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Alles wird gut – oder vielleicht doch nicht?

 Wie eine ungewöhnliche Planetenkonstellation für Aufregung sorgt

Vor ein paar Wochen gaben Katrin und Alex eine Vollmond-Party auf der Baustelle ihres neuen Hauses, ein wildes Prachtgrundstück mit weitem Blick in eine unberührte Natur. Es war ein wunderbarer Abend, ein bisschen kühl aber keine Wolke am Himmel. Wir parkten unsere Autos zwischen Brennnesseln, brachten Stühle, Pappteller und Nudelsalat mit. Alle Gäste kamen mit Töpfen und Schalen an und trugen zur kulinarischen Ausstattung der Party bei. Die Gastgeber hatten eine anständige Erdbeerbowle angesetzt und wir sammelten überall Bauholz ein, mit dem wir ein romantisches Feuer in Gang hielten.

Als die Sonne unterging, hielt Ute, eine engagierte Hobby-Astrologin, eine kleine Rede, um uns etwas ganz Besonderes mitzuteilen. Sie sagte, es gäbe eine höchst ungewöhnliche Planetenkonstellation, die sich seit Herbst 2008 abzeichnet und in diesen Tagen in ihre dritte Phase eintritt: Alle Planeten, die für Transformation stehen, ordneten sich gerade so an, dass sie ein Kreuz bilden – Pluto, Uranus, Saturn, Jupiter. Die Power dieser Konstellation sei geradezu einmalig. Schon im Herbst diesen Jahres werde nichts mehr so sein, wie es heute ist. Dies sei die Zeit für Wagnis, für neue Ideen, neue Konzepte, neue Visionen. Auf der gesellschaftlichen Ebene, sagte Ute, käme es zu großen Umwälzungen. So würde zum Beispiel das Dogma von einem unbegrenzten Wachstum verschwinden. Damit wäre der Weg frei für einen nachhaltigen und schonenden Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten. Und natürlich seien wir alle in diesen Transformationsprozess einbezogen und könnten seine Energie für uns nutzen, indem wir ihn als positive Herausforderung annehmen.

Die Vorstellung, dass die Zeit des Aufbruchs und der Wandlung begonnen hatte, passte zur Atmosphäre dieser Vollmond-Party an diesem Ort, wo sich eine heruntergekommene Bauruine in ein paar Monaten in ein modernes Haus verwandelt hatte. Mit Solarzellen auf dem Dach, biologischer Abwasseraufbereitung und Erdwärmeheizung wirkte es wie eine Metapher für den Paradigmenwechsel, den Ute voraussagte und der das neue Zeitalter der Liebe, der Solidarität und des intelligenten und schonenden Umgangs mit der Natur einläuten soll.

Damit Neues geschehen kann, muss Altes verschwinden, und so ließ Ute einen hübsch verzierten Zettelkasten und einen Kugelschreiber herumgehen und bat uns, all das auf einen Zettel zu schreiben, was wir loslassen wollen. Das taten wir gern, und danach warfen wir die Zettel in unser Sonnenwendefeuer.

Am nächsten Tag surfte ich neugierig im Internet und entdeckte, dass es zwei Richtungen in der Astrologie gibt - die pessimistische und die optimistische. Für die positiv gepolten Astrologen ist zum Beispiel die Wahl von Barack Obama - Hoffnungsträger des „Yes we can!“, Lichtgestalt einer jungen Generation, die von einem neuen Zeitalter der Liebe träumt - ein deutliches Indiz für positiven Wandel.

Ganz anders die pessimistischen Astrologen. Für sie ist der Zusammenbruch der globalen Finanzindustrie im Herbst 2008 das wichtige Ereignis, das sie als Indiz dafür heranziehen, dass die Bewegung der Transformationsplaneten keine Reise ins Paradies signalisiert, sondern eher den Beginn einer Höllenfahrt durch Chaos und Blut.

Die Vertreter beider Richtungen in der Astrologie orientieren sich an den gleichen kosmischen Ereignissen, aber sie deuten sie total konträr. Was die einen als drohende Katastrophe sehen, ist für die anderen eine hoffnungsvolle Herausforderung.

Dabei habe ich den Eindruck, dass die pessimistischen Astrologen ein stärkeres Gewicht haben, jedenfalls in der Blogger-Szene des Internets. Sie betrachten den Sternenhimmel sozusagen durch die Brille ihrer Ängste, ihrer Depressionen, ihrer Untergangsfantasien. Und damit erreichen sie wahrscheinlich ein größeres Publikum, als die spirituell orientierten Astrologen, die den Sternenhimmel eher durch die Brille ihrer Hoffnungen anschauen.

Je ängstlicher wir sind, desto lieber ziehen wir uns katastrophale Fantasien rein, die unsere eigenen schlimmen Befürchtungen scheinbar bestätigen. Niemand ist davor gefeit. Das beweist auch die lebhafte globale Diskussion zum Thema „2012“. Viele Spökenkieker im Netz beziehen sich auf die gegenwärtige aufregende Planetenkonstellation und deuten sie als ein untrügliches Vorzeichen des Weltuntergangs. Der soll angeblich am 21. Dezember 2012 stattfinden und zwar genau um 11:11 Uhr. In diesem Augenblick endet nämlich der alte Maya Kalender, der sich über insgesamt 5125 Jahre erstreckt. Und angeblich gibt es uralte Prophezeiungen mit der Aussage, dass am Ende des Maya Zeitzyklus die Welt untergehen werde.

