricht: „Die sitzen jetzt auf ihren Koffern und warten auf Züge, die nicht kommen oder stundenlang verspätet sind. Was ist das denn für eine Bahn, die kaum noch fährt, wenn es schneit? Früher sind wir mit der Dampflokomotive gefahren. Die fuhr bei jedem Wetter. Pünktlich! Angeblich sind die Weichen eingefroren. Seit wann muss man denn Weichen heizen? Verstehst du das?“ </p>
<p class="bodytext">Ich verstehe das auch nicht. Im Sommer haben die Klimaanlagen in den ICE’s schlapp gemacht. Im Winter frieren die Weichen ein. Hilde: „Was nützt eigentlich der ganze Fortschritt, wenn er nur Stress macht? Hast du im Fernsehen das Chaos auf den Flughäfen gesehen? Die Helfer tun mir leid. Die schenken rund um die Uhr Kaffee aus und verteilen Sandwiches. Und dann spucken ihnen die Passagiere ins Gesicht, weil die Flugzeuge nicht starten. Als wenn die was dafür könnten!</p>
<p class="bodytext">Hilde ist jetzt so richtig in Fahrt gekommen:„Wieso muss man auch über Weihnachten nach Thailand fliegen. Oder nach Afrika? Das ist doch reiner Wahnsinn!“</p>
<p class="bodytext">Um die Weihnachtszeit schien es so, als ob die Natur uns mal ihre raue Seite zeigen wollte, um uns aufzuwecken und bewusst zu machen, wie hilflos wir mit unserer großartigen modernen Technik umgehen. Hilde ist davon nicht betroffen. Sie hat kein Auto und ist noch nie in ein Flugzeug gestiegen. Ihr Reich ist ihr Gemüsegarten mit den Hühnern, den Kaninchen und den Enten. Sie kauft nicht im Supermarkt ein, sondern bei dem Händler, der zweimal in der Woche mit seinem Spezial-LKW ins Dorf rollt und fast alles an Bord hat, was der Mensch so braucht.</p>
<p class="bodytext">Hilde schwingt nicht auf der kurzatmigen Frequenz, auf der wir unsere Neurosen pflegen. Der Kern ihrer Weisheit ist ihre Bescheidenheit. </p>
<p class="bodytext">Seit der Mensch das Beil erfunden hat, wird seine Erfindungsgabe von dem Drang beseelt, die gefährlich unberechenbare Natur unter Kontrolle zu bringen. Dabei sind im Laufe der Jahrhunderte immer neue, immer spektakulärere Wunderwerke des menschlichen Geistes entstanden. Das Flugzeug zum Beispiel, das dem Menschen ermöglicht, die Schwerkraft zu überwinden. Die Atomspaltung, die ungeheure und unerschöpfliche Kräfte freisetzt. Raumschiffe die den Globus umkreisen. Eingriffe in das menschliche Erbgut und die Fähigkeit, das Wunder der Zeugung im Reagenzglas zu ermöglichen. Die Transplantations Chirurgie, die es erlaubt, den menschlichen Körper mit Ersatzteilen zu reparieren. Und nicht zuletzt das Auto, das den uralten Traum von grenzenloser individueller Mobilität zu erfüllen versprach.</p>
<p class="bodytext">Die Dynamik des naturwissenschaftlich-technischen Fortschritts hat sich besonders in den letzten 300 Jahren dramatisch verschärft. In dieser Zeit wurde die Gier zu ihrer stärksten Antriebskraft. Es ging nicht mehr nur darum, sich vor den Unbilden der Natur zu schützen. Der Fokus verschob sich mehr und mehr auf die lukrative Ausbeutung des Planeten. Die Industrialisierung ging auf Kosten der Natur, von der sich die Menschen immer weiter entfernten. Das Gefühl dafür, dass Mensch und Natur eine Einheit sind, ging fast gänzlich verloren, und damit auch die Einsicht, dass Naturzerstörung ein Akt menschlicher Selbstzerstörung ist.</p>
<p class="bodytext">Die Disharmonie zwischen Mensch und Natur hat dazu geführt, dass sich die Dynamik des wissenschaftlich-technischen Fortschritts verselbstständigt hat und schließlich außer Kontrolle geraten ist. Wir beherrschen die Technik nicht mehr, sie beherrscht uns. Sie bedient unsere Gier, unsere Bequemlichkeit, unseren kindischen Spieltrieb, unsere Eitelkeit, unseren Größenwahn. Und damit ist ihr Reiz fast unwiderstehlich geworden. Mit anderen Worten: Wissenschaft und Technik haben sich viel schneller entwickelt als das menschliche Bewusstsein. Die tiefe Kluft zwischen Bewusstsein und &quot;Fortschritt&quot; hat dazu geführt, dass sich fast alle großen technischen Errungenschaften gegen den Menschen ausgewirkt haben.</p>
<p class="bodytext">So brachte uns zum Beispiel die Kernspaltung die Atombombe und das Atomkraftwerk, das wir nicht wirklich im Griff haben. Als das Auto erfunden wurde, schien der uralte Traum des Menschen nach grenzenloser Beweglichkeit in Erfüllung zu gehen. Was ist daraus geworden? Staus, Unfälle, Frust, Chaos, Umweltzerstörung. Die Hightech-Medizin hat dazu geführt, dass die Menschen länger leben, aber im Alter zu Millionen in Pflegeheimen dahindämmern. Und dann die Computer! Wir lieben und wir hassen sie. Sie haben uns die Welt des Internets beschert und sie treiben uns zum Wahnsinn, weil sie einfach nicht zuverlässig funktionieren wollen. Sie sind der Motor des Informationszeitalters und sie haben weltweit Hunderte von Millionen Arbeitsplätze vernichtet. Sie machen keinen Unterschied zwischen Gut und Böse. Sie dienen Menschenhändlern ebenso wie Wissenschaftlern, sie helfen Umweltschützern ebenso wie Hackern, die dein Kennwort klauen und dein Onlinekonto abräumen. Und jetzt werden sie auch als unheimliche Waffe in einem neuen Krieg eingesetzt, der unter dem geheimnisvollen Namen &quot;Cyber War“ die schlimmsten Befürchtungen auslöst. </p>
<p class="bodytext">Überall auf der Welt basteln Programmierer an der Entwicklung von Software Programmen, die den Flugverkehr ins Chaos stürzen, Fabriken still legen, Kraftwerke außer Kraft setzen, Verkehrsströme und Informationsnetzwerke sabotieren und noch jede Menge anderen Blödsinn anrichten können. Computerspezialisten der Geheimdienste bereiten sich darauf vor, dass Terroristen im Cyber War zum Angriff übergehen.</p>
<p class="bodytext">Viele Menschen spüren natürlich, dass der so genannte Fortschritt ein unheimliches Phänomen ist. Was ist zu tun? Immer mehr Aktivisten organisieren sich und nehmen den Kampf gegen die Regierenden auf, denen sie die Schuld für unseren unverantwortlichen Umgang mit der Technik zuschieben.</p>
<p class="bodytext">Ohne Frage haben die Politiker versagt. Eine vernünftige Verkehrspolitik müsste zum Beispiel die Pendlerpauschale abschaffen und das Benzin noch stärker besteuern. Sie müsste die Autoindustrie dazu zwingen, viel schneller und energischer neue Mobilitätskonzepte zu entwickeln. Der Flugverkehr müsste viel teurer werden. Dafür müssten die Bahn- Tickets subventioniert und der Güterverkehr auf der Bahn drastisch gefördert werden. Mit anderen Worten: wir brauchen eine Politik, die uns, den Wählern, große Opfer abverlangt. </p>
<p class="bodytext">Dazu hat der pragmatische und scharfzüngige luxemburgische Premier- und Finanzminister Jean Claude Juncker kürzlich einen trockenen Kommentar geliefert: „Wir Politiker wissen schon, was wir tun müssen. Wir wissen nur nicht, wie wir danach wiedergewählt werden können.“</p>
<p class="bodytext">Gregor Gysie, der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, sieht das Problem vollkommen anders. In einem Dialog mit dem buddhistischen Mönch und Poeten Thich Nath Hanh, das schon vor zehn Jahren stattfand, formulierte der frühere DDR-Anwalt eine interessante Einsicht: „Ich fürchte eine gottlose Gesellschaft, weil ich weiß, dass sie eine Gesellschaft ohne Werte sein wird… Meine Frage ist, woher soll die Erkenntnis kommen, dass wir uns beschränken müssen, die Erkenntnis auch, dass ich das, was ich der Natur nehme, ihr auch wieder zuführen muss? Von den Regierenden und der Politik wird das nicht kommen. Deshalb komme ich zu der Erkenntnis, dass die Religion in diesem Jahrhundert eine größere Rolle spielen muss…“ </p>
<p class="bodytext">&nbsp;</p>
<p class="bodytext">P.S. Übrigens:&nbsp; Die Heizung ist nach ein paar Stunden wieder angesprungen. Dafür gibt es seit drei Tagen keine Internetverbindung: Die Telekom hat plötzlich die Zugangsdaten nicht mehr erkannt – und die neuen Daten noch nicht&nbsp; geschickt. Durchatmen…Ruhe bewahren…surrendern…</p>]]></content:encoded>
			<category>… zu spirituellen Themen</category>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Sat, 08 Jan 2011 20:17:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Die Intelligenz des Herzens</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/die-intelligenz-des-herzens.html</link>
			<description>Im Kampf gegen den Terror brauchen wir die Power der Liebe</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Der „Krieg gegen den Terror“ hat zwei moderne Kämpfertypen hervorgebracht, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Nur eines haben sie gemeinsam: sie sind beide Symbolfiguren des Wahnsinns. </p>
<p class="bodytext">Da ist zum Beispiel der 28-jährige Selbstmordattentäter Hassan. Er hat sein ganzes Leben in einem palästinensischen Flüchtlingslager verbracht. Dort ist er in einer Atmosphäre des Hasses aufgewachsen – Hass auf die Israelis, die ihre Eltern oder Großeltern aus ihrer Heimat vertrieben haben. Hass auf die Amerikaner, die mit Israel verbündet sind.</p>
<p class="bodytext">Hassan lebt unter israelischer Besatzung in Gaza wie in einem riesigen Gefängnis. Er hat im Flüchtlingslager mit UNO-Hilfe eine relativ gute Schulbildung genossen. Aber er ist arbeitslos. Gazas Wirtschaft wird seit fast zehn Jahren von einer Blockade gedrosselt, die Israel, die USA und Europa über den schmalen Landstrich am Mittelmeer verhängt haben. Hassan möchte gerne studieren und Ingenieur werden. Aber er hat kein Geld fürs Studium und außerdem gibt es in Gaza keine Universität. </p>
<p class="bodytext">Hassan träumt von einer Freundin. Und natürlich von Sex. Aber der Sittenkodex des Islam verbietet Sex vor der Ehe, und zum Heiraten fehlen Hassan alle Voraussetzungen: kein Geld, kein&nbsp; Job, keine Perspektive. Nicht einmal einen Quicky bei einer Nutte kann er sich leisten. Hassans sexueller Frust produziert jede Menge Adrenalin. Er leidet unter einem fast unerträglichen Aggressionsstau. Der Märtyrertod erscheint ihm als Erlösung. </p>
<p class="bodytext">Eines Tages ist es so weit. Auf abenteuerliche Weise gelingt es Hassan, Gaza zu verlassen. Über den Yemen und Katar reist er nach Pakistan. Die Reise wird von Männern organisiert und finanziert, die Hassan nicht kennt. </p>
<p class="bodytext">Drei Wochen nach seiner Ankunft in Pakistan sprengt sich Hassan am Khyber Pass, dem Tor zu Afghanistan, in die Luft und reißt zehn Menschen mit sich in den Tod. Alle sind Zivilisten. Fünf Tanklastwagen mit Sprit für amerikanische Panzer und Hubschrauber gehen in Flammen auf. Amerikanische Soldaten entkommen dem Anschlag.</p>
<p class="bodytext">Auf der anderen Seite des Krieges gegen den Terror kämpft Andrew, der amerikanische Luftwaffenpilot. Auch er ist 28 Jahre alt. Seine Ausbildung zum Kampfpiloten hat den amerikanischen Steuerzahler eine runde Million Dollar gekostet. Andrew ist verheiratet und Vater einer zweijährigen Tochter. </p>
<p class="bodytext">Im Kampf gegen den Terror in Afghanistan spielt Andrew eine ebenso wichtige wie ungewöhnliche Rolle. Ungewöhnlich, weil er an vorderster Front mitmacht, ohne persönlich anwesend zu sein. Andrew ist ein Long Distance Killer. 10 000 Kilometer von Afghanistan entfernt sitzt er im US-Staat Virginia in einem abgedunkelten Raum vor einem Bildschirm. Die Klimaanlage summt. Sonst ist es ganz still. Andrew ist der Pilot einer sogenannten <i>Drohne</i>. Mit seiner Rechten am Joystick steuert er den unbemannten&nbsp; Flugkörper über eine Satellitenverbindung. Es sieht so aus, als ob er in ein Videospiel vertieft ist.</p>
<p class="bodytext">Am liebsten schiebt Andrew Frühschicht. Nachdem er mit seiner Frau Terry und der kleinen Betty in der Küche eines hübschen Einfamilienhauses gefrühstückt hat, setzt er sich in seinen Porsche (ein Geschenk vom Schwiegervater), fährt 20 Minuten bis zu seinem Einsatzort und nimmt auf dem bequemen Bürostuhl vor dem Bildschirm Platz.</p>
<p class="bodytext">&nbsp;Zum Mittagessen ist er wieder zu Hause. Inzwischen hat er mit einem sanften Fingerdruck auf einen Knopf am Joystick ein Haus vernichtet, das in einer schwer zugänglichen Gegend an der Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan stand. Bei diesem Angriff sind 12 Menschen zu Tode gekommen, darunter drei Kinder und eine schwangere Frau. Andrew weiß das nicht. Vielleicht interessiert es ihn auch gar nicht. Das eigentliche Operationsziel, ein Taliban-Kommandeur, hatte das Haus rechtzeitig verlassen und kam mit dem Leben davon. Dumm gelaufen. Sorry.</p>
<p class="bodytext">Aber was hat diese Heldentat vom Bürosessel aus im Kampf gegen den internationalen Terror gebracht? Die Frage offenbart den ganzen Wahnsinn eines Krieges, der mit falschen Mitteln und am falschen Ort geführt wird. Inzwischen ist nämlich unbestritten, dass die Raketen der Drohnen mehr&nbsp; Terroristen produzieren, als töten. Allzu oft sterben dabei alte Menschen, Frauen und Kinder. Das ist scharfe Munition für die Propaganda der Al Kaida. Tausende von jungen Islamisten schwören Rache und brennen darauf, sich im Kampf gegen die „ungläubigen Kindermörder“ mit einem Sprengstoffgürtel ins Paradies zu katapultieren.</p>
<p class="bodytext">Viele NATO-Soldaten mussten sterben, bis ihre Kommandeure begriffen hatten, dass man Terroristen, insbesondere Selbstmordattentäter, nicht mit Panzern, Hubschraubern, Kampfbombern und Drohnen in Afghanistan besiegen kann. Längst ist es den Terroristen gelungen, den Krieg auf Europa und Amerika auszudehnen. Dabei bedienen sie sich einer neuen Variante des Terrorismus: Terror mit der Terrordrohung. </p>
<p class="bodytext">Die Bombe muss gar nicht mehr hochgehen. Es reicht, wenn Al Kaida den westlichen Geheimdiensten eine konkrete Bedrohung ankündigt oder gar nur vortäuscht. Die Politik warnt vor einem Anschlag, die Medien wittern ein großes Quotenpotential und fahren auf die Story ab. Vor öffentlichen Gebäuden und auf Flughäfen schieben Tausende von Polizisten Sonderschichten. In Talkshows versichern Terror-Experten, dass man sich vor Selbstmordattentaten praktisch nicht schützen kann. Der Anschlag werde kommen – es gehe nur noch um das genaue Wann und das Wo. </p>
<p class="bodytext">Al Kaida auf dem Vormarsch? So sieht es aus, aber ich vermute, dass der Terror den Terroristen mehr schadet, als uns. Schon jetzt hat der Al Kaida-Terror zu einem globalen Anti-Islamismus geführt. Millionen von Menschen halten - wie Umfragen zeigen - den Islam für eine Religion der Intoleranz und Gewalt. Schon wird jeder, der wie ein Araber aussieht, mit Misstrauen beäugt. Hat er vielleicht einen Sprengstoff-Gürtel am Bauch? Terrorismus-Hysterie ist gefährlich, weil sie leicht in Progrome ausarten kann. </p>
<p class="bodytext">Es ist bekannt, dass Al Kaida sich intensiv bemüht, an atomare Sprengköpfe heranzukommen. Können wir uns vorstellen, was geschehen würde, wenn ein Selbstmordattentäter so ein Ding in einer New Yorker U-Bahnstation zündet? Millionen von amerikanischen&nbsp; Moslems würden in Konzentrationslagern verschwinden. </p>
<p class="bodytext">Der Wahnsinn hat eine unerbittliche Dynamik entwickelt. Gewalt mit Gegengewalt und mittelalterlichen Foltermethoden zu bekämpfen, funktioniert heute nicht mehr. Diese barbarische Strategie war schon im Mittelalter idiotisch. Heute ist sie nicht nur dumm, sondern geradezu selbstmörderisch. Nur Betonköpfe bestreiten das noch. Es ist höchste Zeit für einen Strategiewechsel. </p>
<p class="bodytext">Friedrich der Große hat einmal gesagt: „Gott ist immer auf der Seite der stärkeren Bataillone!“. Das stimmt nicht mehr. Zum&nbsp; ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ergibt sich eine Situation, in der die Überlegenheit der Waffen die Siegeschancen eher vermindert. Je härter wir zuschlagen, desto besser für den Gegner. </p>
<p class="bodytext">Das zwingt uns mit unerbittlicher Logik zu einer 180 Grad Kehrtwende: Keine Gewalt, sondern Umarmung. Keine Raketen, sondern Aufklärung. Kein Hass, sondern Mitgefühl. Keine Empörung, sondern Verständnis. Ich nenne es die Strategie der Liebe. Natürlich werden mich&nbsp; alle sogenannten „Realisten“ und „Realpolitiker“ für geistesgestört halten. Dabei ist doch unbestritten, dass die Liebe eine ungeheuere Power besitzt, wenn sie sich mit ihrer Intelligenz verbindet. Die Intelligenz der Liebe ist stärker, als die Intelligenz des Verstandes. Denn das Herz ist näher an der Natur, als der Kopf. Und die Natur ist die Wahrheit.</p>
<p class="bodytext">Haben wir genug Fantasie, uns vorzustellen, was geschehen wäre, wenn Präsident Bush am 11. September 2001 nicht dem blinden Reflex der Rache für den Anschlag auf das World Trade Center in New York gefolgt wäre? </p>
<p class="bodytext">Was wäre geschehen, wenn Bush nicht die stärkste Armee der Welt auf den Irak und auf Afghanistan losgelassen hätte? Wenn er stattdessen versucht hätte, mit dem Oberterroristen Osama bin Laden Kontakt aufzunehmen, um ihn anzuhören? Wenn er bereit gewesen wäre, auf die Beschwerden radikaler junger Islamisten einzugehen? Wenn er ihre Nöte gesehen und ihre Verzweiflung verstanden hätte?&nbsp; Wenn er begriffen hätte, dass auch Amerika zu den Ursachen des Konflikts beigetragen hat?</p>
