Der Zigeuner von Hechthausen


Wir saßen im Cafe Zeitlos und unterhielten uns über Männer. Einer davon war Tim oder Timothy.

 „Den  lass ich nicht mehr nah an mich ran“ sagte Cilla unter Tränen, jetzt 3 Monate nach Beginn ihrer Beziehung.

Tim war Indianer und lebte in einem Tipi im Norden Schottlands. Eigentlich hieß er Dieter, war 54 Jahre alt und stammte aus Hechthausen bei Stade.

Diese ganz und gar einmalige Beziehung mit Tim begann, so Cilla, beim ersten Blick in seine Augen. Sie wusste, dass sie für einander bestimmt waren. Und schon eine Woche nach dem Kennenlernen waren sie Seelenverwandte.

Dieter sprach nie viel doch sein Auftreten in viel Leder, Fransen und Stirnband, dazu sein langer Pferdeschwanz raubten ihr den Verstand. In der zweiten Woche zog sie bei ihm ein.

„Magisch“ war das Wort, das Cilla in der vierten Woche überwiegend benutzte und ich als ihre langjährige Freundin befürchtete, sie nicht mehr wiederzusehen.

In der sechsten Woche reiste Dieters Familie aus Hechthausen an und Cilla räumte den Platz in seinem Bett. Den nahm nun Dieters Frau mit den Zwillingen ein. Cilla ging nun täglich zu Healing Sessions und einschlägigen Kursen, um sich von ihrem einschränkenden Besitzdenken zu lösen und in der Frau von Dieter eine nahe Freundin zu finden.

In den letzten drei Wochen sah ich Cilla kaum noch. Abgemagert und mit Ringen unter den Augen sprach sie in unserem letzten Gespräch von einem Leben in Keuschheit, sie wollte zu den Nonnen nach Hildesheim.

astridkiesslingwebde

P.S. Der Text entstand bei einer Seminarübung zum Thema „Nähe“