Das Projekt, das Träume weckt

Paritosh Udo erfindet den menschenfreundlichen Kapitalismus.


Paritosh Udo hat ein einfaches Geschäftsprinzip. „Nur das Geld, das du aus dem Fenster schmeißt, kommt durch die Tür wieder herein“.
Deshalb wundern sich seine Freunde nicht, wenn Udo anruft und sagt: „Ich hab da Geld auf dem Konto, das ich gerade nicht brauche. Kannst du vielleicht was damit anfangen?“ Er liebt das Geld. Aber er liebt es ohne Bedingungen. Er klammert nicht. Wenn es kommt, ist es gut, wenn es geht, ist es auch gut – es wird schon wiederkommen. Udo kann vertrauen. Er lebt nach der Devise: „Wer gibt, dem wird gegeben werden.“
Er sponsert Buchproduktionen. Er kauft Kunst, um Künstler zu fördern. Er macht nachhaltige Geschenke. Kürzlich fragte ich ihn, ob er im Zuge des globalen Finanz-Crashs viel Geld verloren habe. „Meinst du mich?“, sagte er verwundert. „Ich bin doch nicht blöd und lasse irgendwelche Analphabeten mit meiner Kohle spekulieren“. Jetzt will Udo den menschenfreundlichen Kapitalismus erfinden. Davon gleich mehr.

Börsenfieber
Geldgeschäfte auf den Finanzmärkten werden von psychischen Stromstößen beherrscht: Gier, Wunschdenken, Eitelkeit, Neid, Minderwertigkeitskomplexe, Egomanie, Misstrauen und vor allem – Angst. Deshalb finde ich das Börsenspiel so interessant. Es spiegelt die menschliche Natur wider und du kannst deine eigenen psychischen Impulse beobachten. Lässt du dich vom Fieber anstecken? Wie stark ist die Versuchung, dich am Roulettespiel zu beteiligen und den Kitzel eines gewagten Einsatzes zu genießen? Verderben dir sinkende Börsenkurse die Laune oder bist du schon so weit, dass äußere Umstände dein Glücksgefühl nicht mehr berühren?
Das Vertrauen in die Weisheit der Banker ist jedenfalls dahin. Endlich ist die längst überfällige Kritik am Kapitalismus da. Immer mehr Menschen spüren, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann. Undurchsichtige Finanzspekulationen, kurzatmige Unternehmensstrategien, Druck auf die Löhne, Bonus-Bonanza für die Manager, Steuerhinterziehung, Massenabbau von Arbeitsplätzen, Manipulation der Medien und eine systematische Korrumpierung der politischen Institutionen lassen sich nicht mehr so leicht als soziale Marktwirtschaft im freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat verkaufen.

Lässt sich Geld kontrollieren?
Aber was ist die Alternative? Der Sozialismus ist bisher den Beweis schuldig geblieben, dass er funktioniert. Vielleicht braucht er den Neuen Menschen, damit er funktionieren kann. Aber den Neuen Menschen, der sein eigenes Interesse dem Interesse der Gemeinschaft unterordnet, gibt es leider noch nicht als Massenphänomen. Wir jedenfalls bleiben am Ball …
Inzwischen ist das Thema „Effektive Kontrolle der Finanzwirtschaft“ aktuell. Viele seriöse Wirtschaftsexperten warnen allerdings schon vor allzu scharfen Regulierungen. Sie meinen, dass die Finanz-Manager mit ihrer Risikobereitschaft verkalkte Strukturen aufbrechen, schwache Unternehmen entweder aufpeppen oder verschwinden lassen und neuen Ideen auf dem Markt zum Durchbruch verhelfen. Ihre kreative Spekulations-Energie sei das belebende Element einer modernen und dynamischen Wirtschaft.
Aber lässt sich Geld überhaupt kontrollieren? Weder Kapitalismus noch Sozialismus haben sich dazu in der Lage gezeigt.
Kein Wunder, denn ein verantwortungsbewusster Umgang mit Geld hat mit Wirtschaft und Politik überhaupt nichts zu tun, sondern ist vielmehr eine Frage des Bewusstseins. Gesetze, Regulierungen und Kontrollen können kein Bewusstsein hervorzaubern. Denn Bewusstsein ist etwas ganz Individuelles – ein kostbares Gut, das der Einzelne in seinem Inneren entdecken und durch beharrliche Arbeit an sich selbst ständig weiterentwickeln kann.

Verwirklichung von Visionen
Hier komme ich auf Udo zurück. In einem Artikel in der Januarausgabe der Osho Times rechnet er mit der kollektiven Illusion ab, dass unser Geld bei den Banken gut aufgehoben sei. Wir sollten uns nicht mehr auf die „Blender, Hochstapler und Schönrechner der (Banken)-Branche“ verlassen, mahnt Udo, sondern „die Verantwortung für unsere Finanzen in vollem Umfang selbst übernehmen“.
Udo schlägt die Gründung eines eigenen Investmentfonds vor, „der Projekte ins Leben ruft und aktiv an deren Verwirklichung mitarbeitet.“ Das eigentlich Ungewöhnliche an Udos Vorschlag besteht darin, dass er die Wertschöpfung sozusagen eine Etage höher hebt, nämlich von der materiellen auf die geistige Ebene. Es geht bei dem Fond, den er vorschlägt, nicht nur um Cash, sondern vor allem um die Verwirklichung von Visionen, Ideen und kreativen Impulsen, mit denen sich die Anteilseigner identifizieren.
Wer in diesem Fond Geld anlegt, träumt nicht von Reichtum, Luxus und gesellschaftlichem Ansehen. Er träumt von einem Leben, das seine Erfüllung in der Liebe, im Lachen und in der Meditation sucht.

