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Business as usual – nein danke!

Die Finanzkrise hat uns geschockt – aber haben wir etwas daraus gelernt?

Das Gewitter hat sich verzogen. Es gab gewaltigen Donner. In vielen Banken hat der Blitz eingeschlagen, aber der Schaden bleibt unsichtbar. Ist er vielleicht ganz woanders entstanden, als dort, wo es gekracht hat? An den Börsen geht es jedenfalls wieder bergauf. Aber sonst?

Die ganze Finanzkrise hat etwas merkwürdig Undurchschaubares. Wo sind zum Beispiel die Milliarden geblieben, die den Banken plötzlich gefehlt haben? Das Geld hätten gierige Manager verzockt, heißt es. Okay – aber irgendjemand muss es doch eingesackt haben. Oder ist das Geld etwa in einer Müllverbrennungsanlage verheizt worden? 

Und wo sind die Milliarden geblieben, die der Steuerzahler für die Rettung der Banken locker gemacht hat?  Die sollten doch -  damit die Konjunktur wieder auf Touren kommt -  in Form von Krediten an die Wirtschaft durchgereicht werden, vor allem an mittelständische Unternehmen. Aber dort ist, wie man im Wirtschaftsteil lesen kann, fast nichts angekommen.

Die Regierung sagt, die Rettung der Banken sei absolut notwendig gewesen, sonst hätten wir alle unsere Spareinlagen verloren. Wenn das keine Erpressung ist! Wir müssen unserer Bank Geld geben, damit das Geld, das wir ihr anvertraut haben, nicht verschwindet und damit die Banker in den Chefetagen ihrer Wolkenkratzer so weiter machen dürfen wie bisher? Ist das nicht total verrückt?

Viele Wirtschaftswissenschaftler, darunter der Nobelpreisträger Paul Krugman, haben eine gerechtere Lösung vorgeschlagen. Wenn der Steuerzahler den Banken Kapital gibt, sollte er auch, wie alle anderen Investoren, Miteigentümer der Bank werden. Mit anderen Worten: Der Staat sollte im Interesse der Steuerzahler die Banken verstaatlichen. Vorübergehend jedenfalls. Sobald die Banken wieder gute Geschäfte machen, können sie dem Steuerzahler sein Geld zurückgeben und auf diese Weise die Verstaatlichung rückgängig machen.

Eine tolle Idee! Aber die Medien haben sie ignoriert. Die Banken-Lobby hat dafür gesorgt, dass die Politiker sie nicht aufgreifen und wir Staatsbürger haben uns nicht stark dafür gemacht.

Die geradezu gespenstische Willfährigkeit der Bürger ist inzwischen zu einem fundamentalen Problem für unsere Demokratie geworden. Der Bürger redet nicht mehr mit. Er hat längst den Durchblick verloren. Die Medien schüren seine Ängste, und wer Angst hat, schreckt vor Veränderungen zurück.

Unbehelligt kann die Regierung das tun, was sie ohnehin am besten kann: Geld ausgeben. Und wenn nicht genug Geld da ist, wird die Notenbankpresse angeschmissen und Geld gedruckt. So ist bei der Bankenrettung ein Berg von Staatsschulden entstanden, den wir zu unseren Lebzeiten gar nicht abbauen können. Einen großen Teil der Schulden bürden wir einfach unseren Kindern und Enkeln auf.

Ein Skandal? Und was für einer! Aber es fällt uns schwer, dem Skandal ein Gesicht zu geben. So können wir uns kaum vorstellen, ein Testament für unsere Kinder aufzusetzen, das mit den Worten beginnt: „Liebe Kinder, es tut mir leid, dass ich euch nur einen Haufen Schulden hinterlassen kann. Ich habe nämlich leider über meine Verhältnisse gelebt. Hoffentlich kommt ihr damit irgendwie zurecht und nehmt es mir nicht übel“. Dieses Testament beschreibt genau das, was wir als Kollektiv den nachfolgenden Generationen antun. Aber wir wollen lieber nicht so genau hinschauen…

Viele finden es toll, dass der Staat ihnen 2500 € geschenkt hat, damit sie ein neues Auto kaufen. Dass es schon in zwei Jahren technisch total veraltet sein wird, verdrängen sie erst mal. Die Abwrackprämie hat auf sie wie eine Ecstasy-Pille gewirkt und ihnen mitten in der Krise ein rauschhaftes Glücksgefühl beschert. Dass viele Menschen derweil ihren Arbeitsplatz verloren haben, berührt uns alle nicht besonders, jedenfalls solange der eigene  Arbeitsplatz noch existiert.

Monatelang haben die Medien quotenträchtig Angst geschürt und den „Globalen Zusammenbruch der Finanzmärkte“ mit Horrorgeschichten aufbereitet. Aber der „Zusammenbruch“ hat sich nicht ereignet. Die Gurus der Branche sehen einen Silberstreif am Horizont und verkünden, dass das Schlimmste schon vorbei sei. An der Wallstreet, im Frankfurter Bankenviertel und auf allen anderen Finanzmärkten der Welt läuft alles weiter wie gehabt - Business as usual.