<p class="bodytext">Wir wissen nicht, was geschehen wäre. Wir wissen nur dies: ein paar Hunderttausend Menschen wären heute noch am Leben.</p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			<category>… zu spirituellen Themen</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 15 Dec 2010 21:14:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Mit Handwerkern im Hier und Jetzt</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/mit-handwerkern-im-hier-und-jetzt.html</link>
			<description>Betrachtungen in einem mecklenburgischen-Dorf - zwanzig Jahre nach der Wende</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Zwanzig Jahre deutsche Einheit liegen hinter uns. Hier in unserem mecklenburgischen Dorf haben wir den Jahrestag nicht gefeiert. Die Erinnerung an die ehemalige DDR ist verblasst. Die jungen Leute interessieren sich nicht dafür, wie es damals war, als das Dorf noch im so genannten Zonenrandgebiet lag. Vergessen ist die Zeit, als bewaffnete Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) im offenen Geländewagen auf dem Betonplattenweg entlang der Küste hin und her fuhren und Ausschau nach DDR Flüchtlingen hielten. Heute ist der NVA-Kolonnenweg glatt asphaltiert und gehört zu den schönsten Radwanderwegen Deutschlands.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Von unserem Ufer der Ostsee gesehen, erscheint die Holsteinische Küste so nahe, aber wenn man versucht, sie paddelnd auf einer Luftmatratze zu erreichen, ist sie doch verdammt weit weg. Viele DDR-Flüchtlinge haben es damals versucht, einige sind geschnappt worden, einige sind ertrunken und nur wenige sind durchgekommen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Davon wird bei uns hier im Dorf nicht mehr gesprochen. Man erinnert sich eher an die angenehmen Umstände unter kommunistischer Herrschaft – an die festen Arbeitsplätze zum Beispiel, die niedrigen Mieten und an das enge Zusammengehörigkeitsgefühl, das man damals in kargen Zeiten empfand. Heute herrscht hier ein raueres Klima. &quot;Jetzt macht jeder sein eigenes Ding&quot;, sagt mein Freund Horst, der oben im &quot;Schloss&quot; der Chef-Hausmeister ist. Ihm geht es ganz okay dabei. Er hat Glück gehabt. Das Schloss hat die Enkelin des früheren Gutsherren in ein dynamisches und erfolgreiches Bio-und Gesundheitshotel verwandelt und dabei 100 Arbeitsplätze geschaffen. Horst braucht also nicht zu pendeln.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Gitama und ich sind seit zwölf Jahren hier. In dieser Zeit hat sich viel verändert. Nahe gelegene Städte wie Wismar, Schwerin, Rostock oder die Seebäder Boltenhagen, Kühlungsborn, Heringsdorf und andere sind aus trister Apathie erwacht und strahlen in einem neuen Glanz. Viele Milliarden Euro sind beim Aufbau Ost verballert worden, aber die Behauptung stimmt einfach nicht, dass das meiste Geld in den dunklen Kanälen der Korruption versickert ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Auch unser Dorf ist ein Fördermittel-Paradies. Das Hotel hat seine Bettenkapazität mit Fördermitteln verdoppelt. In einem Nachbardorf ist ein zweites Gutshaus-Hotel mit Fördermitteln entstanden – hochmodern, aufwändig und baubiologisch restauriert.  </p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Demnächst kriegen wir sogar einen superschnellen Internet-Breitband Anschluss.  Und als nach langem zähen Gerangel mit der Fördermittel-Bürokratie endlich der Startschuss für die Erneuerung der unbefestigten Dorfstraße fiel, erschien es uns ganz selbstverständlich, noch einmal in den Fördermitteltopf zu greifen– diesmal für den Bau eines Holzschnitzel - Fernwärmekraftwerks. Mit diesem Projekt sind wir Wessis endgültig in unserem mecklenburgischen Dorf angekommen. Und zwar als Genossen! Gitama und ich sind Genossen einer Genossenschaft, die als Träger des Fernwärmekraftwerks gegründet werden musste. Wir sind also gewissermaßen kapitalistische Genossen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Mecklenburg-Vorpommern ist nach meinem Geschmack das schönste deutsche Bundesland. Aber auf allen anderen Ebenen hinkt es hinter den anderen Bundesländern hinterher – bei der Bildung, bei der Nutzung des Internets, bei den Löhnen, beim Konsum usw. und so fort. Kein Wunder also, dass viele Menschen seit der Wende vor 20 Jahren in den Westen umgezogen sind. Neulich fragte ich Julia, meine Friseuse, die mir – nebenbei gesagt – für 5,50 € in 15 Minuten einen durchaus anständigen Haarschnitt macht, ob viele Leute aus ihrem Freundes-und Bekanntenkreis in die westlichen Bundesländer abgewandert sind. &quot;Mindestens jede zweite&quot;, sagte sie. „Nicht alle sind für immer weg. Viele arbeiten über die Woche im Westen und verbringen nur noch das Wochenende hier“.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Und dann gibt es noch die Pendler, die jeden Tag stundenlang im Auto unterwegs zu ihrem Arbeitsplatz im Westen sind. Ein Wahnsinn natürlich, aber vielen, die nicht Hartz IV-Almosen annehmen wollen, bleibt gar nichts anderes übrig.  </p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Das sind die Themen, die in unserem Dorf eine Rolle spielen – Arbeit, Geld, Kredite, Ratenzahlungen, das Wetter, der Garten, die Katzen, die Hunde und – ganz wichtig natürlich - das Auto. Politische Diskussionen gibt es hier nicht und auch über die Ernte wird nicht viel geredet. Wir haben nur einen Bauern, der beim Beackern seiner Ländereien mit viel Intelligenz und modernen Maschinen ohne feste Angestellte auskommt. Im übrigen wird die Landwirtschaft großflächig von einer Genossenschaft betrieben, die aus der früheren kommunistischen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) hervorgegangen ist. Zu DDR-Zeiten arbeiteten dort fast 200 Leute. Jetzt kommt man mit acht aus.  </p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Am 20. Jahrestag der Einheit erinnerten die Medien daran, wie die DDR-Bürger damals in Leipzig, Berlin, Dresden und anderswo auf die Straße gegangen sind. Sie hatten es satt, sich von kommunistischen Funktionären gängeln zu lassen. Sie wollten nicht länger das kleine Brötchen backen, sondern mit der D-Mark einkaufen.   </p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Plötzlich hatten sie keine Angst mehr. Die Mauer musste weg. Mit dem Protestschrei „Wir sind das Volk!“  wurden sie Vorreiter einer neuen Epoche, in der das Volk den politischen Eliten friedlich aber selbstbewusst klar macht, wer der Souverän ist. Die Epoche der Basis-Demokratie wurde in Leipzig eingeläutet. Es dauerte 20 Jahre bis sie im Westen ankam – nämlich in Stuttgart.   </p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Bei den Feierlichkeiten in Berlin war der Fokus der Medien nicht auf das Volk gerichtet, sondern auf die Politiker, insbesondere auf den Altkanzler Helmut Kohl. Die CDU hat den 20. Jahrestag der Wiedervereinigung zu einer Parteiveranstaltung umfunktioniert, bei der Kohl  zum „Vater der Einheit“ gekürt wurde. „Der Dicke“ saß im Rollstuhl und hatte Tränen der Rührung in den Augen. Schließlich war er so überwältigt von dem gut organisierten Rummel um seine Person, dass er der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel sogar die Hand küsste. „Mein Mädel“ nannte er sie damals gönnerhaft, als er ihr politisches Talent entdeckte und sie zu seiner Umweltministerin machte.  </p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Als die Feierlichkeiten in Berlin beendet waren, stand Helmuth Kohl plötzlich auf der Kandidatenliste für den Friedensnobelpreis. Dabei bestand sein Verdienst um den Frieden doch nur darin, dass er den Dingen ihren Lauf ließ. Die Mauer bröckelte. Tausenden gelang die Flucht in den Westen. Die Regierungschefs in Westeuropa waren entsetzt. Sie hielten ein vereinigtes Deutschland für eine Katastrophe. Kohl erklärte ihnen, was ohnehin klar war: Die Wiedervereinigungsdynamik ist nicht mehr aufzuhalten. Es sei denn, sie wird mit brutaler Waffengewalt niedergeschlagen. Ein totales Chaos im Zentrum von Europa wäre die Folge.  </p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">So fügten sich alle in das Unvermeidliche – auch der sowjetische Staatschef Gorbatschow. Die wahren Helden der Wiedervereinigung waren nicht die Politiker,  die sich so gerne selber feiern, sondern die Bürger der DDR.  </p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Für das Hier und Jetzt ist das alles nicht wichtig.  Im Hier und Jetzt geht es immer wieder darum, wie wir in unserem vereinten Deutschland zurecht kommen. Und da können wir in unserem Dorf nicht meckern, wie es so schön im Ossi-Jargon heißt. Das Bio-Hotel, das – nebenbei bemerkt – die höchste durchschnittliche Bettenbelegung in ganz Mecklenburg Vorpommern hat,  betreibt inzwischen eine florierende Bio-Landwirtschaft. Ein Gesundheits-Zentrum ist entstanden, in dem 25 Therapeuten arbeiten. Und im Augenblick werden gerade 20 Häuser an das neue Holzschnitzelwärmekraftwerk angeschlossen.  </p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Als der Bagger auf unserem Grundstück loslegte und einen schultertiefen Graben, von der Straße zum Haus aushob, ist unser ökologischer Impuls ein wenig gedämpft worden, muss ich ehrlich gestehen. Es kam uns so vor, als wäre ein Abrisskommando im Garten unterwegs. Eine Kettensäge brüllte auf und in Nullkommanix  krachten drei haushohe Zypressen zu Boden. Der Bagger brauchte Platz und die Zypressen standen dem ökologischen Fortschritt im Wege.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" class="bodytext">Aber wir bemühen uns natürlich darum, die positiven Aspekte in jeder Situation zu sehen. Die blieben uns nicht lange verborgen. Als wir die Handwerker mit banger Neugierde bei der Arbeit beobachteten, fiel uns auf, dass wir eine Menge von ihnen lernen können. Diese beneidenswerte Meisterschaft, mit der sie die Kunst der Entschleunigung beherrschen! Diese meditative Gelassenheit! Diese Ruhe, wenn sie schweigend auf dem Stuhl sitzen, die Zigarette mit Tai-Chihafter Langsamkeit zum Mund führen und  unverwandt in die Ferne schauen! Immer und immer wieder. Nichts passiert, jedenfalls nichts Offensichtliches. Die Zeit steht still. Und wir sind im Hier und Jetzt!</p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Sun, 17 Oct 2010 12:09:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>„Nur die Mutigen wagen es, mit mir zu gehen…“</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/nur-die-mutigen-wagen-es-mit-mir-zu-gehen.html</link>
			<description>In dem Film „Guru“ geht es um Vertrauen und was passiert, wenn man es verliert 
Von Jörg Andrees...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>In dem Film „Guru“ geht es um Vertrauen und was passiert, wenn man es verliert </h2>
<p class="bodytext">Von Jörg Andrees Elten</p>
<p class="bodytext">Beat Häners Augen leuchteten, als er mir von seinem Filmprojekt erzählte. Der Schweizer Filmemacher wollte der Frage nachgehen, ob und wie Oshos Lehre 21 Jahre nach dem Tod des Meisters in seinen Schülern weiter lebt. Ich fand seine Idee gut. Besonders sein Enthusiasmus gefiel mir. Ein Osho Lover in den Startlöchern, dachte ich. Aber war dieser sympathische Mann mit seiner unschuldigen Begeisterungsfähigkeit auch kantig genug, um sein positives Osho-Bild zu verteidigen, wenn Medienbürokraten meckern und Geldgeber kalte Füße kriegen? </p>
<p class="bodytext">Mein Instinkt hat mich nicht getäuscht. Ich weiß nicht was passiert ist, jedenfalls ist von Beat Häners schöner Film-Idee nur der Auftritt von zwei Protagonisten übriggeblieben, die im wesentlichen ihre Enttäuschungen mit Osho schildern. Die Rede ist von Oshos Ex-Generalbevollmächtigter Ma Anand Sheela und von Oshos Ex-Chefleibwächter Shiva.</p>
<p class="bodytext"> Sheela hat damals ihren Job als Chefin der Osho-Kommune im US-Staat Oregon hingeschmissen und die Flucht ergriffen, ohne sich von Osho zu verabschieden. Das FBI war hinter ihr her. Als sie sich später vor Gericht wegen Anstiftung zum Mord und zahlreicher anderer Straftaten verteidigen musste, schob Sheela alle Schuld auf Osho. Sie sei ihm total hörig gewesen und habe immer nur seine Anordnungen befolgt.</p>
<p class="bodytext">Shiva hatte ein anderes Problem. Im Aschram von Poona war er als Chefleibwächter ein Star mit vielen Privilegien gewesen. Wenn Osho auftrat, war der attraktive Schotte mit seinem flammenroten Bart und der schulterlangen Mähne stets neben dem Meister – hellwach und präsent. Er wohnte in Oshos Haus, gab Craniosacral-Behandlungen und genoss es, mit anderen Motoradfreaks durch die Landschaft zu brettern. </p>
<p class="bodytext">Plötzlich war die herrliche Zeit vorbei. Osho zog mit seiner Kommune nach Amerika um. Ein neues Abenteuer begann: In der einsamen Weite einer heruntergekommenen, riesigen Ranch im US-Staat Oregon zogen die Sannyasins eine neue Stadt hoch – Rajneeshpuram. Im Winter sank das Thermometer auf minus 20 Grad. Wenn es regnete, steckte man bis zu den Knien im Schlamm. Der Meister zog sich ins Schweigen zurück. Um seine Sicherheit kümmerten sich jetzt Stadtpolizisten unter Führung eines amerikanischen Sheriffs. Ein Chefleibwächter wurde nicht mehr gebraucht. Plötzlich war Shiva nur noch einer von vielen und schob Zwölf-Stunden-Schichten auf dem Bau. Er tat mir damals leid, aber ich sah auch den positiven Aspekt dieses Schockers: Ganz offensichtlich wollte Osho Shivas Vertrauen testen. Der Test fiel negativ aus: Als Sheela ihm auch noch verbot, mit dem Motorrad herumzufahren, hatte Shiva genug. Er verschwand von der Ranch, und man hörte erst wieder von ihm, als er mit einem bitterbösen Buch über Osho an die Öffentlichkeit trat.</p>
<p class="bodytext">Sheela und Shiva sind nicht die einzigen Sannyasins aus Oshos näherer Umgebung, die sich von ihrem Meister abgewendet haben. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte, aber eines haben sie gemeinsam: sie haben in Osho den Über-Vater gesehen. Sie wollten ihm so nah sein wie möglich, sie wollten, dass er die Verantwortung für sie übernimmt und sie schließlich für erleuchtet erklärt. </p>
<p class="bodytext">Das war freilich nicht Oshos modus operandi. Immer wieder hat er seine Schüler ermahnt, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Sie sollten ihn nicht als Heiligen verehren und sich nicht mit seiner Person verbinden, sondern mit seiner Präsenz, mit seiner Botschaft. Die <i>persönliche Beziehung</i> ist an die Zeit gebunden. Die <i>Verbindung mit der Präsenz</i> eines Meisters ist ein zeitloses spirituelles Phänomen – jenseits von Leben und Tod, jenseits von Emotionen, von Erwartungen, von Ängsten und auch von Enttäuschungen.</p>
<p class="bodytext">Der Mensch lernt nicht durch Belehrung, er lernt durch Erfahrung. Seit vielen Jahrhunderten besteht die Arbeit eines spirituellen Meisters im Wesentlichen darin, Situationen herzustellen, in denen seine Schüler wichtige persönliche Erfahrungen mit sich selbst machen können. Er möchte sie aufwecken, notfalls mit schmerzhaften Schocks. Er sagt ihnen nicht, was gut ist und was böse. Er wirft sie immer wieder auf sich selbst zurück und lässt sie in das Messer ihrer Unbewusstheit laufen. Er ist wie ein Spiegel, in dem jeder sein wahres Gesicht sehen kann. Wer mit ihm arbeitet, muss bereit sein, durchs Fegefeuer zu gehen. Osho: „Ich will euer Ego zertrümmern, damit ihr frei sein könnt und wie neu geboren…Nur die Mutigen wagen es, mit mir zu gehen.“ Totalität war angesagt. Halbheiten gab es mit Osho nicht. </p>
<p class="bodytext">In dem „Guru“ Film nennt Shiva seinen früheren Meister „einen Kaiser ohne Kleider“ - also einen Scharlatan. Sheela beteuert, dass sie Osho nach wie vor liebt. Aber dann nennt sie ihn plötzlich „einen drittklassigen Feigling“ – weil er „die Kommune im Stich gelassen“ habe. Ich bin Osho in diesem Film nicht begegnet. Was ich gesehen habe, waren die Osho-Projektionen der beiden enttäuschten Hauptpersonen Sheela und Shiva. So erklärt sich wohl auch, warum in dem 90-Minuten Film Oshos phänomenales Lebenswerk mit keinem Wort erwähnt wird. </p>
<p class="bodytext">Seine Botschaft wird von Tag zu Tag aktueller. Wenn man in dem Online-Bookstore Amazon.de das Stichwort „Osho“ eingibt, erscheinen mehr als 140 Osho-Titel allein in deutscher Sprache. Die Leserbewertungen erreichen mit 4 - 5 Sternen die Höchstquote. Millionen von Menschen rund um den Globus greifen Oshos Botschaft auf und geben sie weiter. Inzwischen gibt es sogar in China Osho-Meditationsveranstaltungen mit mehr als 500 Teilnehmern. Aber Sheela und Shiva hat die Botschaft des Meisters offenbar nicht erreicht. </p>
