Up up in the sky


„Vor ihnen in der Sitztasche befinden sich die Tüten“ , flüsterte mein rechter Nachbar und schaute ein wenig mitleidig. Auf dem Flug nach Glasgow war es wieder soweit. Die inneren Bilder eines Adlers, der sanft seine Kreise zieht stürzten ab in eine Wirklichkeit, wo mein Magen nicht mehr mir gehörte.
Mein Versuch, dem unaufhörlichen Strom frisch verdauter Nahrungmittel mit Atem- und Visualisierungsübungen zuvorzukommen, versagten jämmerlich. Die oft zu Hause immaginierten Bilder gemächlich fliegender Gänseschwärme verfingen nicht in meinem Kopf, stattdessen produzierte ich unkontrollierte Würgelaute, mein Herz raste, kalter Schweiß trat mir auf die Stirn. Statt „up up in the sky“ skandierte eine innere Stimme „schnell zum Klo“. Ich wischte mir mit einem Papiertaschentuch notdürftig den verschmutzten Mund ab und machte mich mit zitternden Beinen auf zum Ende der Kabine, vorbei an sich zu prostenden Engländern und wer weiß was für Nationalitäten noch. Lange hielt ich mich nicht mit diesen Gedanken auf, schon durchfuhr mich wieder eine Welle autonom agierender Lebensmittel samt Flüssigkeiten, die ich mit dem Taschentuch zurück in den Mund presste. Zum Glück war die Toilette frei und jetzt- wirklich erst jetzt ahnte ich wie sich Freiheit über den Wolken anfühlen kann, als sich der letzte Rest ins Waschbecken ergos.

Astrid Kiesling, Stellshagen 2011