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Wer im Sumpf lebt, muss laut quaken

Gespräch mit dem Sprecher der Bank für das Gemeinwohl Dr. Dr. hc. Johannes Achterbahn

Osho Times: Herr Dr. Achterbahn, wie sicher ist mein Geld, das ich Ihrer Bank anvertraut habe?

Achterbahn: Keine Ahnung!

OT: Wie bitte?

A: Sie reden von Sicherheit, so als hätte es keine globale Finanzkrise gegeben. Sie hat uns doch die fundamentale Erkenntnis beschert: Sicherheit ist eine Illusion.

OT: Das sagen die Weisen schon seit Jahrtausenden!

A: Genau. Jetzt sagen wir es auch, nachdem es offensichtlich geworden ist.

OT: Sie haben es also schon vorher gewusst?

A (verdreht die Augen Richtung Decke): Natürlich! Aber wer hätte es mir geglaubt, wenn ich es gesagt hätte? Es herrschte doch überall die blinde Gier…

OT: Bei Ihnen etwa nicht?

A : Ich bin stolz darauf, dass unser Haus den Staat nicht um Steuergelder anbetteln musste.

OT: Sie meinen, Sie waren schlauer, als die Herren von der Bayrischen Landesbank, der Hypo Real Estate und so weiter?

A: Ich maße mir kein Urteil über Kollegen an. Ich sage nur so viel: ich war nicht von blinder Gier geschlagen. Ich habe auf der Welle der Gier gesurft und bin im richtigen Augenblick abgesprungen.

OT: Können Sie etwas konkreter werden?

A: Wir haben es verstanden, unseren verbrieften Mortgage Backed Securities AAA – Ratings zu beschaffen. Vor allem europäische Banken, die keinen guten Zugang zu amerikanischen Hypothekenkrediten hatten, waren ganz scharf auf unsere MBS’s. Sie wollten sie in zweiter Stufe als Collaterized Debt Obligations, sogenannten CDO’s , wiederbriefen. Davon erhofften sie sich anständige Provisionen. Außerdem legten sie Programme auf, bei denen die in Zweckgemeinschaften eingebrachten Aktiva mit kürzerer Frist rollierend refinanziert wurden und zwar über die Emission kurzfristiger Asset Backed Commercial Papers, sogenannten ABPC’s. Das hat zusätzlich Investoren angelockt, die ihr Kapital nur kurzfristig zur Verfügung stellen konnten. Verstehen Sie?

OT: Naja…

A (lacht gönnerhaft): Sie brauchen sich nicht zu schämen, wenn Sie nix verstehen. Frau Merkel und ihr Finanzminister verstehen ja auch nichts. Unser Geschäft ist so kompliziert, dass nur ein paar Experten wirklich Durchblick haben.

OT: Sie sind einer von denen?

A (lacht): Immerhin habe ich die MBS’s und auch CDO’s rechtzeitig verkauft – vor allem an die deutschen Landesbanken. Die sind dann auf diesem Giftmüll sitzen geblieben. In den Aufsichtsgremien der Landesbanken gibt es viele Politiker. Die wollten auch mal auf der großen Finanzbühne eine flotte Pirouette drehen. Dabei sind sie gründlich auf den Hintern gefallen.

OT: Wie ist Ihr Verhältnis zur Politik?

A: Ich kann mich nicht beklagen

OT: Stört es Sie denn nicht, wenn Politiker aller Parteien über den Ober-Buhmann Achterbahn herziehen und scharfe Finanzkontrollen fordern?

A (lacht): Nein, überhaupt nicht. Das müssen die doch machen, wenn sie wiedergewählt werden wollen. Wer im Sumpf lebt, muss laut quaken. Dafür habe ich volles Verständnis. Mir ist wichtig, was mir Politiker unter vier Augen sagen.

OT: Und was sagen die Ihnen unter vier Augen?

A: Das werde ich Ihnen nicht verraten! Aber Sie können davon ausgehen, dass Politiker auch nur Menschen sind.

OT: Was wollen Sie damit sagen?

A: Viele haben Ehefrauen mit hohen Betriebskosten. Kinder in teuren Internaten oder Privat-Colleges. Anspruchsvolle Konsumgewohnheiten, heimliche Geliebte, die verwöhnt werden wollen. Und so weiter und so fort. Das Leben ist teuer, wenn man erst mal oben ist. Und der Wähler ist launisch. Wenn er einen im Stich gelassen hat, muss das Leben doch weitergehen, oder?

OT: Denken Sie jetzt an Gerhard Schröder und Joschka Fischer?

A: Nicht speziell. Den beiden hochbegabten Leistungsträgern ist der Übergang von der Politik in die Wirtschaft selbstverständlich leicht gefallen. Die Grenze ist fließend. Viele Politiker gehen in die Wirtschaft. Und viele Lobbyisten gehen in die Politik. Das ist doch durchaus erfreulich.

OT: Sollten Politiker nicht allein dem Volk, ihrem Souverän, dienen?

A (lacht): Das klingt ein bisschen altmodisch, finden Sie nicht?

OT: So steht es jedenfalls im Grundgesetz!

A: Ach, da steht vieles drin. Aber die Zeiten ändern sich. Die Globalisierung zum Beispiel ist eine unglaublich anspruchsvolle Herausforderung. Man kann von einem Opel-Arbeiter nicht erwarten, dass er die komplizierten wirtschaftlichen Mechanismen versteht, die die Sicherheit seines Arbeitsplatzes gefährden. Er hat Null Durchblick. Aber bei der Wahl ist seine Stimme genauso gewichtig, wie Ihre oder meine.

OT: Das nennt man Demokratie.

A (lacht): Da haben Sie recht. Die Demokratie ist unsere Heilige Kuh. Aber sie gibt keine Milch mehr. Die meisten Politiker wollen das natürlich nicht einsehen. Tatsache ist jedoch, dass diejenigen, die die Welt bewegen, sich längst vom Primat der Politik befreit haben.

OT: Sie sprechen jetzt von sich selbst und von Ihren Kollegen, den Bankern?

A (lacht): Der Schweizer Aktivist und Schriftsteller Jean Ziegler nennt uns ‚Die neuen Herrscher der Welt‘. Er kann uns nicht leiden, aber er hat Recht - wir sind es, die die Welt bewegen.

OT: Sie haben die Weltwirtschaft gerade an die Wand gefahren und Millionen von Menschen arbeitslos gemacht...

A: Moment mal! Ich habe nicht gesagt, dass wir unfehlbar sind. Oder allmächtig. Die Gier zum Beispiel ist eine Kraft, die stärker ist als wir. Wir können sie nicht aus der Welt schaffen. Immerhin haben wir versucht, sie zu instrumentalisieren. Das ist zum Teil schief gelaufen. Aber wir geben nicht auf.

OT: Wenn Sie an Ihrem Schreibtisch sitzen und jeden Tag Milliarden von Euros über den Globus schieben, denken Sie dabei auch manchmal daran, wie sich das auf die Menschen auswirkt? Den Opel-Arbeiter, den Taxifahrer, den Kellner, die allein erziehende Mutter?

A (lacht): Ach du Schreck! Die Menschen? Um die kümmern sich die Pfarrer.

OT: Warum lachen Sie eigentlich dauernd?

A (lacht): Stört Sie das?

OT: Offen gestanden: Ja!

A (lacht): Dann sollten Sie vielleicht Banker werden. Da haben Sie viel zu lachen!


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