<p class="bodytext">Osho war es zeitlebens völlig egal, wie die Medien über ihn urteilten. Skandale gehörten zu seinem Handwerkszeug, hat er mir einmal verraten: „Sie erzeugen Reibung und Reibung erzeugt Energie“. Er wollte vor allem wahrgenommen werden, um seine Botschaft global zu verbreiten. Gar nicht so einfach in einer Welt, in der das Fernsehen jede Woche eine neue Sau durchs Dorf treibt. Aber wenn man eine Flotte von 92 Rolls Royces anschafft und jeden Nachmittag um Zwei auf der Ranch in Oregon vor jubelnden Anhängern karnevalistische „Drive Bys“ inszeniert, fliegen Reporter aus aller Welt ein und berichten über den komischen „Rolls Roce Guru“. Was so aussieht, wie die eitle Selbstdarstellung eines durchgeknallten Narzisten, war tatsächlich ein genialer Werbe-Witz. Ohne ihn gäbe es bei Amazon keine 140 Osho-Bücher und DVDs und auch keinen Guru-Film aus der Schweiz. Als sie nicht mehr gebraucht wurde, kaufte ein texanischer Autohändler die gesamte Rolls Royce Flotte auf und zahlte dafür mehr, als sie ursprünglich gekostet hatte. Sannyasins, die für die Anschaffung von Oshos Rolls Royces gespendet hatten, erhielten ihr Geld zurück.</p>
<p class="bodytext">Übrigens: Ist die Osho-Kommune wirklich ein katastrophaler Fehlschlag gewesen, wie im Guru-Film behauptet wird? Oder gibt es auch hier zwei Wahrnehmungsebenen, die sich drastisch unterscheiden? Wer das Kommune - Experiment in Oregon vorurteilsfrei betrachtet und dabei unter die Oberfläche geht, kann eine interessante Entdeckung machen: Die Ranch war Oshos „Mysterienschule“- das größte, schärfste, riskanteste und erfolgreichste „Human Growth“-Experiment aller Zeiten. </p>
<p class="bodytext">In der Tat gibt es viele scheinbare Ungereimtheiten. Warum, zum Beispiel, etablierte Osho eine reine Frauenherrschaft auf der Ranch? Und warum wurden nicht die qualifiziertesten Frauen auf den wichtigsten Posten eingesetzt, sondern eher die schwierigen, psychisch instabilen Typen - allen voran Sheela? Sie sorgten vor allem dafür, dass viel Sand ins Getriebe kam und den Männern die Knöpfe gedrückt wurden. Und warum wurde Rajneeshpuram nicht auf einer Südsee-Insel hochgezogen, sondern mitten in einer Semi-Wüste, wo nur Wacholder Büsche wuchsen? War denn etwa nicht von Anfang an klar gewesen, dass es hier keine Baugenehmigungen für den Aufbau einer Stadt geben würde?</p>
<p class="bodytext">Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass Rajneeshpuram, Oshos Stadt, überhaupt nicht als langfristiges Projekt angelegt war. Was so aussah, wie der Versuch, eine Modell-Kommune für das 21. Jahrhundert aufzubauen, war tatsächlich ein multidimensionales und genial konzipiertes Experiment für die Entwicklung des Bewusstseins. Jeder, der das Glück hatte, daran teilzunehmen, konnte jeden Tag interessante und oft auch schmerzhafte Erfahrungen mit sich selbst machen. Sheela hatte die Gelegenheit, mit ihrer kriminellen Energie in Kontakt zu kommen. Shiva hätte erkennen können, wie sein Ego seine Wahrnehmung beeinträchtigt. Ich war viele Monate – zwölf Stunden täglich – auf dem Recycling Yard damit beschäftigt, rostige Nägel aus altem Bauholz zu ziehen und meine totale Unwichtigkeit zu reflektieren - eine Erfahrung, die mich nachhaltig bereichert hat. Wir alle können Osho dafür dankbar sein. Und wer weiß – vielleicht existiert die Mysterienschule ja noch virtuell, und das Experiment mit Osho geht weiter. Dann hätte auch Beat Häner noch eine Chance, sein Gesicht im Spiegel des Meisters zu betrachten. </p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			<category>… zu spirituellen Themen</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 23 Sep 2010 10:26:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>„Ich spucke den Mächtigen gerne in die Suppe“</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/ich-spucke-den-maechtigen-gerne-in-die-suppe.html</link>
			<description>Wie der Internetaktivist Julian Assange das Zeitalter der totalen Informationsfreiheit einleitet</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Blasses Gesicht, weißblondes Langhaar, wache Augen, hohe Stirn, schlank, lässig, und auf bescheidene Weise selbstbewusst – als ich den 38-jährigen australischen Internet-Aktivisten Julian Assange zum ersten Mal auf einem Video sehe, spüre ich eine Ausstrahlung von solider Erdung, innerer Ruhe und lebhafter Intelligenz. Kaltblütig hatte er auf seiner Internet-Plattform WikiLeaks.com 75&nbsp;000 geheime militärische Dokumente aus dem Afghanistankrieg ins Netz gestellt – ein Enthüllungs-Coup, der den umstrittenen Krieg am Hindukusch als das entlarvte, was er ist – ein hoffnungsloses, brutales Abenteuer. </p>
<p class="bodytext">Die Reaktion überraschte niemanden: Schrille Empörung im Pentagon, dem amerikanischen Verteidigungsministerium, Entsetzen im Weißen Haus, Befremden in den Regierungszentralen der kriegführenden NATO-Mächte, fieberhafte Aktivität der westlichen Geheimdienste. Wer hatte WikiLeaks das explosive Material zugespielt?? Es gibt einen Verdächtigen: Der US-Gefreite Bradley Manning, ein militärischer Geheimdienst-Analytiker, hatte Anfang des Jahres auf die WikiLeaks Webseite ein sensationelles Video hochgeladen: Darauf ist aus der Sicht der Bordkamera eines US-Hubschraubers zu sehen, wie die beiden Piloten irakische Zivilisten auf einer Straße in Bagdad ins Visier nehmen und unter zynischen Bemerkungen einfach abknallen – einen nach dem anderen, so als wären sie Figuren aus einem Computerspiel. </p>
<p class="bodytext">Der Gefreite Manning wurde zum berühmtesten „Whistle Blower“ (Geheimnis-Enthüller) aller Zeiten, als er das Video auf die WikiLeaks Internetplattform hochlud. Leider hatte er Pech: ein Computerhacker, dem er sich anvertraut hatte, zeigte ihn an. Nun drohen ihm 52 Jahre Gefängnis. </p>
<p class="bodytext">Auch Julian Assange muss mit dem Schlimmsten rechnen. Im Pentagon sucht man fieberhaft nach Beweisen dafür, dass WikiLeaks mit der Veröffentlichung der geheimen Dokumente die Namen von Afghanen preisgegeben hat, die mit den NATO-Streitkräften gegen die Taliban und Al Kaida zusammenarbeiten. Die Absicht der US-Militärs ist eindeutig: sie wollen Assange moralisch fertig machen. Der Generalstabschef der US-Streitkräfte, Admiral Mike Mullen behauptete schon mal: „Was immer Mr. Assange und seine Leute über ihre hohen Ziele im Namen des Guten sagen mögen – Tatsache ist, dass schon jetzt das Blut einer afghanischen Familie an ihren Hände kleben könnte.“ Mit anderen Worten: WikiLeaks liefert unsere Freunde ans Messer der Taliban. </p>
<p class="bodytext">Assange konterte mit einem schlauen Schachzug: Er bat das Pentagon um Hilfe bei der Überprüfung von 15 000 besonders delikaten Dokumenten, die WikiLeaks noch nicht veröffentlicht hat. Aber die US-Militärs gingen auf das Angebot nicht ein. Sie fordern die sofortige Rückgabe aller Dokumente und erhöhten mit finsteren und zweideutigen Drohungen den Druck auf das WikiLeaks Team. </p>
<p class="bodytext">Die schrille Aufregung der Politiker und Militärs ist ein Indiz dafür, dass der Enthüllungcoup mehr ist als ein Sturm im Wasserglas. Zum ersten Mal hat sich gezeigt, dass im Zeitalter des Internet die Geheimnisse der Mächtigen nicht mehr gesichert werden können. Jeder Whistle Blower kann seine Informationen über kriminelle Machenschaften mit einem Mausklick ins Licht der Öffentlichkeit stellen. </p>
<p class="bodytext">Assanges mutige Tat war ein Frontalangriff auf die Kultur der Vertuschung, der Geheimniskrämerei, der Desinformation und der Korruption. Diese Kultur der Unaufrichtigkeit herrscht überall – in den Kommandozentralen der Militärs, den Hinterzimmern der Politik, den Chefetagen globaler Konzerne, im Vatikan, im Profi-Sport und last but not least in den Amtsstuben der Bürokratie. Sie zersetzt das moralische Gewebe, das für das Zusammenleben der Menschen so wichtig ist. Sie ist das wesentliche Merkmal einer Welt, die aus den Fugen geraten ist.</p>
<p class="bodytext">Wir stehen am Beginn einer Neuen Zeit, in der das sogenannte Herrschaftswissen der wenigen Mächtigen zum Allgemeingut wird. Die Power der Information geht auf den Bürger über. Er verwandelt sich vom ahnungslosen Opfer in einen „Mitwisser“, der einschreiten kann. Er kann zum Beispiel Anzeige erstatten und den Staatsanwalt in Marsch setzen, wenn er erfährt, dass sein Bürgermeister in Grundstücksschiebungen verwickelt ist. Überall auf der Welt wird das Ende der Geheimniskrämerei gewaltige basisdemokratische Kräfte freisetzen und das Internet zum Vehikel einer globalen Bewusstseinsentwicklung etablieren. </p>
<p class="bodytext">Dass die Kraft des Geistes die Entwicklung der Welt wie ein Dynamo antreibt, hat der französische Jesuitenpater, Philosoph, Anthropologe und Paläontologe, Pierre Teilhard de Chardin (1881-1955) als wissenschaftliche These postuliert und damit viele Kollegen brüskiert. Für sie hatten Geist und Materie nichts miteinander zu tun. In Teilhards Standardwerk „Der Mensch im Kosmos“ heißt es jedoch: „Zunehmende <i>Zentrierung</i> auf geistiger und zunehmende <i>Komplexität</i> auf materieller Ebene sind das Wesen der Entwicklungsgeschichte“. </p>
<p class="bodytext">Teilhard sieht die Welt im Übergang von der zweiten zur dritten Entwicklungsstufe. Die Menschheit sei im Begriff, die Phase der sogenannten „Noogenesis“ abzuschließen. Die Noogenesis ist die Phase, in der sich der Mensch, als ein Wesen, das Bewusstsein besitzt, flächendeckend über den Planeten ausbreitet – er forscht, plant und denkt und schafft dabei einen alles durchdringenden Materialismus. </p>
<p class="bodytext">Nach Teilhard beginnt nun eine Zeit, in der die in der Noogenesis frei gewordenen Kräfte des Bewusstseins in eine „psychische Expansion“ münden. Genau wie die biologische Expansion breitet sie sich flächendeckend über den Planeten aus. So entsteht ein weltumspannendes planetarisches Bewusstsein. Teilhard spricht von einem <i>Zusammenschluss der Welt zu einem Ganzen</i> und von der <i>Gestaltung eines Geistes der Erde.</i> Dieser geistige Vorgang, so sagt er, habe eine zielgerichtete Dynamik – er nennt sie „Omega“.</p>
<p class="bodytext">Als Teilhard seine These entwickelte, ahnte er nichts vom Internet. Aber es ist offensichtlich, dass das Internet heute das Vehikel für die „psychische Expansion“ ist. Teilhard sah voraus, dass sich das Bewusstsein der Individuen vernetzt und dabei ein planetarisches Energiefeld bildet – die „Brutstätte des Neuen Menschen“. Omega, so sagt der Jesuit, der übrigens von seiner Kirche nicht geliebt wurde, Omega bedeutet Herrschaft des Geistes über die Materie. Omega ist die ultimative Zentriertheit des Bewusstseins. Omega ist die Liebe als treibende Kraft allen Lebens. </p>
<p class="bodytext">Zeitgenössische Denker knüpfen an Teilhards Noogenesis an, wenn sie über die Entstehung eines „globalen Gehirns“ diskutieren, in dem die Internetnutzer an ihren Computern sozusagen die Zellen sind. Philip Hefner, amerikanischer Theologie-Professor und Teilhard de Chardin-Spezialist, ist der Ansicht, dass Teilhard das globale Gehirn als einen dialektischen Prozess sehen würde: die komplexe Vernetzung auf der Hardware-Ebene wäre der eine Pol der Entwicklung – der andere Pol wäre die spirituelle Entwicklung der „Zelle“, die in Omega mündet. Diese Entwicklungsphase ist im Bauplan des Universums angelegt. Wir Internet-nutzende „Zellen“ spielen in diesem kosmischen Spiel nur eine kleine Rolle. Aber wir können uns damit trösten, dass wir auf unserem Weg zu Omega die Freiheit haben, positive Impulse ins Netz zu schicken. </p>
<p class="bodytext">„Liebe macht frei!“ sagt Teilhard de Chardin. </p>
<p class="bodytext">Und Assange sagt in aller Bescheidenheit: „Ich spucke den Mächtigen gern in die Suppe“. </p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 13 Aug 2010 09:22:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title> Alles wird gut – oder vielleicht doch nicht?</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/alles-wird-gut-oder-vielleicht-doch-nicht.html</link>
			<description>Wie eine ungewöhnliche Planetenkonstellation für Aufregung sorgt
Vor ein paar Wochen gaben Katrin...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2><span></span>Wie eine ungewöhnliche Planetenkonstellation für Aufregung sorgt</h2>
<p class="bodytext">Vor ein paar Wochen gaben Katrin und Alex eine Vollmond-Party auf der Baustelle ihres neuen Hauses, ein wildes Prachtgrundstück mit weitem Blick in eine unberührte Natur. Es war ein wunderbarer Abend, ein bisschen kühl aber keine Wolke am Himmel. Wir parkten unsere Autos zwischen Brennnesseln, brachten Stühle, Pappteller und Nudelsalat mit. Alle Gäste kamen mit Töpfen und Schalen an und trugen zur kulinarischen Ausstattung der Party bei. Die Gastgeber hatten eine anständige Erdbeerbowle angesetzt und wir sammelten überall Bauholz ein, mit dem wir ein romantisches Feuer in Gang hielten.</p>
<p class="bodytext">Als die Sonne unterging, hielt Ute, eine engagierte Hobby-Astrologin, eine kleine Rede, um uns etwas ganz Besonderes mitzuteilen. Sie sagte, es gäbe eine höchst ungewöhnliche Planetenkonstellation, die sich seit Herbst 2008 abzeichnet und in diesen Tagen in ihre dritte Phase eintritt: Alle Planeten, die für Transformation stehen, ordneten sich gerade so an, dass sie ein Kreuz bilden – Pluto, Uranus, Saturn, Jupiter. Die Power dieser Konstellation sei geradezu einmalig. Schon im Herbst diesen Jahres werde nichts mehr so sein, wie es heute ist. Dies sei die Zeit für Wagnis, für neue Ideen, neue Konzepte, neue Visionen. Auf der gesellschaftlichen Ebene, sagte Ute, käme es zu großen Umwälzungen. So würde zum Beispiel das Dogma von einem unbegrenzten Wachstum verschwinden. Damit wäre der Weg frei für einen nachhaltigen und schonenden Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten. Und natürlich seien wir alle in diesen Transformationsprozess einbezogen und könnten seine Energie für uns nutzen, indem wir ihn als positive Herausforderung annehmen. </p>
<p class="bodytext"> Die Vorstellung, dass die Zeit des Aufbruchs und der Wandlung begonnen hatte, passte zur Atmosphäre dieser Vollmond-Party an diesem Ort, wo sich eine heruntergekommene Bauruine in ein paar Monaten in ein modernes Haus verwandelt hatte. Mit Solarzellen auf dem Dach, biologischer Abwasseraufbereitung und Erdwärmeheizung wirkte es wie eine Metapher für den Paradigmenwechsel, den Ute voraussagte und der das neue Zeitalter der Liebe, der Solidarität und des intelligenten und schonenden Umgangs mit der Natur einläuten soll. </p>
<p class="bodytext"> Damit Neues geschehen kann, muss Altes verschwinden, und so ließ Ute einen hübsch verzierten Zettelkasten und einen Kugelschreiber herumgehen und bat uns, all das auf einen Zettel zu schreiben, was wir loslassen wollen. Das taten wir gern, und danach warfen wir die Zettel in unser Sonnenwendefeuer.</p>
<p class="bodytext"> Am nächsten Tag surfte ich neugierig im Internet und entdeckte, dass es zwei Richtungen in der Astrologie gibt - die pessimistische und die optimistische. Für die positiv gepolten Astrologen ist zum Beispiel die Wahl von Barack Obama - Hoffnungsträger des „Yes we can!“, Lichtgestalt einer jungen Generation, die von einem neuen Zeitalter der Liebe träumt - ein deutliches Indiz für positiven Wandel. </p>
<p class="bodytext"> Ganz anders die pessimistischen Astrologen. Für sie ist der Zusammenbruch der globalen Finanzindustrie im Herbst 2008 das wichtige Ereignis, das sie als Indiz dafür heranziehen, dass die Bewegung der Transformationsplaneten keine Reise ins Paradies signalisiert, sondern eher den Beginn einer Höllenfahrt durch Chaos und Blut. </p>
<p class="bodytext"> Die Vertreter beider Richtungen in der Astrologie orientieren sich an den gleichen kosmischen Ereignissen, aber sie deuten sie total konträr. Was die einen als drohende Katastrophe sehen, ist für die anderen eine hoffnungsvolle Herausforderung. </p>
<p class="bodytext"> Dabei habe ich den Eindruck, dass die pessimistischen Astrologen ein stärkeres Gewicht haben, jedenfalls in der Blogger-Szene des Internets. Sie betrachten den Sternenhimmel sozusagen durch die Brille ihrer Ängste, ihrer Depressionen, ihrer Untergangsfantasien. Und damit erreichen sie wahrscheinlich ein größeres Publikum, als die spirituell orientierten Astrologen, die den Sternenhimmel eher durch die Brille ihrer Hoffnungen anschauen.</p>
<p class="bodytext"> Je ängstlicher wir sind, desto lieber ziehen wir uns katastrophale Fantasien rein, die unsere eigenen schlimmen Befürchtungen scheinbar bestätigen. Niemand ist davor gefeit. Das beweist auch die lebhafte globale Diskussion zum Thema „2012“. Viele Spökenkieker im Netz beziehen sich auf die gegenwärtige aufregende Planetenkonstellation und deuten sie als ein untrügliches Vorzeichen des Weltuntergangs. Der soll angeblich am 21. Dezember 2012 stattfinden und zwar genau um 11:11 Uhr. In diesem Augenblick endet nämlich der alte Maya Kalender, der sich über insgesamt 5125 Jahre erstreckt. Und angeblich gibt es uralte Prophezeiungen mit der Aussage, dass am Ende des Maya Zeitzyklus die Welt untergehen werde.</p>
<p class="bodytext"> Roland Emmerich, der deutsche Hollywood-Regisseur, sprang auf das Katastrophenkarussell auf und schlug mit seinem Film „2012“ einem Millionenpublikum die Schrecken des Weltuntergangs um die Ohren. Der Film war ein Kassenschlager. Kein Wunder: wir leben in einer kulturellen Spätzeit und man erkennt sie unter anderem daran, dass die Herrschenden – oder heutzutage die Medien – den Masochismus einer demoralisierten Gesellschaft mit sadistischem Entertainment bedienen.</p>