Geht uns das etwas an? Viele Meditierer/innen sind der Meinung, dass sie sich nicht mit Politik befassen sollten – aktiv sowieso nicht, aber auch nicht als kritische Staatsbürger. Sie stehen über den Dingen und sie ziehen Osho-Zitate aus dem Hut, mit denen sie ihre Ansicht untermauern, dass politisches Engagement die Arbeit an sich selbst behindert und der Erleuchtung im Wege steht. 

Nun kann man freilich fast jede persönliche Anschauung mit Osho -Zitaten stützen, denn der Meister hat sich ja bekanntlich zu fast jedem Thema gerne widersprüchlich geäußert. Aber Vorsicht: Das Ego schmückt sich gerne mit Zitaten. Wäre es nicht besser, die Verantwortung für das, was wir tun und auch für das, was wir unterlassen, selber zu übernehmen?

Warum lassen wir es einfach zu, dass die Banker  schon wieder „Erfolgsprämien“ -  die berüchtigten „Boni“ - in Milliardenhöhe in ihre Taschen schieben?  Es waren doch die Bonis, die sie dazu verführt haben, kurzfristige Gewinne mit unkalkulierbaren Risiken zu erzielen – bis die ganze Finanzindustrie gegen die Wand krachte.

Umfragen unter den Bankern haben ergeben, dass sie nicht an Schuldgefühlen leiden, sondern vielmehr daran, dass ihr gesellschaftliches Ansehen schwer gelitten hat.  Das hat Angela Merkel offenbar leid getan und sie dazu bewogen, Josef Ackermann, die Ikone der deutschen Finanzindustrie, und 60 seiner Freunde zu seinem 60sten Geburtstag ins Bundeskanzleramt einzuladen. Ausgerechnet ihn, der mit seiner Bank an den fragwürdigsten  Spekulationsgeschäften rund um den Globus beteiligt war – und damit ein paar Milliarden Euro Verlust eingefahren hat.

Ich finde, dass Angela Merkel einladen darf, wen sie will. Die Einladung an Ackermann war vor allem als eine Geste von ungeheurer Symbolkraft interessant. Sie hat uns gezeigt, wer in der Ehe von Big Business und Politik das Sagen hat. Die Bundesrepublik wird vom Geld regiert.

Der Raubritter-Kapitalismus hat die Krise unbeschadet überlebt. Und nirgendwo gibt es Anzeichen dafür, dass sich in den Chefetagen der Banken und Großkonzerne ein soziales Verantwortungsbewusstsein entwickelt.

Wir können das bedauern, aber ändern können wir es nicht. Haben wir überhaupt eine Möglichkeit, etwas zu verändern? Wenn ich Freunde und Bekannte danach frage, sind die meisten völlig ratlos. „Wie stellst du dir das vor?“ heißt es dann. „Sollen wir etwa in eine Partei eintreten? Auf die Straße gehen und Protestplakate durch die Gegend schleppen?“

Manche spirituell schon weit fortgeschrittenen Freunde ziehen sich auf eine ganz hohe Warte zurück und weisen darauf hin, dass die Ereignisse kosmischen Gesetzen folgen. Alles werde sich, jenseits unserer Einflussmöglichkeiten, so entwickeln, wie es sich im Sinne einer höheren Ordnung entwickeln muss. Nun ja – so kann man es natürlich auch sehen. Aber es könnte ja auch sein, dass wir, ganz unbewusst, unser Gewissen beruhigen wollen, wenn wir uns auf unsere Ohnmacht berufen.

Wir stehen am Anfang einer globalen Kulturrevolution. Die Kräfte des Wandels fordern die Kräfte der Beharrung heraus. Das Alte versucht, sich mit brutaler Gewalt zu behaupten. Das Neue hält tapfer dagegen. Bei dem Ringen zwischen Beharrung und  Wandel geht es tatsächlich um die Frage, ob der Mensch auf diesem Planeten eine Zukunft hat oder nicht. Der Kampf wird auf allen Ebenen ausgetragen. Der Ausgang ist ungewiss. In den USA ist Barack Obama im Kampf gegen das Big Business in die Defensive geraten. Sein politisches Schicksal hängt am seidenen Faden.

Millionen von Menschen engagieren sich weltweit, um die Dynamik des Wandels zu stärken. Wie ein solches  Engagement im Zeitalter des Internet aussieht, kann man unter info(at)barackobama.com oder my.barackobama.com/ontheground erfahren.  Natürlich bleibt die  eigene  Veränderung Hauptantriebskraft des Wandels. So können wir die Finanzkrise vor allem als eine ganz persönliche Herausforderung begreifen und etwas Wichtiges in unserem eigenen Leben verändern. Jedenfalls sollten wir in dieser historischen Zeit des Wandels nicht dem Beispiel der Banker folgen.

Business as usual? Nein danke!


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