Ein Udopist
Eine Utopie? Absolut! Aber was wäre das Leben ohne Utopien? Es wäre banal, eintönig und bedeutungslos. Utopien sind Initialzündungen für Energien, die aus dem Gefängnis der Fantasielosigkeit, der Anpassung, der Gleichmacherei ausbrechen wollen. Utopien sind Spielereien kreativer Vordenker. Utopien sind die Realitäten von morgen.
Ich würde Udo freilich nicht als Utopisten bezeichnen. Ein Utopist versteht gewöhnlich nichts von Geld. Bei Udo ist das ganz anders. Er hat zunächst Religion und Sport studiert und sechs Jahre lang als Lehrer gearbeitet. Dann setzte er ein Betriebswirtschaftsstudium drauf, das er mit einem Diplom abschloss. Religion und Geld – eine interessante Kombination! Aber es war der Sport, mit dem seine Unternehmer-Karriere begann.
Udo finanzierte sein Studium nämlich als Skilehrer in den französischen Alpen. Und weil seine Gene ihm ein goldenes Händchen beschert haben, kam er auf die Idee, von Skilehrer auf Reiseunternehmer umzusteigen. Jetzt beschäftigte er selber Skilehrer. Die Zahl seiner Kunden wuchs schnell. Und schon bald wohnten sie in Apartments, die dem Reiseunternehmer Paritosh Udo gehörten.
Nach zwölf Jahren schnallte Udo die Skier ganz ab, übergab das Reiseunternehmen an seine Skilehrer und baute ein schönes Haus auf Mallorca. Mit seiner Partnerin Chetana, Chetti genannt, begann ein neues Leben. Udo entdeckte eine neue Leidenschaft: Golfspielen. Wie zu erwarten, wurde er schon bald Golflehrer. Außerdem absolvierte er eine SE-Traumatherapie-Ausbildung, und mit dieser Doppelkompetenz arbeitet er nun auch als Coach.
Noch was? Ach ja: Wie Harpe Kerkeling ist Udo als Pilger auf dem Jakobsweg unterwegs gewesen – sportlich fit und spirituell auf der Höhe. Außerdem hat er einen scharfen Blick für interessante Immobilien, schreibt Lieder und spielt Gitarre in einer Band. Chetti, Physiotherapeutin und Traumatherapeutin, hat derweil ihre eigene Erfolgskarriere aufgebaut. In ihrer Praxis arbeiten inzwischen vier Therapeuten. Und ihre Adresse wird von Mallorcas Reichen und Schönen wie die Adresse eines Fünf-Sterne-Restaurants herumgereicht.

Hier kann viel passieren!
Jetzt scheint es so, als ob Udo Luft holt, um sein Lebenswerk in Angriff zu nehmen: Der Investmentfond für spirituelle Anleger. Als er seine Idee in der Osho Times vorstellte, gab es noch kein konkretes Projekt. Nun ist es da: ein Schloss, das von 1951 bis 2004 als Kloster genutzt wurde. In der Projektbeschreibung des Verkäufers heißt es: „Die schön renovierte Schlossanlage umschließt mit 4 Flügeln einen regelmäßigen, viereckigen Hof … Sehr attraktiv ist der Park mit seinem alten Baumbestand, der das Schloss umgibt …“
In seinem Nutzungs-Exposée schreibt Udo unter anderem: „Nötig sind 600 000,– € zum Kauf des Objektes, dann Renovierung nach Einlage. Budget: 2 Millionen Euro, idealerweise 20 Anteile á 100 000. Bankkredite sollen möglichst nicht aufgenommen werden.“
Ich habe bisher nur Fotos von dem Schloss gesehen und bin schwer beeindruckt, zumal es praktisch vor den Toren von München liegt (Der Flughafen ist nur 45 km entfernt). Hier ist viel Platz, hier kann vieles geschehen: Hier können Meditationsretreats stattfinden. Hier können Therapeuten und Ärzte ein Energiefeld für ganzheitliches Heilen aufbauen. Hier können Seminare aller Art stattfinden. Hier können Freunde ihren Lebensabend gemeinsam verbringen. Hier kann ein Hospiz entstehen, in dem die Reise zum anderen Ufer mit Familienangehörigen und Freunden als spiritueller Höhepunkt gefeiert wird. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Nur so viel sei noch gesagt: Es ist ein Projekt, das Träume weckt.
Übrigens will Udo mit einer halben Million Euro einsteigen. Auf geht’s, Freunde! Das Spiel kann beginnen! Notiert euch schon mal Udos Email-Adresse: paritoshudo@hotmail.com