<p class="bodytext"> Finstere Prophezeiungen erzeugen jedenfalls einen nahezu unwiderstehlichen, prickelnden Sog. Ich könnte mir denken, dass Osho – vielleicht aus diesem Grund – ein eher distanziertes Verhältnis zur Astrologie hatte. Ich erinnere mich an das schallende Gelächter in der Buddhahalle, als der Meister Ende der Siebzigerjahre eine Episode zum Besten gab, mit der er die Astrologie aufs Korn nahm. Osho erzählte, wie ein indischer Star-Astrologe zu ihm kam und ihm seine Dienste anbot. Er sei der Größte in seiner Branche, behauptete er und zählte die Berühmtheiten auf, die bei ihm schon Rat gesucht hätten. Um den Kerl los zu werden, gab Osho schließlich nach, und der Astrologe machte sich an die Arbeit. Als er fertig war, wollte er Geld sehen. „Wie bitte?“, konterte Osho. „Geld? Du behauptest, du wärst der beste Astrologe in Indien und dann kannst du aus meinem Chart nicht einmal herauslesen, dass du von mir kein Geld zu erwarten hast? Du bist ein Scharlatan. Verschwinde!“</p>
<p class="bodytext"> Vor ein paar Tagen schickte mir ein Freund eine PowerPoint Präsentationen, die unglaublich schöne und beeindruckende Fotos des Weltraumteleskops Hubble auf meinen Computermonitor zauberte. </p>
<p class="bodytext"> Da ist er, unser blauer Planet – so schön und so zart. Wenn man ihn aus einer Entfernung von 600 km betrachtet, lässt sich der Einfluss der Menschen auf diesen Planeten kaum wahrnehmen. Dass er von Menschen bewohnt wird, die sich nicht als eine Einheit empfinden, sondern Grenzen gezogen haben, die sie voneinander trennen, dass diese Grenzen zum Teil heiß umstritten sind, dass es Gegensätze zwischen Rassen und Völkern gibt, Einflusszonen, Kriege, Kämpfe um Rohstoffquellen – all das erscheint absurd, wenn man die Hubble-Fotos anschaut. </p>
<p class="bodytext"> Und noch absurder wirkt es, wenn man auf den Fotos erkennt, wie winzig klein unser Planet ist. Da ist zum Beispiel das Foto von der Milchstraße, ein Gebilde aus vielen Milliarden von Sonnen und Planeten. Wo ist die Erde? Ohne Hilfe findet man sie nicht. Ein roter Pfeil ist auf ein winziges Pünktchen am Rande der Galaxe gerichtet, nicht einmal einen Millimeter groß. Und unwillkürlich kommt mir der Gedanke: wo bin ich hier eigentlich? Im Kontext kosmischer Dimensionen gibt es mich überhaupt nicht. </p>
<p class="bodytext"> Das Universum wird von einer unfassbaren Kraft bewegt, die auch uns durchströmt. Aber die Vorstellung, dass ich Einfluss auf unseren Planeten nehmen könnte, erscheint mir bei der Betrachtung dieser Weltraumbilder als völlig abwegig. So drängt sich die Frage auf: gibt es uns überhaupt als Individuen, oder sind wir nur winzige Mikroben, Teile eines Schwarmes, der sich nach kosmischen Gesetzen bewegt, die wir weder durchschauen noch beeinflussen können? Haben wir wirklich die Power, unseren Planeten zu zerstören? Oder ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass die Erde sich von der Menschheit einfach befreien wird, wenn sie ihr wirklich gefährlich werden sollte?</p>
<p class="bodytext"> Die Hubble-Fotos machen uns bewusst, wie nichtig unsere Hoffnungen und unsere Wünsche sind, unser Ehrgeiz, unsere kleinlichen Streiteren, unsere Jagd nach Geld und Anerkennung und so weiter und so fort. </p>
<p class="bodytext"> Die Frage ist allerdings: was ist unsere Bestimmung und was können wir bewirken? Ich finde, auch im Kontext kosmischer Dimensionen ist die Frage berechtigt. Denn wenn ich auch nur eine Mikrobe im Schwarm bin, so ist doch diese Mikrobe ein Wesen mit Bewusstsein. Unser Bewusstsein befähigt uns, etwas zu bewirken – nicht im großen Stil, das wäre eine Illusion. Unsere Möglichkeit nachhaltig nach außen zu wirken, ist gering. </p>
<p class="bodytext"> Aber es gibt natürlich auch den anderen Weg. Im Internet fand ich ein Zitat von Carlos Barrios, einem spirituellen Lehrer, der in der Tradition der Mayas steht:</p><blockquote style="margin-bottom:0;margin-top:0;"><p class="bodytext"><em> „Die tiefsten Weisheiten sind auch immer die einfachsten. Sie sind in deiner DNA gespeichert. Alles was du brauchst, findest du in dir selbst. Die Weisen sagen es seit ewigen Zeiten: ‚Finde dein Herz, so findest du deinen Weg‘.“</em></p></blockquote><p class="bodytext"> Wenn du dein Herz findest, dann findest du die Liebe. Und wenn du die Liebe gefunden hast, löst sich dein Ego auf und du existierst nicht mehr als ein vom Ganzen getrenntes Wesen. Du pulsierst mit dem Puls des Universums. Du bist angekommen. </p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 14 Jul 2010 09:17:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Wer im Sumpf lebt, muss laut quaken</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/wer-im-sumpf-lebt-muss-laut-quaken.html</link>
			<description>Gespräch mit dem Sprecher der Bank für das Gemeinwohl Dr. Dr. hc. Johannes Achterbahn</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Osho Times: Herr Dr. Achterbahn, wie sicher ist mein Geld, das ich Ihrer Bank anvertraut habe?</p>
<p class="bodytext">Achterbahn: Keine Ahnung!</p>
<p class="bodytext">OT: Wie bitte?</p>
<p class="bodytext">A: Sie reden von Sicherheit, so als hätte es keine globale Finanzkrise gegeben. Sie hat uns doch die fundamentale Erkenntnis beschert: Sicherheit ist eine Illusion.</p>
<p class="bodytext">OT: Das sagen die Weisen schon seit Jahrtausenden!</p>
<p class="bodytext">A: Genau. Jetzt sagen wir es auch, nachdem es offensichtlich geworden ist.</p>
<p class="bodytext">OT: Sie haben es also schon vorher gewusst? </p>
<p class="bodytext">A (verdreht die Augen Richtung Decke): Natürlich! Aber wer hätte es mir geglaubt, wenn ich es gesagt hätte? Es herrschte doch überall die blinde Gier…</p>
<p class="bodytext">OT: Bei Ihnen etwa nicht?</p>
<p class="bodytext">A : Ich bin stolz darauf, dass unser Haus den Staat nicht um Steuergelder anbetteln musste. </p>
<p class="bodytext">OT: Sie meinen, Sie waren schlauer, als die Herren von der Bayrischen Landesbank, der Hypo Real Estate und so weiter? </p>
<p class="bodytext">A: Ich maße mir kein Urteil über Kollegen an. Ich sage nur so viel: ich war nicht von blinder Gier geschlagen. Ich habe auf der Welle der Gier gesurft und bin im richtigen Augenblick abgesprungen.</p>
<p class="bodytext">OT: Können Sie etwas konkreter werden?</p>
<p class="bodytext">A: Wir haben es verstanden, unseren verbrieften Mortgage Backed Securities AAA – Ratings zu beschaffen. Vor allem europäische Banken, die keinen guten Zugang zu amerikanischen Hypothekenkrediten hatten, waren ganz scharf auf unsere MBS’s. Sie wollten sie in zweiter Stufe als Collaterized Debt Obligations, sogenannten CDO’s , wiederbriefen. Davon erhofften sie sich anständige Provisionen. Außerdem legten sie Programme auf, bei denen die in Zweckgemeinschaften eingebrachten Aktiva mit kürzerer Frist rollierend refinanziert wurden und zwar über die Emission kurzfristiger Asset Backed Commercial Papers, sogenannten ABPC’s. Das hat zusätzlich Investoren angelockt, die ihr Kapital nur kurzfristig zur Verfügung stellen konnten. Verstehen Sie?</p>
<p class="bodytext">OT: Naja…</p>
<p class="bodytext">A (lacht gönnerhaft): Sie brauchen sich nicht zu schämen, wenn Sie nix verstehen. Frau Merkel und ihr Finanzminister verstehen ja auch nichts. Unser Geschäft ist so kompliziert, dass nur ein paar Experten wirklich Durchblick haben. </p>
<p class="bodytext">OT: Sie sind einer von denen?</p>
<p class="bodytext">A (lacht): Immerhin habe ich die MBS’s und auch CDO’s rechtzeitig verkauft – vor allem an die deutschen Landesbanken. Die sind dann auf diesem Giftmüll sitzen geblieben. In den Aufsichtsgremien der Landesbanken gibt es viele Politiker. Die wollten auch mal auf der großen Finanzbühne eine flotte Pirouette drehen. Dabei sind sie gründlich auf den Hintern gefallen. </p>
<p class="bodytext">OT: Wie ist Ihr Verhältnis zur Politik? </p>
<p class="bodytext">A: Ich kann mich nicht beklagen</p>
<p class="bodytext">OT: Stört es Sie denn nicht, wenn Politiker aller Parteien über den Ober-Buhmann Achterbahn herziehen und scharfe Finanzkontrollen fordern? </p>
<p class="bodytext">A (lacht): Nein, überhaupt nicht. Das müssen die doch machen, wenn sie wiedergewählt werden wollen. Wer im Sumpf lebt, muss laut quaken. Dafür habe ich volles Verständnis. Mir ist wichtig, was mir Politiker unter vier Augen sagen.</p>
<p class="bodytext">OT: Und was sagen die Ihnen unter vier Augen?</p>
<p class="bodytext">A: Das werde ich Ihnen nicht verraten! Aber Sie können davon ausgehen, dass Politiker auch nur Menschen sind. </p>
<p class="bodytext">OT: Was wollen Sie damit sagen? </p>
<p class="bodytext">A: Viele haben Ehefrauen mit hohen Betriebskosten. Kinder in teuren Internaten oder Privat-Colleges. Anspruchsvolle Konsumgewohnheiten, heimliche Geliebte, die verwöhnt werden wollen. Und so weiter und so fort. Das Leben ist teuer, wenn man erst mal oben ist. Und der Wähler ist launisch. Wenn er einen im Stich gelassen hat, muss das Leben doch weitergehen, oder? </p>
<p class="bodytext">OT: Denken Sie jetzt an Gerhard Schröder und Joschka Fischer?</p>
<p class="bodytext">A: Nicht speziell. Den beiden hochbegabten Leistungsträgern ist der Übergang von der Politik in die Wirtschaft selbstverständlich leicht gefallen. Die Grenze ist fließend. Viele Politiker gehen in die Wirtschaft. Und viele Lobbyisten gehen in die Politik. Das ist doch durchaus erfreulich.</p>
<p class="bodytext">OT: Sollten Politiker nicht allein dem Volk, ihrem Souverän, dienen? </p>
<p class="bodytext">A (lacht): Das klingt ein bisschen altmodisch, finden Sie nicht?</p>
<p class="bodytext">OT: So steht es jedenfalls im Grundgesetz!</p>
<p class="bodytext">A: Ach, da steht vieles drin. Aber die Zeiten ändern sich. Die Globalisierung zum Beispiel ist eine unglaublich anspruchsvolle Herausforderung. Man kann von einem Opel-Arbeiter nicht erwarten, dass er die komplizierten wirtschaftlichen Mechanismen versteht, die die Sicherheit seines Arbeitsplatzes gefährden. Er hat Null Durchblick. Aber bei der Wahl ist seine Stimme genauso gewichtig, wie Ihre oder meine. </p>
<p class="bodytext">OT: Das nennt man Demokratie.</p>
<p class="bodytext">A (lacht): Da haben Sie recht. Die Demokratie ist unsere Heilige Kuh. Aber sie gibt keine Milch mehr. Die meisten Politiker wollen das natürlich nicht einsehen. Tatsache ist jedoch, dass diejenigen, die die Welt bewegen, sich längst vom Primat der Politik befreit haben. </p>
<p class="bodytext">OT: Sie sprechen jetzt von sich selbst und von Ihren Kollegen, den Bankern?</p>
<p class="bodytext">A (lacht): Der Schweizer Aktivist und Schriftsteller Jean Ziegler nennt uns ‚Die neuen Herrscher der Welt‘. Er kann uns nicht leiden, aber er hat Recht - wir sind es, die die Welt bewegen.</p>
<p class="bodytext">OT: Sie haben die Weltwirtschaft gerade an die Wand gefahren und Millionen von Menschen arbeitslos gemacht...</p>
<p class="bodytext">A: Moment mal! Ich habe nicht gesagt, dass wir unfehlbar sind. Oder allmächtig. Die Gier zum Beispiel ist eine Kraft, die stärker ist als wir. Wir können sie nicht aus der Welt schaffen. Immerhin haben wir versucht, sie zu instrumentalisieren. Das ist zum Teil schief gelaufen. Aber wir geben nicht auf.</p>
<p class="bodytext">OT: Wenn Sie an Ihrem Schreibtisch sitzen und jeden Tag Milliarden von Euros über den Globus schieben, denken Sie dabei auch manchmal daran, wie sich das auf die Menschen auswirkt? Den Opel-Arbeiter, den Taxifahrer, den Kellner, die allein erziehende Mutter?</p>
<p class="bodytext">A (lacht): Ach du Schreck! Die Menschen? Um die kümmern sich die Pfarrer. </p>
<p class="bodytext">OT: Warum lachen Sie eigentlich dauernd?</p>
<p class="bodytext">A (lacht): Stört Sie das?</p>
<p class="bodytext">OT: Offen gestanden: Ja!</p>
<p class="bodytext">A (lacht): Dann sollten Sie vielleicht Banker werden. Da haben Sie viel zu lachen!</p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 04 Jun 2010 08:53:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Hier und Jetzt am Kap der Guten Hoffnung</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/hier-und-jetzt-am-kap-der-guten-hoffnung.html</link>
			<description>Eindrücke von einem Familienbesuch in Südafrika</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Fünfzehn Stunden Flug mit Zwischenlandung in Dubai. Dann bin ich auf der südlichen Hälfte des Globus. Tochter Bettina holt mich vom Flughafen Kapstadt/Südafrika ab. Hier will ich Fußball spielen mit meinem 9-jährigen Enkel Livio. Aus der Menge der Wartenden löst sich ein kleiner Kugelblitz in roten Hosen und buntem T-Shirt und springt mit einem Riesensatz in meine Arme. Enkelin Gita, drei Jahre alt, ziemlich dunkle Hautfarbe, große, wache Augen – ein Energiephänomen wie ein Taifun. Bettina hat dieses afrikanische Kind indischer Abstammung vor drei Jahren adoptiert und sagt, das sei die beste Entscheidung ihres Lebens gewesen.</p>
<p class="bodytext">Anderthalb Stunden später sind wir in einem Villenviertel unterhalb des Tafelberges – Wahrzeichen der Stadt und beliebtes Ausflugsziel. Aus einer üppig blühenden Gartenpracht ragen Eisenzäune mit spitzen Kronen hervor und Stacheldrahtrollen auf hohen Mauern. Neben jedem Eingangstor ist ein Schild mit der Aufschrift befestigt: „Dieses Anwesen wird von bewaffneten Sicherheitskräften geschützt“. „Wir hatten schon dreimal Einbrecher im Haus“, sagt Bettina. „Jetzt haben wir alle Fenster vergittert.“ </p>
<p class="bodytext">Enkel Livio, der die Deutsche Schule in Kapstadt besucht – spielt Fußball gegen eine andere Schule. Das muss ich natürlich sehen. Auf der makellos gepflegten Rasenfläche eines privaten Clubs direkt am Meer rackern sich die Kleinen ab, ballern drauflos, schreien und fallen sich um den Hals, wenn ein Tor fällt. Alles genauso wie beim Profi-Fußball. &nbsp;Die Fan-Gemeinde besteht aus jungen, ehrgeizigen Müttern. Sie sitzen auf dem Rasen, fuchteln mit den Armen und schlagen entsetzt die Hände vors Gesicht, wenn ein Schuss daneben geht. </p>
<p class="bodytext">Auf dem Spielfeld gibt es weniger Schwarze, als in der Bundesliga. „Hier spielen Schüler von weißen Privatschulen“, sagt Bettina. „Die schwarzen Kinder spielen Fußball in den Townships, wo es keine weißen Kinder gibt. Manchmal fährt Livios Team mit dem Schulbus in die Townships und spielt dort gegen schwarze Mannschaften.“ </p>
<p class="bodytext">Die schwarzen Kinder, die ich hier auf dem Rasen sehe, sind fast alle Adoptivkinder von weißen Eltern. Auch Paul ist dabei, Livios bester Freund. „Mit dem kann ich am besten lachen“, erzählt mir Livio später. </p>
<p class="bodytext">Vom Spielfeld her kommt der Jubelschrei „Tooor!“. 4:0 für die Deutsche Schule. Livio ist begeistert. Die Spieler steigen zu ihren Müttern in die Autos. Mir fällt auf, wie viele Mütter hochachsige Luxus-Geländewagen fahren, so als wären sie ständig auf Großwildjagd unterwegs.&nbsp; „Statussymbol“, sagt Bettina. „Es gibt hier sogar Tankstellen, wo du deinen Geländewagen dreckig machen lassen kannst, damit es so aussieht, als kämst du gerade von einer Safari.“ </p>
<p class="bodytext">Beim Abendessen sagt Bettina: „Es ist schon ein bisschen unheimlich, in einem Land zu leben, in dem mindestens fünfzig Prozent der Bevölkerung dich nicht mögen - einfach deshalb, weil Du eine weiße Hautfarbe hast. Die Folgen der Apartheid sind noch längst nicht überwunden“. </p>
<p class="bodytext">Wir essen relativ spät, denn Bettinas Mann, Schwiegersohn Marco, kommt fast nie vor 20:00 Uhr nachhause. Er ist Betriebsleiter einer italienischen Werft, die Segelrennyachten für sportliche Multimillionäre baut. Ein Boot ist gerade fertig geworden – ein traumhaft schönes Wunderwerk, in dem Hightech und Kunst miteinander verschmelzen. Es kostet 11 Millionen Euro. </p>
<p class="bodytext">„Manchmal“, sagt Marco, „frage ich mich natürlich, ob es sinnvoll ist, für die Superreichen teure Spielzeuge zu bauen. Der Sinn liegt eher darin, dass ich damit 350 Arbeitsplätze in Südafrika schaffe. Das Gesetz schreibt vor, wie viel Prozent der Belegschaft Schwarze sein müssen. Sie kommen ohne jede Ausbildung und ich versuche, ihren Ehrgeiz zu wecken, damit sie sich auf Schulungen einlassen und für Führungsaufgaben auf der mittleren Ebene qualifizieren. Aber das Problem ist, dass sie sich nichts zutrauen und keine Verantwortung übernehmen wollen. Ich bin enttäuscht, aber ich gebe nicht auf.“</p>
<p class="bodytext">Ein paar Tage später besuchen wir eine Ausstellung im aufwändig renovierten Museum für Moderne Kunst. Die Kern-Aussage der Ausstellung ist erschreckend eindeutig: sie zeigt, dass die Weißen den Schwarzen die Seele geraubt haben. Wer die Ausstellung gesehen hat, der ahnt, dass die Apartheid nicht nur die Exekution einer brutalen Rassentrennung war. Sie war ein psychologischer Massenmord. Sie hat das Selbstbewusstsein von Millionen von schwarzen Menschen systematisch zerstört. </p>
<p class="bodytext">Über viele Generationen hinweg haben die Weißen den Schwarzen eingebläut, dass sie dumm und minderwertig sind und nur für primitivste Arbeiten taugen. Die Apartheid war darauf angelegt, die schwarzen Südafrikaner auf das Niveau von Nutztieren herunterzudrücken. Die Wirkung dieser Gehirnwäsche verblasst offenbar nur langsam, und sie erklärt vielleicht, warum die Bewohner der Townships noch nicht über die Villenviertel der Weißen hergefallen sind. </p>