Roland Emmerich, der deutsche Hollywood-Regisseur, sprang auf das Katastrophenkarussell auf und schlug mit seinem Film „2012“ einem Millionenpublikum die Schrecken des Weltuntergangs um die Ohren. Der Film war ein Kassenschlager. Kein Wunder: wir leben in einer kulturellen Spätzeit und man erkennt sie unter anderem daran, dass die Herrschenden – oder heutzutage die Medien – den Masochismus einer demoralisierten Gesellschaft mit sadistischem Entertainment bedienen.

Finstere Prophezeiungen erzeugen jedenfalls einen nahezu unwiderstehlichen, prickelnden Sog. Ich könnte mir denken, dass Osho – vielleicht aus diesem Grund – ein eher distanziertes Verhältnis zur Astrologie hatte. Ich erinnere mich an das schallende Gelächter in der Buddhahalle, als der Meister Ende der Siebzigerjahre eine Episode zum Besten gab, mit der er die Astrologie aufs Korn nahm. Osho erzählte, wie ein indischer Star-Astrologe zu ihm kam und ihm seine Dienste anbot. Er sei der Größte in seiner Branche, behauptete er und zählte die Berühmtheiten auf, die bei ihm schon Rat gesucht hätten. Um den Kerl los zu werden, gab Osho schließlich nach, und der Astrologe machte sich an die Arbeit. Als er fertig war, wollte er Geld sehen. „Wie bitte?“, konterte Osho. „Geld? Du behauptest, du wärst der beste Astrologe in Indien und dann kannst du aus meinem Chart nicht einmal herauslesen, dass du von mir kein Geld zu erwarten hast? Du bist ein Scharlatan. Verschwinde!“

Vor ein paar Tagen schickte mir ein Freund eine PowerPoint Präsentationen, die unglaublich schöne und beeindruckende Fotos des Weltraumteleskops Hubble auf meinen Computermonitor zauberte.

Da ist er, unser blauer Planet – so schön und so zart. Wenn man ihn aus einer Entfernung von 600 km betrachtet, lässt sich der Einfluss der Menschen auf diesen Planeten kaum wahrnehmen. Dass er von Menschen bewohnt wird, die sich nicht als eine Einheit empfinden, sondern Grenzen gezogen haben, die sie voneinander trennen, dass diese Grenzen zum Teil heiß umstritten sind, dass es Gegensätze zwischen Rassen und Völkern gibt, Einflusszonen, Kriege, Kämpfe um Rohstoffquellen – all das erscheint absurd, wenn man die Hubble-Fotos anschaut.

Und noch absurder wirkt es, wenn man auf den Fotos erkennt, wie winzig klein unser Planet ist. Da ist zum Beispiel das Foto von der Milchstraße, ein Gebilde aus vielen Milliarden von Sonnen und Planeten. Wo ist die Erde? Ohne Hilfe findet man sie nicht. Ein roter Pfeil ist auf ein winziges Pünktchen am Rande der Galaxe gerichtet, nicht einmal einen Millimeter groß. Und unwillkürlich kommt mir der Gedanke: wo bin ich hier eigentlich? Im Kontext kosmischer Dimensionen gibt es mich überhaupt nicht.

Das Universum wird von einer unfassbaren Kraft bewegt, die auch uns durchströmt. Aber die Vorstellung, dass ich Einfluss auf unseren Planeten nehmen könnte, erscheint mir bei der Betrachtung dieser Weltraumbilder als völlig abwegig. So drängt sich die Frage auf: gibt es uns überhaupt als Individuen, oder sind wir nur winzige Mikroben, Teile eines Schwarmes, der sich nach kosmischen Gesetzen bewegt, die wir weder durchschauen noch beeinflussen können? Haben wir wirklich die Power, unseren Planeten zu zerstören? Oder ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass die Erde sich von der Menschheit einfach befreien wird, wenn sie ihr wirklich gefährlich werden sollte?

Die Hubble-Fotos machen uns bewusst, wie nichtig unsere Hoffnungen und unsere Wünsche sind, unser Ehrgeiz, unsere kleinlichen Streiteren, unsere Jagd nach Geld und Anerkennung und so weiter und so fort.

Die Frage ist allerdings: was ist unsere Bestimmung und was können wir bewirken? Ich finde, auch im Kontext kosmischer Dimensionen ist die Frage berechtigt. Denn wenn ich auch nur eine Mikrobe im Schwarm bin, so ist doch diese Mikrobe ein Wesen mit Bewusstsein. Unser Bewusstsein befähigt uns, etwas zu bewirken – nicht im großen Stil, das wäre eine Illusion. Unsere Möglichkeit nachhaltig nach außen zu wirken, ist gering.

Aber es gibt natürlich auch den anderen Weg. Im Internet fand ich ein Zitat von Carlos Barrios, einem spirituellen Lehrer, der in der Tradition der Mayas steht:

„Die tiefsten Weisheiten sind auch immer die einfachsten. Sie sind in deiner DNA gespeichert. Alles was du brauchst, findest du in dir selbst. Die Weisen sagen es seit ewigen Zeiten: ‚Finde dein Herz, so findest du deinen Weg‘.“

Wenn du dein Herz findest, dann findest du die Liebe. Und wenn du die Liebe gefunden hast, löst sich dein Ego auf und du existierst nicht mehr als ein vom Ganzen getrenntes Wesen. Du pulsierst mit dem Puls des Universums. Du bist angekommen.


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