<p class="bodytext">Mit elementarer Wucht entladen die Künstler ihren Schmerz, ihre Trauer, ihr Leid. Das beherrschende Thema ist Gewalt. Liebe kommt nur in einem einzigen Bild vor, das zwei nackte Menschen in zärtlicher Umarmung zeigt - ein schwarzer Mann und eine weiße Frau. Ein anderes Bild steht im Kontrast dazu: eine weiße Frau wird von einer Gruppe von schwarzen Männern vergewaltigt. Schönheit und Harmonie kommen in dieser Ausstellung nicht vor.</p>
<p class="bodytext">An Tumeika ist die Gehirnwäsche der Apartheid offenbar spurlos vorübergegangen. Sie sorgt für Ordnung in Bettinas Haushalt. „Sie ist meine Rettung“, sagt Bettina und Tumeika, eine schwarze Frohnatur mit einer unglaublichen physischen Präsenz, stemmt die Fäuste in die Hüften und lacht, dass die Fensterscheiben klirren. Punkt halb neun taucht sie morgens auf, stellt das Radio an (Bettina: „Ohne Radio geht bei ihr nichts“) und macht sich an die Arbeit. Am liebsten würde ich sie in meinen Seminaren als die Königin der Entschleunigung vorstellen. Niemand beherrscht die Kunst der Langsamkeit so meditativ und effizient wie sie. Keine hastige Bewegung. Kein Stress. Die Kinder lieben sie. </p>
<p class="bodytext">Ich möchte wissen, wie Tumeika lebt, und sie ist einverstanden, dass wir sie nach Hause bringen. Nach einer Stunde Fahrt biegen wir von der Asphaltstraße ab.&nbsp; Plötzlich ist das Kapstadt der Weißen und der Touristen, das Kapstadt der exklusiven Villenviertel, der 5 Sterne Hotels, der luxuriösen Einkaufszentren und prächtigen Strandpromenaden so weit weg, als läge es auf einem anderen Planeten. </p>
<p class="bodytext">Wir tauchen ein in eine Hölle aus fensterlosen Wellblechverschlägen und Bretterbuden, ein Inferno aus stinkenden Abflussgräben, Müll, Autowracks, leeren Flaschen und dreckigen Plastikfetzen. Überall Kinder, viele Kinder. Sie spielen Fußball mit leeren Coca Cola-Dosen, einige flitzen auf rostigen Fahrrädern durch Schlammpfützen. Junge Männer lungern herum und mustern uns mit einer Mischung aus Misstrauen und Gleichgültigkeit. Sie haben keine Arbeit und keine Zukunft, und ich ertappe mich bei dem Gedanken, dass ich wahrscheinlich auch auf Raubzüge durch die schicken Villen-Viertel von Kapstadt gehen würde, wenn ich hier leben müsste.</p>
<p class="bodytext">Tumeika öffnet die Tür zu ihrem Verschlag. Als sich unsere Augen an das schwache Licht gewöhnt haben, sehen wir einen penibel aufgeräumten Raum mit Lehmfußboden. Ein Plastikeimer in der Mitte fängt Wasser auf, das durchs Dach kommt. Plötzlich knipst Tumeika Licht an. Elektrischer Strom! Wer hätte das gedacht! Und dann sehen wir den Kühlschrank , die Kaffeemaschine und sogar einen Mikrowellenofen. Tumeika hat hart dafür gearbeitet. Und sie ist stolz darauf, dass ihre zwei Söhne – 18 und acht Jahre alt – zur Schule gehen. Ihr Mann treibt sich irgendwo mit anderen Frauen herum. Manchmal taucht er stockbesoffen auf, schlägt um sich, klaut, was nicht niet- und nagelfest ist und verschwindet wieder. „So sind die Männer eben“, sagt Tumeika.</p>
<p class="bodytext">Wir bleiben nicht lange. Ich komme mir wie ein Voyeur vor, habe hier nichts zu suchen, fühle mich hilflos. Ich habe schon viele Slums auf der Welt gesehen, aber nirgendwo erschien mir die abgrundtiefe Kluft zwischen den Besitzenden und den Habenichtsen so bedrohlich wie hier in Kapstadt.</p>
<p class="bodytext">Auf der Rückfahrt stelle ich Bettina die nahe liegende Frage: „Was machst du, wenn das Pulverfass explodiert? Wie kommst du hier weg, mit Marco und den Kindern, wenn in den Townships die Revolution ausbricht?“</p>
<p class="bodytext">„Die Frage höre ich seit Jahren immer wieder“, sagt Bettina. „Auf dem Vulkan gibt es nur ein Leben im Hier und Jetzt. Du darfst dich nicht verrückt machen lassen. Natürlich denken wir immer wieder mal daran, hier weg zu gehen. Aber im Augenblick ist es o.k. Für die Kinder ist es sogar wunderbar. Sie leben in einem spannenden Umfeld, sprechen mehrere Sprachen, haben schwarze Freunde, gutes Wetter, viel Sport, gute Luft. Marco fühlt sich verantwortlich für die Leute, die mit ihm in der Werft arbeiten. Wenn er hinschmeißt und geht, kracht der Laden zusammen und sie verlieren ihre Arbeit. Das macht ihm zu schaffen. Das Italien des Silvio Berlusconi lockt uns nicht und in Deutschland würden wir wahrscheinlich einschlafen.“</p>
<p class="bodytext">Im Hier und Jetzt läuft die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Was danach kommt… Ach, wer weiß das schon?</p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 09:39:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title> Ein Geburtstagsspaziergang</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/ein-geburtstagsspaziergang.html</link>
			<description>Gedanken über das Altwerden und die Endlichkeit</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">An meinem Geburtstag beschließe ich, abzutauchen, bevor die Gratulanten auf der Matte stehen. Ich stehe im Morgengrauen auf und stelle das Telefon auf Anrufbeantworter. Noch vor 8:00 Uhr will ich aus dem Haus verschwinden.</p>
<p class="bodytext">83 Jahre liegen hinter mir. Gar nicht so schlecht, wenn ich bedenke, dass es in meinem Leben viele Momente gab, in denen es so aussah, als sollte ich keine Sekunde länger am Leben bleiben. Im Zweiten Weltkrieg zum Beispiel und später als ich als Reporter in Kriegseinsätzen unterwegs war.</p>
<p class="bodytext">Der Geburtstag beginnt wie jeder andereTag: Katzen füttern, Espresso trinken, 20 Minuten Yogastretching, zehn Minuten in die Pedale des Ergometers treten - bei 100 Watt Belastung. Viel mehr ist nicht mehr drin. Vor drei Jahren habe ich noch mühelos 150 Watt getreten. Aber Dietmar, mein Kardiologe behauptet: „Trotz deiner Herzrhythmusstörung bist du erstaunlich fit“.</p>
<p class="bodytext">Während die Leistungsfähigkeit nachlässt, wird die Beziehung zum Körper intensiver. Manchmal, wenn er eine Betriebsstörung signalisiert, bitte ich ihn: „Hallo, mein Lieber, kannst du die Schmerzen vielleicht ein bisschen herunterfahren?“. Und dann antwortet er: „He, stell dich doch nicht so an!“ Wir kommen gut miteinander aus, aber manchmal schmerzt es mich, dass ich körperlich nicht mehr so fit drauf bin wie früher.</p>
<p class="bodytext">Zum Beispiel, wenn ich es Gitama überlassen muss, einen schweren Koffer ins Auto zu wuchten. Oder wenn ich beim Fußballspielen mit meinem neunjährigen Enkel Livio nach fünf Minuten um Auswechslung bitten muss.</p>
<p class="bodytext">Vor allem brauche ich Geduld. Geduld im Umgang mit meinem Körper und Geduld mit den Menschen, die mir gut gemeinte Ratschläge geben. Oft beginnen sie mit dem Satz: „Kapier doch endlich mal, dass du nicht mehr dreißig bist…“ Als wenn ich das nicht wüsste! Neulich ist es mir passiert, dass ein junges Mädchen in der U-Bahn aufstand, um mir seinen Platz anzubieten.</p>
<p class="bodytext">Kurz vor acht verlasse ich das Haus. Fünfzehn Minuten dauert die Fahrt zu meinem Lieblingsstrand. Die Sonne steht noch schräg am wolkenlosen Himmel. Die Steilküste wirft lange Schatten über das Wasser. Windstille. Das Meer ist ganz ruhig. Vorsichtig taste ich mich über einen schlüpfrigen Pfad nach unten. Zur Linken rauscht ein kräftiger Bach und bricht sich auf dem Weg in die Tiefe an mächtig aufgetürmten Steinquadern. Die Tropfen blitzen im Morgenlicht, wie die Funken einer Wunderkerze. Und da ist das hypnotisierende Rauschen des schnell fließenden Wassers. „Es ist wie die Zeit“, denke ich. „Sie fließt und fließt und keiner kann sie aufhalten…“ </p>
<p class="bodytext">Ich schließe die Augen und atme tief durch. Plötzlich das Gefühl einer grenzenlosen, hellen, befreienden Leichtigkeit. Sieht der Tod so aus? Ja, so wird es sein, wenn die Reise zum anderen Ufer beginnt! </p>
<p class="bodytext">Auf dem Spaziergang am Strand ist mir der Tod ein freundlicher Begleiter. Wie lange wird es wohI noch dauern, bis ich in seine Arme sinke? Und wie wird das Ende aussehen? Als ich daran denke, kommt mir eine E-Mail von Sophie in den Sinn, einer Freundin aus Düsseldorf. Sie erzählt, was sie erlebt hat, als sie ihren an Alzheimer erkrankten 85-jährigen Vater in der gerontopsychiatrischen Abteilung einer angesehenen Klinik besuchte. </p>
<p class="bodytext">„Er ist so verkrampft“, schreibt Sonja, „dass er in der Sitzposition bleibt, auch wenn das Bett zur Liege umgeklappt wird. Dann drücken ihn die Schwestern und Pfleger mit ihrem ganzen Körpergewicht nach hinten. Er schreit aus vollem Hals, aber sie lassen nicht locker, bis auch sein Kopf auf dem Kissen ist. Dann wird er ans Bett gefesselt. In Rückenlage. Aber seit ewigen Zeiten ist er daran gewöhnt, in Seitenlage zu schlafen. Also schläft er nicht“.</p>
<p class="bodytext">Der alte Herr wird gefesselt, seitdem er eines Nachts aufgestanden ist und nicht nur in sein eigenes Bett gepinkelt hat, sondern auch in das seines Nachbarn. „Auf jede ruppige Berührung reagiert er empfindlich“, schreibt Sonja. „Wenn sie ihn rasieren, schreit er, aber sie halten ihn fest und rasieren weiter, bis sie fertig sind - und lachen, als sie mir davon erzählen“.</p>
<p class="bodytext">Sonja macht dem Personal keine Vorwürfe: „Die Schwestern und die Pfleger sind auch nur Menschen, und sie tun, was sie können. Stundenlang sitzen sie vor dem PC, füllen Formulare aus und schreiben Berichte für die Krankenversicherungen. Die Patienten haben sie derweil auf dem Flur abgestellt - in gesicherten Rollstühlen, aus denen sie nicht entrinnen können. Dort sitzen sie und starren stumm vor sich hin.“</p>
<p class="bodytext">Ich möchte nicht erleben, was Sonjas Vater widerfährt, der nur zwei Jahre älter ist als ich. Oder dass es mir so ergeht, wie meinem Freund Jan, der mit Tatü-tata und Blaulicht und hundert Sachen in die Notaufnahme gebracht wurde. Schlaganfall. Aber natürlich haben sie ihn durchgebracht. Jetzt kann er kaum noch sprechen und krallt sich an einem dreirädrigen Lauf-Gestell fest, damit er sich nicht die Knochen bricht, wenn er in seinem Haus unterwegs ist. Dabei ist er im Kopf völlig klar. </p>
<p class="bodytext">Es ist nicht der Tod, den wir fürchten müssen. Es sind die Auswüchse eines hochmodernen medizinischen Versorgungssystems. Die Hightechmedizin hilft vielen Menschen und verlängert das Leben, aber sie produziert dabei auch Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen, von greisen Pflegepatienten, die halbtot und schlecht versorgt in Heimen dahindämmern. Das reißt natürlich riesige Löcher in die Budgets der Kassen.</p>
<p class="bodytext">Jeder, der sich unvoreingenommen mit unserem Gesundheitssystem beschäftigt, kommt unweigerlich zu der Erkenntnis, dass es eher früher als später zusammenkrachen wird, weil es in seiner jetzigen Form einfach nicht bezahlbar ist. Der Fortschritt der Hightechmedizin geht weiter und damit auch ihre Nebenwirkungen. Also muss bei den Patienten gespart werden, die sich daran gewöhnt haben, die Verantwortung für ihre Gesundheit auf die Krankenkassen abzuschieben. Millionen von Menschen trinken zu viel, rauchen zu viel, bewegen sich nicht genug, ernähren sich falsch, werfen Drogen ein und verlassen sich darauf, dass die Kasse die Reparaturkosten für ihre geschundenen Körper übernimmt. </p>
<p class="bodytext">In einer Zeit, in der sich alle Sicherheiten auflösen, stellen sich immer mehr Menschen darauf ein, dass sie bereit sein müssen, jederzeit den Beruf und ihren Wohnort zu wechseln, ihre Altersversorgung zu planen und so weiter und so fort. Ich halte das für eine positive Entwicklung und bin deswegen auch dafür, dass wir nicht ständig mit kleinen Wehwechen zum Arzt rennen.</p>
<p class="bodytext">Nur wenn sich Millionen von Menschen bewusst werden, dass ihr Anspruch auf eine medizinische Versorgung nur dann gerechtfertigt ist, wenn sie selber die Energie und Disziplin für eine gesunde Lebensführung aufbringen, kann ein modernes Gesundheitswesen auf hohem Niveau funktionieren.</p>
<p class="bodytext">A propos Eigenverantwortung: ich unterstütze die Ärztin Petra De Jong, die Direktorin der <i>Niederländischen Vereinigung für ein freiwilliges Lebensende</i>. Sie kämpft dafür, dass alle Menschen über 70 das Recht erhalten, mithilfe der „Sterbepille“ freiwillig aus dem Leben zu scheiden - egal, ob sie krank sind oder nicht. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, hat ihre Organisation inzwischen mehr als 110.000 Mitglieder. In einer Umfrage haben 70 % der Niederländer die Letzte-Wille-Pille für Menschen im Alter von über 70 Jahren befürwortet. Daraufhin hat Frau Dr. De Jong eine Unterschriftenaktion für ein Volksbegehren gestartet und bisher das Dreifache an Unterschriften eingesammelt, die notwendig sind, damit das niederländische Parlament das Thema auf die Tagesordnung setzt.</p>
<p class="bodytext">Die Kirchen und alle, die mit der Gesundheitsindustrie viel Geld verdienen, sind natürlich gegen die Sterbepille. Aber ich sehe nicht ein, warum der eigenverantwortliche mündige Bürger nicht das Recht haben sollte, sich ein unwürdiges Ende in einem Pflegeheim zu ersparen und sein Leben so zu beenden, wie er es für richtig hält. </p>
<p class="bodytext">Irgendwann wird die Sterbepille legalisiert und zwar aus wirtschaftlichen Gründen. Darauf möchte ich nicht warten. Während ich am Ostseestrand sitze und auf das Licht sprühende Meer schaue, wünsche ich mir für meinen 84. Geburtstag die Sterbepille als Geburtstagsgeschenk. Irgendwie wird sie zu mir kommen, und ich werde sie in einer hübschen Silberdose im Regal aufbewahren - just in case… Wenn ich sie brauchen sollte, wird die Existenz mir das Signal geben, meine Inkarnation im Kreise lieber Freunde fröhlich zu beenden. </p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 06 Apr 2010 20:46:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Baracks Rücktrittsrede</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/baracks-ruecktrittsrede.html</link>
			<description>Ein Entwurf von Jörg Andrees Elten / Satyananda</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext"> Liebe Mitbürger!</p>
<p class="bodytext"> Ich bin vor zwei Jahren im Wahlkampf um die Präsidentschaft mit der Parole angetreten „Yes, we can!“. </p>
<p class="bodytext"> Ich habe die Hoffnung geweckt, dass wir in Amerika Gerechtigkeit schaffen können, dass wir zusammen stehen können - schwarze und weiße Amerikaner, Demokraten und Republikaner, Reiche und Arme. Alle vereint in der Vision, Amerika wieder zu dem zu machen, was es einmal war - ein Land der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Brüderlichkeit. Ein Land, das in der ganzen Welt als eine friedliche Ordnungsmacht geschätzt und respektiert wird. Ein Land, das wegen seiner innovativen Wirtschaftskraft, seiner dynamischen Produktivität und seiner kulturellen Kreativität bewundert wird.</p>
<p class="bodytext"> Nach einem Jahr als euer Präsident habe ich beschlossen, mein Amt niederzulegen. Ich trete nicht aus persönlichen Gründen ab, sondern weil ich fest davon überzeugt bin, dass mein Rücktritt notwendig ist. Er soll euch aufwecken und mit der Tatsache konfrontieren, dass unser wunderbares Land in dieser aufregenden Zeit fundamentaler Krisen und Umbrüche praktisch unregierbar geworden sind. </p>
<p class="bodytext"> Als ich vor 15 Jahren mit großen Ambitionen in die Politik ging, war Michelle entschieden dagegen. Sie fürchtete, dass die Politik mich verschlingen und in einen opportunistischen Pragmatiker verwandeln würde.</p>
<p class="bodytext"> „Warum willst Du dich kaputt machen?“, fragte sie mich, und ich antwortete: „Wenn ich es schaffen sollte, werden Millionen von jungen Menschen, die in Armut und Hoffnungslosigkeit leben, aufwachen und sagen: 'Mann, wenn Barack das geschafft hat, dann gibt es vielleicht auch für mich eine Chance im Leben!'“</p>
<p class="bodytext"> Ihr habt euch von mir begeistern lassen und im Wahlkampf eine Dynamik erzeugt, für die euch die ganze Welt bewundert hat. Ich habe viele von euch davon überzeugt, dass sie die Verantwortung für sich selbst übernehmen und die Welt zum Besseren verändern können. Als ich zum Präsidenten gewählt wurde, haben Millionen von Menschen in einer geradezu mystischen emotionalen Aufwallung Tränen vergossen. Tränen der Freude, der Sehnsucht, der Hoffnung. Das hat mich erschreckt und demütig gemacht. </p>
<p class="bodytext"> Ich habe euch versprochen, mit den perversen Ritualen der Washingtoner Lobbykratie aufzuräumen - mit einer politischen Kultur, die von den Lobbyisten der machtvollen Interessengruppen geprägt wird. Ich habe euch versprochen, aufzuräumen mit einer Kultur des Gemauschels hinter verschlossenen Türen, der Geldgeschenke für Politiker, die ihre Stimme an diejenigen verkaufen, die am meisten dafür bezahlen. Aufzuräumen mit den politischen Hass- und Lügenkampagnen, die sich immer wieder aus den Kanälen der Medien wie übelriechende Lavaströme ergießen. </p>
<p class="bodytext"> Ich habe euch eine neue Politik versprochen. Eine Politik des fairen Ausgleichs. Eine Politik der Transparenz politischer Entscheidungsprozesse. Eine Politik des Respekts vor der Meinung des politischen Gegners. Eine Politik, die sich nicht an den Interessen der Konzerne, sondern am Gemeinwohl der Menschen orientiert. </p>
<p class="bodytext"> Ich habe die Führung dieses Landes übernommen, als die globale Finanzindustrie zusammenzubrechen drohte und die amerikanische Wirtschaft in eine katastrophale Rezession abglitt. In dieser Situation habe ich getan, was getan werden musste: ich habe mit gigantischem finanziellen Aufwand die Finanzindustrie vor dem Zusammenbruch und General Motors vor der Pleite bewahrt. </p>
<p class="bodytext"> Alle meine Bemühungen, die Krise als nationale Herausforderung gemeinsam mit der Opposition zu meistern, sind gescheitert. Ich habe meine Hand ausgestreckt und dafür einen Schlag ins Gesicht bekommen. Die Republikanische Partei, eine Partei mit großer Tradition und großen historischen Verdiensten, ist zu einer Partei kleiner Geister verkommen, in der radikalkonservative Fundamentalisten ohne Programm und Vision das Sagen haben. Ihr einziges Konzept ist totale politische Sabotage.</p>
<p class="bodytext"> So haben die Republikaner geschlossen und von Anfang an versucht, die Arbeit an einem Gesetzentwurf zur Reform des Gesundheitswesens zu sabotieren. Dieses Projekt, das mir besonders am Herzen liegt, hat eine politische Schlammschlacht ausgelöst, die ein Jahr lang an meinen Kräften zehrte und meine gesamte Regierungsarbeit überschattete. Die Republikaner machten sich zu Vasallen der Pharma -und Versicherungskonzerne und starteten mit ihnen eine Desinformations- und Hasskampagne, die mit ihrer Wucht und Verlogenheit meine schlimmsten Befürchtungen übertroffen hat. </p>
<p class="bodytext"> Mir ging es vor allem darum, 45 Millionen nicht-versicherten Amerikanern mit geringem Einkommen, eine umfassende und bezahlbare Krankenversicherung zu ermöglichen. Was in allen modernen Industrieländern eine Selbstverständlichkeit ist, scheiterte bei uns bisher am Widerstand der Konzerne. Sie wollten um keinen Preis zulassen, dass es zur Gründung von gesetzlichen Krankenkassen kommt, die mit ihnen konkurrieren und womöglich ihre Gewinne schmälern. </p>
<p class="bodytext"> Mehr als 350 Millionen Dollar - manche Schätzungen belaufen sich sogar auf fast 500 Millionen – haben die Lobbyisten ausgegeben, um das Reformwerk zu Fall zu bringen. Mit dem Geld wurden Hetzkampagnen im Fernsehen bezahlt, Protestdemonstrationen finanziert und Abgeordnete bestochen – auch Abgeordnete meiner Partei. </p>
<p class="bodytext"> Die Schlammschlacht erreichte ihren Höhepunkt, als Sarah Palin, die Lichtgestalt radikalkonservativer Republikaner, mit der Parole „They want to pull the plug on Granny“ in den Krieg zog und behauptete, ich wolle „Todesgremien“ schaffen, die alte und kranke Menschen aus Kostengründen in den Tod schicken würden. </p>
<p class="bodytext"> Ich habe mein Amt als Präsident nicht als politischer Naivling angetreten. Aber ich muss gestehen, dass ich erschüttert war über das Ausmaß der politischen Korruption, das sich im Kampf um die Reform des Gesundheitswesens offenbarte. Um wenigstens für eine weitgehend entkernte Version eine Mehrheit im Senat zusammenzubringen, musste ich genau zu den Methoden und Tricks greifen, die ich als hässliche Symptome eines kranken politischen Systems verabscheue: ich musste hinter verschlossenen Türen um die Stimmen von Senatoren feilschen, musste sie mit Versprechungen ködern, und wenn es nicht anders ging, musste ich sie mit massiven Drohungen einschüchtern. Es hat nichts gebracht – wir haben trotzdem keine Mehrheit im Senat erreicht. Die Gesundheitsreform steht vor dem Aus. </p>
<p class="bodytext"> Liebe Mitbürger! Ich bin mir bewusst, dass ich viele Millionen von euch enttäuscht habe - besonders jüngere Menschen, die sich für mich im Wahlkampf eingesetzt haben. Viele haben daran geglaubt, ich könnte als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika unser politisches System umkrempeln, die Macht der Konzerne brechen und eine Politik machen, die allein dem Volk verpflichtet ist. </p>
<p class="bodytext"> Ich bekenne, dass ich gescheitert bin. Die Verfassung räumt dem Präsidenten nur eine begrenzte Machtbefugnis ein. Er kann letztlich nur so gut sein, wie die Angeordneten im Kongress und die Senatoren im Senat. </p>
<p class="bodytext"> Im Jahr 2010 stehen die Vereinigten Staaten von Amerika vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte. Wir brauchen scharfe Gesetze zum Schutz der Umwelt, Gesetze, die unsere Lebensweise nachhaltig verändern. Um uns vor zukünftigen Finanzcrashs zu schützen, müssen wir die Finanzindustrie grundlegend reformieren und scharfen Kontrollen unterwerfen. Unsere Wirtschaft muss wieder dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Und schließlich müssen wir Schluss machen mit dem Krieg in Afghanistan und unsere gigantischen Militärausgaben drastisch senken. </p>
<p class="bodytext"> Alle jetzt dringend notwendigen Gesetze werden jedoch am Widerstand der großen Koalition von Geld und Politik scheitern. </p>
<p class="bodytext"> Die Zeit für politischen Pragmatismus ist vorbei. Wir brauchen keine faulen Kompromisse - wir brauchen eine umfassende Erneuerung. Dabei geht es nicht nur um unser politisches System. Es geht darum, dass wir alle, jedes einzelne Individuum, sich als Bewohner dieses wunderbaren Planeten Erde neu definiert. Wir sind nicht auf der Welt, um den Planeten auszubeuten. Wir sind auf der Welt, um ihn zu pflegen und im Einklang mit allen anderen Menschen und mit der Natur zu leben.</p>
<p class="bodytext"> Mein Wahlkampf hat gezeigt, dass Millionen von Menschen bereit sind für eine Politik, die ihre Impulse aus der Spiritualität empfängt. Diese Impulse müssen wir wach halten. Nur wenn wir uns darum bemühen, kreativer, lebendiger, uneigennütziger und achtsamer zu sein, können wir die Energie aufbringen, die notwendig ist, um Menschen in politische Ämter zu bringen, die dem Interesse des Volkes verpflichtet sind - nicht ihrem Eigennutz. </p>
<p class="bodytext"> Yes, we can! Die Parole gilt. Ich fühle mich ihr nach wie vor verpflichtet. Deshalb kehre ich aus dem Amt des Präsidenten zu euch zurück. </p>
<p class="bodytext"> Mit euch habe ich die Wahl gewonnen. Ihr habt mit „Organizing for America“ eine Organisation geschaffen, die 13 Millionen Amerikaner über das Internet miteinander vernetzt. Jetzt möchte ich mit euch die Dynamik dieser Organisation in eine Bewegung umsetzen, die Amerika aufweckt und in altem Glanz neu auferstehen lässt.</p>
<p class="bodytext"> Gott segne euch und die Vereinigten Staaten von Amerika!</p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Sat, 23 Jan 2010 10:34:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Raus aus der Komfortzone</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/raus-aus-der-komfortzone.html</link>
			<description>Der Neue Mensch wird unter Schmerzen geboren</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Neulich hatten wir ein Schweigeretreat in einem einsamen Haus an der Ostseeküste. Eine bunt gemischte Gruppe versammelte sich - Menschen aus den alten und aus den neuen Bundesländern, junge und nicht mehr ganz so junge, Karrierefrauen, gestresste Geschäftsleute, aber auch solche, die im Begriff waren, aus dem Rattenrennen auszusteigen oder die es bereits hinter sich hatten. Sie alle einte das Bedürfnis, an einem stillen Ort zu sich selbst zu kommen und sich zu entschleunigen.</p>
<p class="bodytext">Nicht&nbsp; alle waren geübte Meditierer/innen. „Ich nehme immer wieder mal einen&nbsp; Anlauf“, sagte Harald, ein junger Rechtsanwalt aus Thüringen, „aber meistens bin ich abends fix und fertig, wenn ich nach 12 Stunden Hektik in der Kanzlei nachhause komme“. So wie ihm ging es auch anderen in der Gruppe. „Wer regelmäßig meditieren will“, schlug ich vor, &quot;sollte das morgens tun - gleich nach dem Aufwachen. Dazu gehört ein bisschen Disziplin. Aber die erste halbe Stunde des Tages gehört euch allein - dann kommen die Verpflichtungen, das Unvorhergesehene, der Stress, die Hektik und am Abend ist man so platt, dass man nicht mehr meditieren kann“. &nbsp;</p>
<p class="bodytext">Als wir verkündeten, dass die Tage mit Oshos Dynamischer Meditation beginnen würden, reagierten manche mit banger Neugierde. Dynamische Meditation? Chaotisches Atmen, Toben, Schreien, Weinen, Lachen, Hüpfen…“ </p>
<p class="bodytext">„Die Dynamische Meditation Ist das größte Geschenk, das Osho den gestressten Zivilisationsmenschen des 21. Jahrhunderts hinterlassen hat“, sagte ich.&nbsp; </p>
<p class="bodytext">„Ehrlich gesagt“, murrte Ulrike aus Lübeck, „habe ich ein bisschen Schiss davor“. Verständnisvolles Gelächter. Es war jetzt klar, dass das Schweigeretreat kein idyllischer Wellness-Event sein würde. Wir mussten erst mal aus der Komfortzone austreten, um dann&nbsp; mit uns selbst zu experimentieren. Wer schweigt, wird unweigerlich auf sich zurückgeworfen. In der Stille begegnen wir unseren Ängsten, unseren Schwächen, unseren Illusionen. Dazu gehört Mut. </p>
<p class="bodytext">Aber schon am ersten Tag erlebten die Teilnehmer, was für ein ungeheures Potenzial im Schweigen steckt. Wenn es keine verbale Kommunikation gibt, verlagert sich der Austausch ganz von selbst auf die energetische Ebene. Ein kurzer Blick, eine kleine Geste, die Aura, die Ausstrahlung sind wichtiger als tausend Worte. </p>
<p class="bodytext">Alle hatten schon bald das Gefühl, dass sie sich auf dieser Ebene viel unmittelbarer und intensiver kennen lernten und näher kamen, als mit Worten. Nicht reden heißt auch Kraft sparen. Die Kraft baut sich während des Retreats auf. Sie wird jeden Tag stärker. Man kann sie geradezu mit Händen greifen. Sie macht wach und lebendig, und schon bald mündet sie in ein überwältigendes Glücksgefühl.</p>
<p class="bodytext">Leider ging das alles an Hubert völlig vorbei. Ausgerechnet an Hubert, dem Jüngsten unter uns, Jurastudent aus Heidelberg. Gleich am Anfang hatte er in der Vorstellungsrunde gesagt, dass er ein Osho Lover sei und schon viele seiner Bücher gelesen habe. Trotzdem hatte er keinen leichten Start in der Gruppe. </p>
<p class="bodytext">Er fiel auf, weil er immer wieder versuchte, andere Teilnehmer in Gespräche zu verwickeln. Die wollten sich aber lieber an die Spielregeln halten und ließen ihn abblitzen. Schließlich versuchte er in der Küche ein Gespräch mit der Köchin in Gang zu bringen. Aber auch die zeigte sich nicht gesprächig. Zur Dynamischen Meditation kam er zu spät.</p>
<p class="bodytext">Am zweiten Tag war dann Schluss. Eine Teilnehmerin kam zu mir und flüsterte aufgeregt: „Hubert reist ab!“ </p>
<p class="bodytext">Ich machte mich auf die Suche nach Hubert und fand ihn vor der Tür des Hauses im Mantel und mit gepacktem Koffer - abreisebereit. </p>
<p class="bodytext">„Du willst abreisen?“, fragte ich und spürte, dass er furchtbar aufgeregt war.</p>
<p class="bodytext">„Ich halte das nicht länger aus! Ich kann nicht mehr“.</p>
<p class="bodytext">„Was hältst Du nicht aus?“</p>
<p class="bodytext">„Das Schweigen, Mann! Das ist einfach zu viel für mich. Ich bin hierhergekommen, weil ich meditieren wollte. Auf Schweigen habe ich keinen Bock. Ich will mich austauschen mit anderen Menschen, die auch meditieren…“</p>
<p class="bodytext">„Aber du wusstest doch, dass das ein Schweigeretreat ist, oder?“</p>
<p class="bodytext">„Nee, das ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Vielleicht habe es auch verdrängt. Jedenfalls habe ich mir das Retreat anders vorgestellt“.</p>
<p class="bodytext">„Wie denn?“</p>
<p class="bodytext">„Na, jedenfalls nicht so, dass man sich gegenseitig anschweigt. Besonders bei den Mahlzeiten… diese bedrückende Stille. Es kommt mir so vor, als wenn meine Eltern nicht mehr mit mir reden.“ </p>
<p class="bodytext">Aha dachte ich, jetzt wird es spannend. </p>
<p class="bodytext">„Soll ich dir mal eine Erfahrung aus meinem eigenen Leben erzählen?“ fragte ich Hubert.</p>
<p class="bodytext">„Was denn?“ fragte er etwas irritiert zurück.</p>
<p class="bodytext">„Ich habe immer nur in schwierigen Situationen etwas dazugelernt. Wenn es mir gut ging, wenn ich auf der Erfolgswelle surfte, hatte ich keine Lust, etwas in meinem Leben zu verändern. Ich war schon 50, als ich endlich begriff, dass ich mich aus der Komfortzone heraus bewegen muss, wenn ich mich innerlich entwickeln will.“</p>
<p class="bodytext">Hubert winkte ab: „Da bin ich schon drüber raus. Und weißt du was? Ich bin der Neue Mensch! Ich meditiere wie Buddha und genieße wie Zorba. Ich mache grundsätzlich nur noch das, was mir Spaß macht!“</p>
<p class="bodytext">Ich nahm Hubert in den Arm und sagte: „Okay, Junge, dann wünsche ich dir viel Glück und eine gute Heimreise. Schade dass du gehst. Komm wieder…!“</p>]]></content:encoded>
			<category>… zu spirituellen Themen</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 09:49:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Der ungeliebte Kraftakt</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/der-ungeliebte-kraftakt.html</link>
			<description>Zwanzig Jahre nach der Wende gibt es für uns guten Grund zum Eigenlob</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Ein Dorf in Mecklenburg: 150 Einwohner. Kleine Reihenhäuser ducken 	            sich an eine staubige Dorfstraße. Zur Linken taucht die Ruine einer 	            riesigen Scheune auf. Das Dach ist zum Teil eingefallen. Holzsparren 	            ragen nackt in den Himmel. Keine Kirche, kein Marktplatz, keine 	            Kneipe. Eine junge Frau schiebt einen Kinderwagen vor sich her. 	            „Hier ist das Ende der Welt“, dachte ich. Das war vor sechzehn Jahren. <br /> 	            Eines Tages hatte uns unsere Freundin Marianne angerufen: „Habt 	            ihr Lust mitzukommen? Nach Meckpomm, Ossi-Land. Da kommt meine Mutter 	            her. Ihr Elternhaus steht zum Verkauf und sie möchte es zurückhaben.               Wir wollen mal gucken, wie es da jetzt aussieht.“</p>
<h3>Das „Schloss“&nbsp;</h3>
<p class="bodytext">Also fuhren wir los – Marianne mit ihrer Mutter Berta, Gitama 		          und ich. Hinter Lübeck hörte die Autobahn auf. Dann schlichen wir 		          auf der B 105 weiter und erreichten schließlich über holprige Kopfsteinpflasterwege 		          unser Ziel. Als wir an der verfallenen Scheune ankamen, rief Berta 		          aufgeregt: „Jetzt halbrechts in die Lindenallee!“ Dann tauchte 		          das Gutshaus vor uns auf. Ein stolzer zweistöckiger Ziegelbau mit 		          Freitreppe und reich verziertem Sandsteinportal. Von den Fensterrahmen 		          war die Farbe abgebröckelt. Wir parkten auf einem trostlosen Betonplatz 		          hinter dem Haus. „Früher gab es hier Blumenbeete. Wir hatten herrliche 		          Rosen!“, sagte Berta. Sie zeigte auf den Kücheneingang und ich sah, 		          dass sie Tränen in den Augen hatte. „Durch diese Tür habe ich 1945 		          mein Elternhaus verlassen“, sagte sie, „mit Boris auf dem Arm. Der 		          ist jetzt 52 und war noch nie hier.“<br /> 		        Der weitläufige Garten rund ums „Schloss“, wie die Einheimischen 		        das Gutshaus nannten, war verwahrlost. Unkraut auf den Wegen, überwucherte 		        Beete. Ein paar windschiefe Schuppen. Weit und breit kein Mensch. Über 		        dem halb zugewachsenen Schlossteich wölbten sich die imposanten Kronen 		        mächtiger Trauerweiden.<br /> 		        Ein junger Angestellter vom Bezirksamt kam auf dem Fahrrad an 		        und brachte Schlüssel mit. Im Haus sah es besser aus, als wir erwartet 		        hatten. Der Stuck war noch an der Decke des Festsaales und auch das 		        Eichenparkett und die holzgetäfelten Wände sahen noch ganz ordentlich 		        aus. Aber die Kronleuchter waren natürlich weg. <br /> 		        Wir erfuhren, dass das Gutshaus in der DDR-Zeit als Internatsschule 		        genutzt worden war. Drei Jahre nach der Wende fehlte das Geld für die 		        dringend notwendige Renovierung. So wurde das Schloss zur Versteigerung 		        ausgeschrieben. Als Berta zögernd, aber mit leuchtenden Augen ihr Kinderzimmer 		        betrat, wusste ich, dass die alte Dame ihr Elternhaus zurückkaufen 	        würde, koste es, was es wolle.&nbsp;</p>
<h3>Ein Kraftplatz für Entfaltung</h3>
<p class="bodytext">„Habt Ihr vielleicht Lust, hier einzuziehen?“, fragte Marianne. 		          „Ihr könntet doch das Haus hüten, bis es hier richtig losgeht. Sie 		          wusste, dass unser Mietvertrag in Hamburg gerade ablief und Gitama 		          und ich auf der Suche waren. Der Mann vom Bezirksamt schlug die Hausmeisterwohnung 		          im Obergeschoss vor. „Drei Zimmer mit Bad und schönem Ausblick“, 		          schwärmte er. Als wir dort oben ankamen, stellten wir fest, dass 		          uns Vandalen zuvorgekommen waren. Im Bad lag das Waschbecken zertrümmert 		          auf dem Boden und im Klobecken lag eine eindrucksvolle Fäkalie. Außerdem 		          waren überall die Schalter und Steckdosen aus den Wänden gerissen. 		          Kurzum: Wir waren in der Realität angekommen. Dass die Dorfbewohner 		          uns mit offenen Armen herzlich willkommen heißen würden, erschien 		          uns jetzt eher unwahrscheinlich.<br /> 		        Bevor wir zurückfuhren, machten wir noch einen Spaziergang. Ich 		        kann es heute noch nicht erklären, warum auf diesem Spaziergang plötzlich 		        klar wurde, dass wir hier leben wollten. War es die Weite? War es der 		        große Himmel? War es die Einsamkeit? War es die zenmäßige Klarheit 		        und Harmonie der Landschaft? Die großartige Ereignislosigkeit? Wahrscheinlich 		        war es all das zusammen genommen – und die Ahnung, dass wir hier, am 		        Ende der Welt, einen Kraftplatz mit unbeschränkten Entfaltungsmöglichkeiten 	        entdeckt hatten. Nichts würde uns hier vom Wesentlichen abhalten.</p>
<h3>Am Ende der Welt</h3>
<p class="bodytext">Ein Jahr später feierten wir Richtfest. Die Nachbarn kamen und 		          feierten mit uns. Nur Arnold, unser Nachbar von gegenüber, kam nicht. 		          Er hatte unser Grundstück früher als Pferdeweide genutzt. Für ihn 		          waren wir typische „Wessis“, Leute, die mit gefüllten Taschen von 		          „drüben“ kamen und sich breit machten. Aber Arnold blieb der Einzige 		          im Dorf, der mit uns nichts zu tun haben wollte. Heinz, der alte 		          Dorfschmied, wurde mein bester Freund. Ich besuchte ihn oft und hörte 		          ihm stundenlang zu, wenn er, der Beinamputierte, im Rollstuhl saß 		          und mir von seinen Abenteuern als Fallschirmjäger im Zweiten Weltkrieg 		          erzählte. Er machte keinen Unterschied zwischen Ossis und Wessis. 		          „Wir sind doch alle nur Stimmvieh für die da oben“, meinte er sachlich. 		          Und als ich ihn fragte, wie es denn im Dorf während der DDR-Zeit 		          gewesen sei, sagte er: „Die haben uns in Ruhe gelassen und wir sie 		          auch.“ Mit „die“ meinte er die Funktionäre der SED. Leider ist Heinz 		          vor zwei Jahren gestorben. <br /> 		        Das Gefühl, am Ende der Welt zu leben, hat uns noch ein paar 		        Jahre begleitet. Wenn wir nach Schwerin, Wismar oder Rostock fuhren, 		        um etwas einzukaufen, ins Kino zu gehen oder im Restaurant zu essen, 		        beschlichen uns manchmal leise Zweifel: rissige Häuserfassaden, geschmacklose 		        Auslagen, muffige Verkäuferinnen und Kellner, öde Speisekarten und 		        Kinoprogramme drückten auf die Stimmung. War es vielleicht eine blöde 		        Idee gewesen, uns im ehemaligen Arbeiter- und Bauernparadies anzusiedeln?<br /> 		        Die Begeisterung über die Wiedervereinigung war schnell verflogen 		        – auch bei uns im Dorf. Wenn ich hier die Nachbarn mit einem freundlichen 		        „Nun, wie geht´s denn?“ begrüßte, kam unweigerlich die muffige Antwort: 		        „Muss ja …“ Mein Nachbar Jens setzte noch einen drauf und sagte: „Beschissen 		        wäre geprahlt!“ Um seinen Sohn Harald, einen gutaussehenden, aber missmutig 		        verschlossenen Teenager, haben wir uns Sorgen gemacht. Die Polizei 		        ermittelte gegen ihn wegen Vandalismus, und wir wären nicht überrascht 		        gewesen, wenn er eines Tages mit einer Jagdflinte um sich geballert 	        hätte.</p>
<h3>Ein belebender Frühlingssturm</h3>
<p class="bodytext">Aber jetzt, zwanzig Jahre nach der Wende, ist alles ganz anders. 		          Marianne ist über das Dorf gekommen wie ein belebender Frühlingssturm. 		          Innerhalb von wenigen Jahren hat sie das heruntergekommene Schloss 		          in ein schickes 100-Betten-Wellnesshotel mit eigener Biolandwirtschaft 		          verwandelt. Ein Seminarhaus ist dazugekommen und ein Gesundheitszentrum, 		          in dem mehr als zwanzig Therapeuten arbeiten. Im Mai wurde die „Saunalandschaft“ 		          eröffnet, mit Naturteich und einem grandiosen Panoramablick in die 		          mecklenburgische Weite. Überall dampft die Energie auf hohem Niveau 		          und Harald kurvt glücklich mit seinem Bagger durch die Gegend. Fast 		          ein Jahr lang hat er seinen Feierabend damit verbracht, einen abgewrackten 		          Golf mit Schraubenschlüssel und Schweißbrenner in einen 250 PS-Flitzer 		          mit Rennreifen und Spoiler zu verwandeln. Er ist einer von fast hundert 		          Leuten aus dem Dorf und seiner Umgebung, die für Marianne arbeiten.<br /> 		        Die Hotelgäste kommen aus allen Teilen Deutschlands und nicht 		        wenige sogar aus dem Ausland. Junge Frauen aus dem Dorf sitzen an Computern, 		        schreiben Emails, erledigen Zimmerreservierungen und sind in der Rezeption 		        des neuen Gesundheitszentrums beschäftigt. Die Dorfstraße ist voriges 		        Jahr gepflastert worden und es gibt eine neue Straßenbeleuchtung mit 		        Sparbirnen. Einige Dorfbewohner haben eine Genossenschaft gegründet, 		        die ein umweltfreundliches Holzschnitzel-Fernheizkraftwerk betreiben 	        wird, sobald die zugesagten Fördermittel fließen.&nbsp;</p>
<h3>Eine echte Aufbauleistung</h3>
<p class="bodytext">Aber auch in der Umgebung weht ein frischer Wind. Nachdem der 		          Nach-Wiedervereinigungs-Schock abgeklungen war, haben viele Ossis 		          den Sprung in die kalte kapitalistische Wettbewerbsgesellschaft 		          gewagt und ihre Chance wahrgenommen. Dabei mussten sie auf die Herausforderungen 		          ihrer Zeit sehr viel lebhafter reagieren als die satten Wessis. Schwerin, 		          Rostock und Wismar erstrahlen nach aufwendiger Sanierung in neuem 		          Glanz. Das Ostseebad Boltenhagen – vor zwanzig Jahren noch ein 		          verlorenes Kaff – war nach der Wende ein paar Jahre lang der Ort 		          in Deutschland mit der höchsten Investitionsrate pro Kopf der Bevölkerung. 		          Jetzt gibt es dort außer neuen Hotels und Ferienhäusern einen hochmodernen 		          Jachthafen und Boltenhagen schickt sich an, dem Schickimicki-Rivalen 		          Timmendorfer Strand auf der anderen Seite der Lübecker Bucht Konkurrenz 		          zu machen.<br /> 		        Warum ich das alles schreibe? Weil ich meine, dass es an der 		        Zeit ist, uns auch mal selber auf die Schulter zu klopfen: Zwanzig 		        Jahre nach dem Fall der Mauer können die Deutschen stolz auf eine Aufbauleistung 		        sein, die in unserem Land wenig, aber in der Welt umso mehr bewundert 		        wird. Der Kraftakt war nicht gerade populär, aber ich kenne zum Beispiel 		        viele Amerikaner, die uns darum beneiden. Der alte Kohl hat recht behalten: 		        Die total abgewirtschaftete ehemalige DDR hat sich in eine „blühende 		        Landschaft“ verwandelt. Es war wahnsinnig teuer und manches ist auch 		        schiefgegangen. Aber warum sollte es nicht möglich sein, die Dynamik 		        dieses ungeheuren Kraftakts in die nächste, noch größere Herausforderung 		        einzubringen: den Sprung in ein neues Zeitalter kreativer Bewusstheit, 		        umweltfreundlicher Lebensführung und globaler Solidarität.&nbsp; </p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Sat, 05 Dec 2009 21:05:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Ganz entspannt im Hier und Jetzt feiert 30. Geburtstag</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/ganz-entspannt-im-hier-und-jetzt-feiert-30-geburtstag.html</link>
			<description>Interview mit dem Autor Jörg Andrees Elten/ Satyananda</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext"><b>Avinasho: Andrees, dein Buch &quot;Ganz entspannt im Hier und Jetzt&quot; wird 30 Jahre alt. Grund zum Feiern?</b></p>
<p class="bodytext"><b>Andrees/ Satyananda:</b> Aber klar! Dieses Buch war ja vom ersten Augenblick an ein Wunderkind. Kaum hatte es seinen ersten Schrei ausgestoßen, erregte es überall Aufsehen und Unruhe. Rudolf Augstein, der Herausgeber des &quot;Spiegel&quot;, rief persönlich bei Ledig-Rowohlt an und besorgte sich das Abdrucksrecht für das Kapitel, in dem es um die minutiöse Schilderung der Encounter Gruppe geht. Das fand er total faszinierend, denn hier entluden junge Menschen die aufgestaute Wahnsinnsenergie einer kaputten Welt - hemmungslos, furchtlos und geradezu unheimlich Und obendrein waren sie auch noch nackt. Ein gefundenes Fressen für die Medien.</p>
<p class="bodytext"><b>Das Buch war also ein Skandal?</b></p>
<p class="bodytext">So ist es! Der Rowohlt-Verlag witterte einen potenziellen Bestseller und blies mächtig ins Werbehorn. Es gab Talkshows im Fernsehen, öffentliche Lesungen und jede Menge Interviews.</p>
<p class="bodytext"><b>So werden Bestseller gemacht. Aber nicht alle Bestseller bringen Tausende von jungen Leuten dazu, ihren Rucksack zu packen und nach Indien zu reisen. Wie erklärst du dir das?</b></p>
<p class="bodytext">Die Wirkung des Buches hat mich selber überrascht. Bisher hatte ich ja im wesentlichen Reportagen für die Süddeutsche Zeitung und den Stern geschrieben. Das hat Spaß gemacht. Ich bin in der Welt herumgekommen, hatte Erfolg, wurde gut bezahlt. Aber als mein 50ster Geburtstag näher rückte, wurde mir bewusst, dass meine Reportagen letztlich nicht viel bewegten, so gerne sie auch gelesen wurden. Ich informierte meine Leser intelligent und unterhaltsam. Aber ich wusste schon vor meiner Begegnung mit Osho, der sich damals Bhagwan nannte, dass ich bei mir selber anfangen musste, wenn ich die Welt ein bisschen positiv verändern wollte. Und auch das war klar: Veränderung kommt nicht durch intellektuelle Anstrengung zustande. &quot;Ganz entspannt im Hier und Jetzt&quot; entstand aus der Intelligenz des Herzens. </p>
<p class="bodytext"><b>Was bedeutete das konkret?</b></p>
<p class="bodytext">Ich habe das&nbsp; Buch mit Blut, Schweiß und Tränen geschrieben. Das hat die Leser im Herzen getroffen und sie emotional bewegt. Tausende machten sich auf den Weg, um Osho zu begegnen. Viele haben ihr Leben verändert.</p>
<p class="bodytext"><b>Erklärt das auch, dass „Ganz entspannt im Hier und Jetzt“ zum zeitlosen Kultbuch wurde? </b></p>
<p class="bodytext">Ja, das ist der eine Grund. Der andere ist natürlich Osho. Ich präsentierte der Öffentlichkeit einen spirituellen Meister, der im Bewusstsein der Menschen einschlug wie eine Bombe. In meinem Buch wird Osho ausführlich zitiert. Diese Zitate sind der wichtigste Teil des Buches. Und je mehr Zeit verrinnt, desto stärker wird ihre Wirkung. Das erklärt auch, warum Ganz entspannt im Hier und Jetzt auch noch nach 30 Jahren immer neue Leser findet. Fast jede Woche bekomme ich E-Mails von Menschen, die mir erzählen, wie&nbsp; Ganz entspannt im Hier und Jetzt ihnen geholfen hat, ihr Leben anders zu leben – weniger Ehrgeiz mehr Freude, weniger Angst mehr Vertrauen und so weiter und so fort. Viele fragen mich, welche Osho-Bücher ich empfehlen kann. Viele wollen wissen, ob es sich nach Osho‘s Tod noch lohnt, nach Pune zu reisen.</p>
<p class="bodytext"><b>Was rätst du ihnen?</b></p>
<p class="bodytext">Ich sage ihnen, dass ich bei meinem letzten Besuch im Resort das Gefühl hatte, Osho säße immer noch in seinem Zimmer und amüsiere sich über unsere kleinen Ego-Nummern. Es spielt ja auch wirklich keine Rolle, ob Osho in seinem Körper ist oder nicht. Ein Meister bleibt auch nach seinem Tod präsent. Er ist immer auf Sendung. Wenn man sich mit ihm verbinden will, braucht man nur auf seine Wellenlänge zu gehen und auf Empfang zu schalten. Ganz wie in alten Zeiten ist der Aschram auch heute noch sein Buddhafeld. </p>
<p class="bodytext"><b>Und welches Osho-Buch empfiehlst du?</b></p>
<p class="bodytext">Kein bestimmtes. Ich sage: „Geh in den Buchladen und greife zum ersten Osho-Buch, das dir unter die Finger kommt. Es wird das richtige für dich sein.“ Bei mir war das&nbsp; übrigens „Tantra – The Supreme Understanding“.&nbsp; Mein erster Augenöffner.</p>
<p class="bodytext"><b>Du bist ja 1977 erst mal als Reporter in den Aschram gekommen. Reporter sind Menschen, die schon am Anfang ihrer Karriere lernen, dass sie nicht mitmachen, sondern beobachten sollen. Sie sollen den kritischen Abstand wahren, damit sie objektiv berichten können. </b></p>
<p class="bodytext">Ja, so bin ich auch immer an meine Storys herangegangen. Ich war der perfekte distanzierte Beobachter. Nur keine Gefühle zulassen oder gar zeigen. So habe ich es leider auch in meinem Privatleben gehalten – sehr zum Entsetzen mancher wunderbarer Frauen. Heute vermute ich, dass ich Journalist geworden bin, weil ich mich nicht einlassen wollte oder konnte. </p>
<p class="bodytext"><b>Aber in Poona hat das offenbar nicht geklappt. Wie bist du denn damit zurecht gekommen?</b></p>
<p class="bodytext">Es war ein Hammer. Als ich zum ersten Mal in den Aschram kam, wurde ich von einer Flutwelle von Gefühlen überschwemmt. Ich war verzaubert und erschreckt zugleich. Die vielen schönen und offenen Menschen, die tropische Farbenpracht der Aschram-Gärten, das schrille Gezwitscher bunter fremdartiger Vögel, die Affenherde, die über das Wellblechdach der Meditationshalle tobte, die Musik der Meditationen und die Stille, die in das Getöse einer dynamischen indischen Großstadt eingebettet war! All das berührte mich merkwürdig intensiv, so als ob meine Sinne in der Aschram-Atmosphäre schärfer reagierten. Und dann die Begegnung mit Osho, als er lautlos wie ein fallendes Blatt in einem frisch gebügelten weißen Nylonkleid&nbsp; das Auditorium betrat, um seinen morgendlichen Vortrag zu halten! Am Tag vorher hatten mir seine Leute schon viel von ihm erzählt – auch manches, was mich eher kritisch auf ihn eingestimmt hatte. Aber als er jetzt mit aneinander gelegten Händen vor mir stand und freundlich lächelte, empfand ich eine Vertrautheit mit ihm, die meinen Verstand geradezu schockierte. Instinktiv ging ich auf Abstand. Für einen Augenblick hatte ich die Fassung verloren, aber dann meldete sich der „objektive“ Reporter zum Dienst und nahm den Guru kühl unter die Lupe. Seinen Vortrag fand ich brilliant. Das wurde mir auch von meinem Verstand bestätigt. Aber ich wurde den Verdacht nicht los, dass der Mann sich über die ganze Welt, speziell aber über mich, lustig machte.</p>
<p class="bodytext"><b>Wie kam das denn?</b></p>
<p class="bodytext">Nun ja, zum Beispiel hatte mir Laxmi, seine Sekretärin, gesagt, dass es den Meister eigentlich gar nicht gäbe. Wörtlich hörte sich das so an: „Bhagwan does not exist.“&nbsp; Andererseits hatte sie mir erzählt, dass Osho den ganzen Tag in seinem Zimmer säße – bei einer für tropische Verhältnisse arktischen Raumtemperatur von 17 Grad Celsius. An die frische Luft ginge er nur zwei Mal im Jahr, wenn er sich im Garten seines Hauses den Fotografen zu Foto-Terminen zu stellt. Für den Stern-Fotografen Jay Ullal würde er jedenfalls keine Ausnahme machen. Der nächste Foto-Termin sei in drei Monaten. Und auch ein Exklusiv-Interview mit mir käme nicht infrage. An sowas war ich&nbsp; nicht gewöhnt. Wenn ich als Stern-Reporter irgendwo auftauchte, öffneten sich gewöhnlich die Türen und alle waren scharf darauf, von mir interviewt zu werden. Nur Osho nicht. Wieso eigentlich? Wollte er sich interessant machen? Ich war sauer. Plötzlich erschien mir die überschwängliche Verehrung, die er sich von seinen Jüngern gefallen ließ, als abstoßende „Anhimmelungskultur“. Wieso ging sie ihm nicht auf die Nerven? War er ein Scharlatan? Ein Größenwahnsinniger? Ein genialer Verrückter? Oder einfach ein Eulenspiegel, der uns alle zum Narren hält? Mein Mind arbeitete auf Hochtouren. In mein Tagebuch trug ich damals den denkwürdigen Satz ein: “Hier geht es nicht nur um eine Reportage. Hier geht es um Leben und Tod!“</p>
<p class="bodytext"><b>Deine Kollegen haben später gesagt, du seist auf Osho hereingefallen. </b></p>
<p class="bodytext">Na klar. Was sollen sie denn sonst sagen? </p>
<p class="bodytext"><b>Aber du hast doch Osho auch kritisch unter die Lupe genommen. </b></p>
<p class="bodytext"><b>Andrees (lacht):</b> Ja, aber mit dem Ergebnis, dass ich nach 14 Tagen Sannyas genommen habe! Das hat meine Kollegen stark verunsichert. Um keinen Preis wollten sie meinem Beispiel folgen. Also mussten sie mich praktisch für verrückt erklären. Ich nehme es ihnen nicht übel.</p>
<p class="bodytext"><b>Konntest du denn als Sanyassin überhaupt noch journalistisch funktionieren?</b></p>
<p class="bodytext">Nun ja, immerhin habe ich 1977 eine Reportage für den Stern über Osho und den Ashram von Poona zu Stande gebracht. Es war der erste und auch der letzte positive Artikel, der im Stern über Osho erschienen ist. Als ich Osho begegnete, sprang mein Unterbewusstsein auf ihn an. Der spirituelle Sucher in mir hatte seinen Meister gefunden. Bewusst habe ich das zunächst gar nicht wahrgenommen. </p>
<p class="bodytext"><b>Dein Unterbewusstsein hat schneller reagiert als der Verstand?</b></p>
<p class="bodytext">Ja, schneller und realistischer. Während ich im Aschram herum recherchierte, lief in meinem Unterbewusstsein ein ganz anderer Film. Dort passierte das, worum es eigentlich ging:&nbsp; die Fortsetzung einer uralten Meister-Schüler Beziehung. Als ich mit Osho zum ersten Mal sprach, empfing er mich mit den Worten: &quot;Hier bist du ja endlich. Ich habe gewartet und gewartet. Ich erkenne meine Leute, wenn sie zu mir kommen.&quot; Wie bitte? Ich hatte keine Ahnung, was er meinte. Während ich mir den Kopf darüber zerbrach, wie ich die Osho-Story für den Stern in den Griff bekommen konnte, waren die Würfel längst gefallen: Mein Leben als Journalist war beendet. Mein Leben als Meditierer hatte begonnen. Ein Jahr später hängte ich meine Karriere an den Nagel, gab meinen Dienstwagen in der Stern-Garage ab und kehrte nach Poona zurück – für immer. So glaubte ich damals jedenfalls. </p>
<p class="bodytext"><b>Kamst du mit dem Vorsatz nach Poona, ein Buch über Osho und seinen Ashram zu schreiben? </b></p>
<p class="bodytext">Ja, das dachte ich jedenfalls. Osho hatte mich eingeladen und ich fand, dass es höchste Zeit war, über diesen unglaublich interessanten Mann und sein Kommune-Experiment ein Buch zu schreiben. Osho war einverstanden. Also zog ich in den Ashram ein und notierte jeden Tag meine Eindrücke und Gedanken in mein Tagebuch. Aber auch hier spielten sich die Dinge wieder auf zwei Ebenen ab. Auf der bewussten Ebene saß Swami Satyananda und bildete sich ein, dass er an einem sehr wichtigen Buch arbeitete. Im Unterbewusstsein lief der andere Film: der Ex-Reporter Satyananda brauchte die Arbeit an dem Buch, um sein Verhältnis zu Osho zu klären. Er musste offenbar noch vielfältige Zweifel abarbeiten, bevor er sich Osho ohne Wenn und Aber anvertrauen konnte. Außerdem fühlte sich der Ex-Reporter gar nicht wohl als Mitglied einer kleinen, missverstandenen Minderheit. Er träumte davon, Hunderttausende von Lesern für Osho zu begeistern. Er wollte nicht Außenseiter sein, sondern Vorreiter einer dynamischen spirituellen Bewegung.&nbsp; </p>
<p class="bodytext"><b>Welche Zweifel haben dich vor allem geplagt?</b></p>
<p class="bodytext">Ich erschrak manchmal darüber, was ich getan hatte. War es vernünftig gewesen, alle Brücken hinter mir abzubrechen? Was sollte nun bloß aus mir werden? Und was, wenn sich plötzlich doch herausstellen sollte, dass Osho …. Aber den Gedanken wollte ich gar nicht zu Ende denken. Es war klar, dass ich mich in einem spirituellen Durchlauferhitzer befand und die Kontrolle verloren hatte. Das machte mir Angst. Und ich fand auch die Einsicht erschreckend, dass ich mich von meinem Verstand verabschieden musste, um mein Buch über Osho und seinen Aschram zu schreiben. Ich konnte nicht auf dem Zaun sitzen und den Beobachter spielen. Ich musste mich total einbringen. Vor mir tat sich ein Abgrund auf. </p>
<p class="bodytext"><b>Dein psychischer Zustand hat sich ja in deinem Buch sehr deutlich niedergeschlagen.</b></p>
<p class="bodytext">Richtig. Dabei war das eigentlich gar nicht meine Absicht. Ich saß jeden Tag irgendwo im Aschram in einem Korbsessel und schrieb so vor mich hin. Oft kam es mir so vor, als ob mein Kugelschreiber gar nicht von mir bewegt wurde, sondern sich von selber bewegte. Die Worte formten sich nicht in meinem Kopf. Sie regneten sozusagen an meinem Kopf vorbei aufs Papier. Ich schrieb und schrieb und manchmal fragte mich irgendeiner, der mich beim Schreiben beobachtet hatte: „Mann, was schreibst du denn da alles?“ Und ich sagte: „Keine Ahnung!“</p>
<p class="bodytext"><b>Hast du vielleicht gechannelt? </b></p>
<p class="bodytext">Es war eher so, dass ich einfach aufschrieb, was mich bewegte. Dazu musste ich nicht viel überlegen. Das Schreiben war keine Arbeit, sondern eher eine Erleichterung.</p>
<p class="bodytext"><b>Das muss ja ein paradiesischer Zustand gewesen sein!</b></p>
<p class="bodytext">Andrees (lacht): Manchmal ging es auch durch die Hölle. Schließlich befand ich mich ja wie alle anderen Aschram-Bewohner in einer Egozertrümmerungsanlage, die unentwegt in Betrieb war. Als mir mal bei der Reinschrift des Tagebuchs das Schreibmaschinenpapier ausging und ich die Leiterin der Presseabteilung fragte, ob sie mir mit ein paar Blatt aushelfen könnte, sagte sie: „Dein Buch ist dein Ego-Trip, Satyananda. Wenn du Papier brauchst, kannst du in die Stadt fahren und dir welches kaufen!“ So war man sich im Aschram stets gegenseitig behilflich, das Ego abzubauen. Und es dauerte eine Weile, bis ich darüber lachen konnte.</p>
<p class="bodytext"><b>Bist du bei dem Buchprojekt nicht unterstützt worden?</b></p>
<p class="bodytext">Kurz bevor ich mit der Reinschrift des Manuskripts fertig war, kam von Osho die Einladung, auf der Terrasse seines Hauses weiter zu arbeiten. Dort arbeiteten schon ein paar andere Sannyasins in feierlicher Stille. Es gab strenge Verhaltensregeln und es war tierisch heiß. Aber es war der schönste Arbeitsplatz meines Lebens. Eines Tages kam ein deutscher Swami und sagte, er habe von Osho den Auftrag bekommen, das Manuskript zu lesen und Bericht zu erstatten. Osho konnte ja kein deutsch. Ich gab dem Swami die ersten hundert Seiten. Am nächsten Tag kam er wieder und war total begeistert. Ich gab ihm die nächsten hundert Seiten. Er kehrte zurück und war entsetzt. „Das kann man unmöglich veröffentlichen“, stöhnte er.&nbsp; Das sei ein durch und durch negatives Buch, voller Spott und destruktiver Kommentare. „Nun halt mal die Luft an“, schlug ich vor, „und lies das Manuskript zu Ende, bevor du Urteile fällst!“ Er verschwand also mit dem restlichen Drittel des Manuskripts. Zwei Stunden später rief mich Laxmi in ihr Büro und machte ein Gesicht, als sei der Aschram gerade von einem verheerenden Erdbeben erschüttert&nbsp; worden. „Satyananda, ich höre, dass du ein negatives Buch über Bhagwan geschrieben hast“. –„Alles Quatsch!“ rief ich, „der Swami soll doch erst mal fertig lesen!“ Und sie sagte: „Er hat an Bhagwan geschrieben, dass dein Buch unmöglich ist. Wie ist denn der Titel? „Das kosmische Irrenhaus“, sagte ich und hatte das Gefühl, dass sie beinahe in Ohnmacht gefallen wäre. Die folgende Nacht tat ich kein Auge zu. Ich war fest entschlossen, das Buch so zu veröffentlichen, wie ich es geschrieben hatte. Noch nie hatte ich als Autor Zensur akzeptiert. „Wenn die das hier versuchen sollten, werde ich das Manuskript unter den Arm nehmen und mit dem nächsten Flieger nach Deutschland zurückkehren!“ Das war mein fester Entschluss. Meine Beziehung zu Osho stand auf Messers Schneide. Am nächsten Morgen rief mich Laxmi zu sich. Ich setzte mich vor ihren Schreibtisch und atmete tief durch. „Hier ist eine Nachricht von Osho“, sagte sie und las vor: „Negativität ist auch wichtig. Lasst Satyananda in Ruhe. Er weiß was er tut!“&nbsp; Ich spürte, wie Tränen aufstiegen. „Er vertraut mir!“ dachte ich. „Wie wunderbar. Wir vertrauen uns gegenseitig!“ Und dann musste ich plötzlich lachen, als mir der Gedanke kam: “Wie gut, dass es wenigstens zwei intelligente Menschen in diesem Aschram gibt!“</p>
<p class="bodytext">(Das Interview erschien in der „Osho Times“, September 2009. Das Gespräch mit Andrees&nbsp; Elten führte Ma Avinasho)<br /><br />Direktbestellung von “Ganz entspannt im Hier und Jetzt“ (463 Seiten, €20,--) über den Link <a href="/verlag-satyananda.html" class="internal-link" >Bücher und CDs</a> auf dieser Website</p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			<category>… zu spirituellen Themen</category>
			
			
			<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 22:22:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Business as usual – nein danke!</title>
			<link>http://www.hierjetzt.de//nc/zeitschriftenartikel/spitituelle-themen/spirituelles-einzeln/artikel/business-as-usual-nein-danke.html</link>
			<description>Die Finanzkrise hat uns geschockt – aber haben wir etwas daraus gelernt? </description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">Das Gewitter hat sich verzogen. Es gab gewaltigen Donner. In vielen Banken hat der Blitz eingeschlagen, aber der Schaden bleibt unsichtbar. Ist er vielleicht ganz woanders entstanden, als dort, wo es gekracht hat? An den Börsen geht es jedenfalls wieder bergauf. Aber sonst? </p>
<p class="bodytext">Die ganze Finanzkrise hat etwas merkwürdig Undurchschaubares. Wo sind zum Beispiel die Milliarden geblieben, die den Banken plötzlich gefehlt haben? Das Geld hätten gierige Manager verzockt, heißt es. Okay – aber irgendjemand muss es doch eingesackt haben. Oder ist das Geld etwa in einer Müllverbrennungsanlage verheizt worden?&nbsp; </p>
<p class="bodytext">Und wo sind die Milliarden geblieben, die der Steuerzahler für die Rettung der Banken locker gemacht hat?&nbsp; Die sollten doch -&nbsp; damit die Konjunktur wieder auf Touren kommt -&nbsp; in Form von Krediten an die Wirtschaft durchgereicht werden, vor allem an mittelständische Unternehmen. Aber dort ist, wie man im Wirtschaftsteil lesen kann, fast nichts angekommen. </p>
<p class="bodytext">Die Regierung sagt, die Rettung der Banken sei absolut notwendig gewesen, sonst hätten wir alle unsere Spareinlagen verloren. Wenn das keine Erpressung ist! Wir müssen unserer Bank Geld geben, damit das Geld, das wir ihr anvertraut haben, nicht verschwindet und damit die Banker in den Chefetagen ihrer Wolkenkratzer so weiter machen dürfen wie bisher? Ist das nicht total verrückt? </p>
<p class="bodytext">Viele Wirtschaftswissenschaftler, darunter der Nobelpreisträger Paul Krugman, haben eine gerechtere Lösung vorgeschlagen. Wenn der Steuerzahler den Banken Kapital gibt, sollte er auch, wie alle anderen Investoren, Miteigentümer der Bank werden. Mit anderen Worten: Der Staat sollte im Interesse der Steuerzahler die Banken verstaatlichen. Vorübergehend jedenfalls. Sobald die Banken wieder gute Geschäfte machen, können sie dem Steuerzahler sein Geld zurückgeben und auf diese Weise die Verstaatlichung rückgängig machen. </p>
<p class="bodytext">Eine tolle Idee! Aber die Medien haben sie ignoriert. Die Banken-Lobby hat dafür gesorgt, dass die Politiker sie nicht aufgreifen und wir Staatsbürger haben uns nicht stark dafür gemacht. </p>
<p class="bodytext">Die geradezu gespenstische Willfährigkeit der Bürger ist inzwischen zu einem fundamentalen Problem für unsere Demokratie geworden. Der Bürger redet nicht mehr mit. Er hat längst den Durchblick verloren. Die Medien schüren seine Ängste, und wer Angst hat, schreckt vor Veränderungen zurück. </p>
<p class="bodytext">Unbehelligt kann die Regierung das tun, was sie ohnehin am besten kann: Geld ausgeben. Und wenn nicht genug Geld da ist, wird die Notenbankpresse angeschmissen und Geld gedruckt. So ist bei der Bankenrettung ein Berg von Staatsschulden entstanden, den wir zu unseren Lebzeiten gar nicht abbauen können. Einen großen Teil der Schulden bürden wir einfach unseren Kindern und Enkeln auf. </p>
<p class="bodytext">Ein Skandal? Und was für einer! Aber es fällt uns schwer, dem Skandal ein Gesicht zu geben. So können wir uns kaum vorstellen, ein Testament für unsere Kinder aufzusetzen, das mit den Worten beginnt: „Liebe Kinder, es tut mir leid, dass ich euch nur einen Haufen Schulden hinterlassen kann. Ich habe nämlich leider über meine Verhältnisse gelebt. Hoffentlich kommt ihr damit irgendwie zurecht und nehmt es mir nicht übel“. Dieses Testament beschreibt genau das, was wir als Kollektiv den nachfolgenden Generationen antun. Aber wir wollen lieber nicht so genau hinschauen… </p>
<p class="bodytext">Viele finden es toll, dass der Staat ihnen 2500 € geschenkt hat, damit sie ein neues Auto kaufen. Dass es schon in zwei Jahren technisch total veraltet sein wird, verdrängen sie erst mal. Die Abwrackprämie hat auf sie wie eine Ecstasy-Pille gewirkt und ihnen mitten in der Krise ein rauschhaftes Glücksgefühl beschert. Dass viele Menschen derweil ihren Arbeitsplatz verloren haben, berührt uns alle nicht besonders, jedenfalls solange der eigene&nbsp; Arbeitsplatz noch existiert. </p>
<p class="bodytext">Monatelang haben die Medien quotenträchtig Angst geschürt und den „Globalen Zusammenbruch der Finanzmärkte“ mit Horrorgeschichten aufbereitet. Aber der „Zusammenbruch“ hat sich nicht ereignet. Die Gurus der Branche sehen einen Silberstreif am Horizont und verkünden, dass das Schlimmste schon vorbei sei. An der Wallstreet, im Frankfurter Bankenviertel und auf allen anderen Finanzmärkten der Welt läuft alles weiter wie gehabt - Business as usual. </p>
<p class="bodytext">Geht uns das etwas an? Viele Meditierer/innen sind der Meinung, dass sie sich nicht mit Politik befassen sollten – aktiv sowieso nicht, aber auch nicht als kritische Staatsbürger. Sie stehen über den Dingen und sie ziehen Osho-Zitate aus dem Hut, mit denen sie ihre Ansicht untermauern, dass politisches Engagement die Arbeit an sich selbst behindert und der Erleuchtung im Wege steht.&nbsp; </p>
<p class="bodytext">Nun kann man freilich fast jede persönliche Anschauung mit Osho -Zitaten stützen, denn der Meister hat sich ja bekanntlich zu fast jedem Thema gerne widersprüchlich geäußert. Aber Vorsicht: Das Ego schmückt sich gerne mit Zitaten. Wäre es nicht besser, die Verantwortung für das, was wir tun und auch für das, was wir unterlassen, selber zu übernehmen? </p>
<p class="bodytext">Warum lassen wir es einfach zu, dass die Banker&nbsp; schon wieder „Erfolgsprämien“ -&nbsp; die berüchtigten „Boni“ - in Milliardenhöhe in ihre Taschen schieben?&nbsp; Es waren doch die Bonis, die sie dazu verführt haben, kurzfristige Gewinne mit unkalkulierbaren Risiken zu erzielen – bis die ganze Finanzindustrie gegen die Wand krachte.</p>
<p class="bodytext">Umfragen unter den Bankern haben ergeben, dass sie nicht an Schuldgefühlen leiden, sondern vielmehr daran, dass ihr gesellschaftliches Ansehen schwer gelitten hat.&nbsp; Das hat Angela Merkel offenbar leid getan und sie dazu bewogen, Josef Ackermann, die Ikone der deutschen Finanzindustrie, und 60 seiner Freunde zu seinem 60sten Geburtstag ins Bundeskanzleramt einzuladen. Ausgerechnet ihn, der mit seiner Bank an den fragwürdigsten&nbsp; Spekulationsgeschäften rund um den Globus beteiligt war – und damit ein paar Milliarden Euro Verlust eingefahren hat. </p>
<p class="bodytext">Ich finde, dass Angela Merkel einladen darf, wen sie will. Die Einladung an Ackermann war vor allem als eine Geste von ungeheurer Symbolkraft interessant. Sie hat uns gezeigt, wer in der Ehe von Big Business und Politik das Sagen hat. Die Bundesrepublik wird vom Geld regiert.</p>
<p class="bodytext">Der Raubritter-Kapitalismus hat die Krise unbeschadet überlebt. Und nirgendwo gibt es Anzeichen dafür, dass sich in den Chefetagen der Banken und Großkonzerne ein soziales Verantwortungsbewusstsein entwickelt. </p>
<p class="bodytext">Wir können das bedauern, aber ändern können wir es nicht. Haben wir überhaupt eine Möglichkeit, etwas zu verändern? Wenn ich Freunde und Bekannte danach frage, sind die meisten völlig ratlos. „Wie stellst du dir das vor?“ heißt es dann. „Sollen wir etwa in eine Partei eintreten? Auf die Straße gehen und Protestplakate durch die Gegend schleppen?“ </p>
<p class="bodytext">Manche spirituell schon weit fortgeschrittenen Freunde ziehen sich auf eine ganz hohe Warte zurück und weisen darauf hin, dass die Ereignisse kosmischen Gesetzen folgen. Alles werde sich, jenseits unserer Einflussmöglichkeiten, so entwickeln, wie es sich im Sinne einer höheren Ordnung entwickeln muss. Nun ja – so kann man es natürlich auch sehen. Aber es könnte ja auch sein, dass wir, ganz unbewusst, unser Gewissen beruhigen wollen, wenn wir uns auf unsere Ohnmacht berufen. </p>
<p class="bodytext">Wir stehen am Anfang einer globalen Kulturrevolution. Die Kräfte des Wandels fordern die Kräfte der Beharrung heraus. Das Alte versucht, sich mit brutaler Gewalt zu behaupten. Das Neue hält tapfer dagegen. Bei dem Ringen zwischen Beharrung und&nbsp; Wandel geht es tatsächlich um die Frage, ob der Mensch auf diesem Planeten eine Zukunft hat oder nicht. Der Kampf wird auf allen Ebenen ausgetragen. Der Ausgang ist ungewiss. In den USA ist Barack Obama im Kampf gegen das Big Business in die Defensive geraten. Sein politisches Schicksal hängt am seidenen Faden. </p>
<p class="bodytext">Millionen von Menschen engagieren sich weltweit, um die Dynamik des Wandels zu stärken. Wie ein solches&nbsp; Engagement im Zeitalter des Internet aussieht, kann man unter <a href="javascript:linkTo_UnCryptMailto('ocknvq,kphqBdctcemqdcoc0eqo');" >info(at)barackobama.com</a> oder <a href="http://my.barackobama.com/ontheground" target="_blank" >my.barackobama.com/ontheground</a> erfahren.&nbsp; Natürlich bleibt die&nbsp; eigene&nbsp; Veränderung Hauptantriebskraft des Wandels. So können wir die Finanzkrise vor allem als eine ganz persönliche Herausforderung begreifen und etwas Wichtiges in unserem eigenen Leben verändern. Jedenfalls sollten wir in dieser historischen Zeit des Wandels nicht dem Beispiel der Banker folgen. </p>
<p class="bodytext">Business as usual? Nein danke! </p>]]></content:encoded>
			<category>Artikel zum aktuellen Zeitgeschehen</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 21:14:00 +0200</pubDate>
			
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